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Enerige & Management > Wasserstoff - Gasbranche will Wasserstoff auch im Wärmemarkt
Bild: Shutterstock, Alexander Limbach
WASSERSTOFF:
Gasbranche will Wasserstoff auch im Wärmemarkt
Auf einer virtuellen Fachtagung zum Wasserstoff von BDEW und VDE diskutierten Praktiker und Politikvertreter über die richtigen Schritte, um den Klimaschutz voranzubringen.
 
Die Diskussionsrunde war sich einig, dass Wasserstoff der Schlüssel zur Sektorkopplung und perspektivischen Dekarbonisierung des Energiebedarfs ist. Damit endete aber die Einigkeit auf der virtuellen Fachtagung zum Wasserstoff von BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) und VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik).

Während der Innovationsbeauftragte für grünen Wasserstoff im BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung), Stefan Kaufmann, auf die nächste Bundesregierung verwies, wollen die Unternehmen jetzt loslegen, wie Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender VNG (Verbundnetz Gas), betonte. „Im Moment geht es zu langsam vorwärts, weil die Reallaboranträge zu kompliziert waren und an dem vorbeigingen, was wir brauchten“, kritisierte Heitmüller.

Gasinfrastruktur nutzen

Sein Unternehmen habe eine eigene Stabsabteilung gegründet, die die IPCEI-Anträge für die EU-Förderung bearbeitet. Das IPCEI-Programm (Important Project of Common European Interest) werde aber erst Ende des Jahres wirklich greifen, das sei zu langsam. Heitmüller vermisst zudem Technologieoffenheit bei der Politik. „Wir sollten die Beimischung von Wasserstoff in existierende Gasinfrastruktur nicht verbieten, weil damit wichtige Möglichkeiten verschenkt werden, schnell Wasserstoff zu integrieren und damit Nachfrage zu schaffen“, appellierte er.

Das würde auch Umwege wie über Ammoniak umgehen, die mehr Kosten und geringeren Wirkungsgrad bedeuteten. Auch die Farbe, also Herkunft des Wasserstoffs, sollte nicht von oben definiert werden. „Die aktuelle Doppelregulierung im EnWG halte ich für ineffektiv“, sagte Heitmüller. Der Wasserstoffbeauftragte des BMBF, Stefan Kaufmann, erwiderte, das Zusammenspiel von Planung und Umsetzung hinke tatsächlich manchmal hinterher, auch weil die Länderebene dazwischen liege.

Nächste Bundesregierung soll es richten

Kaufmann versprach noch in dieser Legislaturperiode die Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) der EU. Die ausstehende Zusammenführung der verschiedenen Einzelsysteme der Förderung und Regulierung in einem Gesamtsystem der Energiewende müsse aber die nächste Bundesregierung anpacken. „Das braucht auch eine gewisse Beherztheit und eine Offenheit für Geschäftsmodelle, ein Bepreisungsmodell für CO2 und Sektorkopplung“, sagte Kaufmann.

Ansgar Hinz, Vorstandsvorsitzender des VDE, mahnte, integrierbaren erneuerbaren Strom nicht in Elektrolyseuren zu verschwenden. Jede Umwandlung von Energie bringe Verluste mit sich. „Wasserstoff hat ein Riesenpotenzial zur Nutzbarmachung von Strom, der nicht im gleichen Moment verwendet werden oder transportiert werden kann“, sagte Hinz. Wasserstoff werde ein zentrales Element zur Sektorkopplung auf systemischer Ebene und für die chemische Industrie.

Mehr erneuerbaren Strom erzeugen

„Wir müssen jetzt mehr in eine umsetzungsorientierte Förderung hinein“, mahnte Hinz. Das Ziel der Dekarbonisierung müsse aus der Politik kommen, aber die Umsetzung sollte den Fachleuten überlassen werden, appellierte Hinz. „Wir haben jetzt eine einmalige Chance, in Europa und Deutschland Technologie schnell zu entwickeln“, sagte er. Dazu brauche es einheitliche Zins- und Wirtschaftsmodelle zwischen den Sektoren. Maßstab sei die Klimagas-Vermeidung zu den niedrigstmöglichen Kosten.

Aus der Position der Wissenschaft ergänzte Prof. Christopher Hebling, Bereichsleiter Wasserstofftechnologie am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), die Diskussion. Er erinnerte, dass ein massiver Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung das Rückgrat der Dekarbonisierung bleibt. „Ohne erneuerbaren Strom können wir auch keinen grünen Wasserstoff erzeugen“, sagte er.

Es brauche Planungssicherheit über die politischen Rahmen für die Investoren. Dazu gehörten auch Lösungen für die Mehrkosten von klimafreundlichen Produkten, damit die Industrie weiter aus Europa und Deutschland heraus produzieren kann.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 23.02.2021, 11:34 Uhr

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