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Enerige & Management > Studien - Fraunhofer ISE: Kleinanlagen dominieren beim PV-Ausbau
Quelle: Fotolia / alphaspirit
STUDIEN:
Fraunhofer ISE: Kleinanlagen dominieren beim PV-Ausbau
Laut einer überarbeiteten Kurzstudie ist dies nicht zuletzt auf finanzielle Anreize sowie relativ niedrige regulatorische Hürden zurückzuführen. Wichtiger werden Batteriespeicher.
 
Eine überarbeitete Version seiner Kurzstudie zum Ausbau der Photovoltaik (PV) in Deutschland veröffentlichte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) am 4. August. Die Studie basiert primär auf dem Marktstammdatenregister (MaStR), in das seit Januar 2019 sämtliche an das öffentliche Stromnetz angeschlossenen Erzeugungseinheiten eingetragen werden müssen.

Der Anteil der Aufdachanlagen mit weniger als 30 kWp Leistung am Ausbau hat sich demnach von 2018 bis 2021 auf rund 36,2 % verdoppelt. Als Grund dafür nennt Dominik Peper, der Autor der Studie, den „Wegfall der Umlagepflicht auf Selbstverbrauch für PV-Anlagen im Segment zwischen zehn und 30 kW“. Der Studie zufolge erhöhte sich der Anteil der Anlagen im Bereich zwischen zehn und 20 kW auf 11,5 % und damit um mehr als das Vierfache. Diese Größe ist laut dem ISE typisch für PV-Anlagen auf Privathäusern.

Finanzielle Anreize fördern private PV-Anlagen

Dass in Deutschland vor allem Kleinanlagen mit weniger als 10 kW Leistung installiert werden, erklärt das ISE unter anderem damit, dass deren Flächenbedarf „in der Regel der Flächenverfügbarkeit auf Dächern von Einfamilienhäusern entspricht. Da der Ausbau von PV-Anlagen im Privatbereich gewünscht ist, werden hier besondere finanzielle Reize gesetzt. Dies umfasst unter anderen eine höheren Einspeisetarif sowie die Befreiung von der EEG-Umlage beim Selbstverbrauch. Zusätzlich gibt es hier weniger Hürden bei der Umsetzung als bei Mehrfamilienhäusern“.

Ferner sind Privatpersonen bisweilen weniger an der Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage interessiert als an „nichtfinanziellen Werten“, etwa einer gewissen Unabhängigkeit von etablierten Stromversorgern oder am Leisten eines Beitrags zur Energiewende. Seit 2020 wieder erhöht hat sich der Anteil der Freiflächenanlagen am Zubau. Von 47,5 % im Jahr 2015 sank dieser bis 2019 auf 24,9 %, stieg seither indessen auf 39,7 % an.

Drei Bundesländer dominieren

Geographisch verteilt sich der PV-Ausbau zunehmend gleichmäßiger. Erreichten die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern in den Jahren 2000 bis 2010 Ausbauanteile von 50,5 % bis 74,5 %, so lagen sie 2021 bei nur mehr 39,5 %. Dem gegenüber konnte Nordrhein-Westfalen seinen Anteil von 11,0 % im Jahr 2001 auf 19,6 % im vergangenen Jahr fast verdoppeln. Diese drei Bundesländer machten 2021 fast 60 % des Zubaus aus. Niedersachsen lag mit 10,9 % an vierter Stelle, gefolgt von Hessen und Rheinland-Pfalz mit jeweils rund 6 %. Gestiegen sind auch die Ausbau-Anteile von Brandenburg, Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt, wenngleich auf einem teilweise sehr geringen Niveau.

Überwiegend werden seit 2012 Anlagen mit integrierter Leistungsbegrenzung installiert. Dies ist auf die seit damals geltenden Vorgaben des EEG zurückzuführen. Der Anteil solcher Anlagen am Zubau lag 2021 bei 78,9 %. Üblicherweise beläuft sich die Leistungsbegrenzung auf 70 %, wie dies im EEG festgelegt ist.

Hauptausrichtung Süden

Weiterhin werden die meisten Anlagen nach Süden ausgerichtet. Im Jahr 2021 lag ihr Anteil am Zubau bei 41,9 %. „Sprunghaft“ erhöht hat sich dem ISE zufolge der Anteil jener Anlagen, bei denen ein Teil der Module nach Osten und der verbleibende Teil nach Westen orientiert ist. Er stieg von 6,9 % im Jahr 2019 auf 10,8 % im Jahr 2021. Großanlagen, etwa auf Industriegebäuden sowie auf Freiflächen, werden zumeist nach Süden ausgerichtet. Bei Kleinanlagen auf Wohngebäuden ist die Ausrichtung dagegen „an die Gegebenheiten des Hauses gebunden und daher weniger flexibel“ als bei Großprojekten.

Was die Neigungswinkel betrifft, dominieren Anlagen mit etwa 20 bis 40 Grad. Derart geneigte Module machten 2021 etwa 57,1 % aller Zubauten aus. Nur rund 21 % der Neuinstallationen wiesen dagegen steilere Neigungswinkel von 40 bis 60 Grad auf. „ Anlagen mit flachen Neigungswinkeln sind rückläufig (19 % in 2021). Fassadenintegrierte Anlagen spielen mit ca. 0,1 % der 2021 zugebauten Leistung kaum eine Rolle“, heißt es in der Studie.

Viel Zubau von Batteriespeichern

„Stark zugenommen“ hat der Studie zufolge der Zubau von Batteriespeichern. Er verdoppelte sich von 2019 auf 2020 auf insgesamt 85.779 Anlagen, ein Wert, der 2021 nochmals übertroffen wurde: „Ende 2021 waren in Deutschland 326.048 Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von 3.521 MWh installiert, wovon mehr als ein Drittel erst in 2021 hinzugekommen war.“ Dominiert wurde der Ausbau sowohl nach Anzahl als auch nach Leistung von „klassischen PV-Heimspeichern“ mit fünf bis 10 kWh. Ihr Anteil lag im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2021 bei etwa 40,3 % der neu hinzugekommenen Kapazität. Der Anteil der Anlagen mit zehn bis 20 kWh verdoppelte sich auf 32,8 % der neu installierten Kapazität, der von Großspeichern mit über 1.000 MWh belief sich auf durchschnittlich 26,8 %“, konstatiert das ISE. Andere Leistungsklassen spielen dagegen kaum eine Rolle.

Die Studie des Fraunhofer ISE ist im Internet abrufbar   .
 

Klaus Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 04.08.2022, 16:39 Uhr

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