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Bild: Fotolia/Felix brönnimann
WINDKRAFT:
Flüchtlinge werden Windkrafttechniker
In einem bundesweiten Pilotprojekt werden Bürgerkriegsflüchtlinge von vier Windunternehmen zusammen mit ihren Partnern zu Fachkräften für Service- und Wartungsaufgaben umgeschult.
 
Mit dem Vorhaben „Empower Refugees“ geht die Windbranche neue Wege: In einem Pilotprojekt schulen vier Unternehmen aus dem Service- und Wartungssektor insgesamt zwölf Flüchtlinge zur Servicetechnikern um. Die PSM Nature Power Service & Management GmbH aus Erkelenz (Nordrhein-Westfalen) als eines der beteiligten Unternehmen schlage mit dieser Initiative sozusagen gleich zwei Klappen, sagte Geschäftsführer Ian Paul Grimble bei der Vorstellung des Projektes: „Wir setzen damit nicht nur unseren eigenen gesellschaftlichen Anspruch um, Migranten bei der Integration zu helfen, sondern gewinnen Ende 2019 gleich vier neue Kollegen.“

Womit die Personalnot des unabhängigen Servicedienstleister etwas gemildert wird: „Für unsere Tätigkeiten gibt seit schon seit längerem einen Mangel an Fachkräften, der sich mit der ständig steigenden Zahl von Windenergieanlagen noch verstärken wird.“

Alle an dem Vorhaben beteiligten Service- und Wartungsunternehmen haben den Lehrgangsteilnehmern nach einem erfolgreichen Abschluss eine Festanstellung zugesagt. 2016 ist nach Worten von Grimble die Idee von diesem Umschulungskurs geboren worden: „Dass es bis zum Start in diesem Frühjahr so lange gedauert hat, hängt viel mit bürokratische Hürden und notwendigen Förderzusagen zusammen, von denen wir anfangs keine Ahnung gehabt haben.“
 
Auf die Männer in Blau kommt es an: Bei PSM werden die vier Flüchtlinge aus Syrien und dem Iran zu Servicetechnikern für Windenergieanlagen umgeschult.
Bild: Ralf Köpke

PSM-Partner bei dem Umschulungs- und Ausbildungsprojekt ist die bekannte Kraftwerksschule Essen e.V. (KWS), die sich in den zurückliegenden Jahren den erneuerbaren Energien geöffnet hat. „Wir werden die Lehrgangsteilnehmer neben dem obligatorischen Besuch einer Lehrwerkstatt, in der sie unter anderem Fräsen, Bohren oder Sägen vermittelt bekommen, in den rund anderthalb Jahren zum Industrie-Elektriker umschulen“, umriss KWS-Lehrgangsleiter Christian Jaffke die Ausbildungsinhalte.

Am Ende erwarte alle Umschüler eine Prüfung für den IHK-Abschluss zur Elektrofachkraft. Seit Mitte März hatten die zwölf Flüchtlinge neben mehrere Eignungstests und medizinische Untersuchungen erste Praktika in den Serviceunternehmen absolviert. „Von allen Unternehmen hatten wir bislang durch die Bank eine positive Rückmeldung, alle lobten ihren Einsatzwillen“, so Jaffke.

Um die Windkraft-Ausbildung zu forcieren, kann sich die Kraftwerksschule künftig über einen Trainingswindturbine auf ihrem Gelände freuen. Die entsprechende (kleinere) Anlage hat PSM aus einem Repowering-Vorhaben gekauft. „Wir haben den Bauantrag für den rund zehn bis zwölf Meter hohen Trainingsturm inklusive Gondel bereits gestellt“, ließ der KWS-Projektleiter durchblicken.

Wenn das Essener Bauamt grünes Licht gibt, könnte so demnächst der bislang erste Windkraftturm in der Ruhrgebietsstadt entstehen. Die Umschulungskosten für jeden Teilnehmer bezifferte Jaffke mit rund 40 000 Euro: „Wir haben die Zusage vom Jobcenter Essen für insgesamt 15 solcher Fördermaßnahmen“, sagte Jaffke.

PSM-Geschäftsführer Grimble hofft nicht nur, dass weitere Jobcenter im Lande dem Vorbild in Essen folgen: „Wir verstehen unsere Initiative als Signal an die Windbranche, mehr für die Integration von Flüchtlingen, aber auch mehr für Ausbildung zu tun.“

Obgleich der erste Umschulungslehrgang zum Windkrafttechniker erst seit kurzem läuft, hat KWS-Projektleiter Jaffke ein (durchaus angenehmes) Problem: „Wir haben schon heute von mehreren Unternehmen verbindliche Zusagen für die Übernahme von insgesamt 30 Absolventen unseres Umschulungskurses vorliegen.“ Sprich, eine Fortsetzung von „Empower Refugees“ in der Windbranche ist sehr wahrscheinlich.
 

Ralf Köpke
© 2018 Energie & Management GmbH
Montag, 14.05.2018, 16:24 Uhr

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