• PV-Anlagen für Brühl
  • DVGW trommelt für Gas beim Klimaschutz
  • Ringen um nationale Verpflichtungen
  • Ökostrom: Warten auf bessere Zeiten
  • Druck für Kohleausstieg wächst
  • Zusammenfassung der deutschen Tagesmeldungen vom 14. November
  • 5 000 MW Braunkohle stilllegen und übrige Produktion begrenzen
  • Wissenschaftler fordern Sektorkopplung und CO2-Preis
  • Wichtiger Meilenstein für Klima-Allianz "Under2Coalition"
  • Gericht stoppt umstrittenes Alpen-Wasserkraftwerk
Bild: evo
ELEKTROMOBILITÄT:
Fahrstrom aus der Oberleitung
Die Energieversorgung Oberhausen und das lokale ÖPNV-Unternehmen Stoag (Stadtwerke Oberhausen GmbH) nutzen erstmals Strom aus dem Straßenbahnnetz, damit E-Autos schnell geladen werden können.
 
Europa- und Deutschland-Premiere in Oberhausen-Sterkrade: Am dortigen Stadtteilbahnhof können neuerdings elektrische Linienbusse und E-Autos mit Strom aus einer vorbeiführenden Straßenbahnlinie betankt werden – und zwar innerhalb von gut 15 Minuten. Die Tankinsel umfasst drei Schnellladestationen für Pkws (maximale Ladeleistung pro Säule: 50 kW) sowie für zwei Busse (220 kW Leistung).

Für Adolf Müller-Hellmann, Lehrbeauftragter der RWTH Aachen für das Fach Elektrische Nahverkehrssysteme und früherer Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), hat das Projekt in Oberhausen „Vorzeigecharakter“: „Wir müssen den öffentlichen Personennahverkehr elektrifizieren, was nicht nur die Energiewende unterstützt, sondern auch zur Schadstoffreduzierung in den Innenstädten beitragen kann.“

Um diese Entwicklung zu forcieren, drängt Müller-Hellmann darauf, die in vielen Städten vorhandene Gleichspannungsinfrastrukur für die Elektromobilität zu nutzen: „Oberhausen kann bundesweit Vorbild für mehr als 60 Städte sein, in denen Straßen-, U- oder S-Bahnen im Einsatz sind.“

Wie in Oberhausen wird dort die Energie für das Straßenbahnnetz in großen Gleichrichterstationen, den sogenannten Unterwerken, aus dem lokalen Zehn-kV-Stromversorgungsnetz entnommen. In diesen Gleichrichterstationen wird daraufhin die notwendige Versorgungsspannung von 750 Volt für das Straßenbahnnetz erzeugt. Dass via Fahrdraht auch genügend Fahrstrom für E-Autos zur Verfügung steht, erklärt Fachmann Müller-Hellmann so: „Die Unterwerke werden in der Regel nur dann belastet, wenn wirklich Straßenbahnen in der Nähe vorbeifahren. Es sind also genügend Leistungsreserven vorhanden, die für die Elektromobilität genutzt werden können.“ Und zwar vor allem für Schnellladestationen, fordert der frühere VDV-Geschäftsführer: „Einen Tankvorgang, der viel länger als an einer herkömmlichen Tanksäule dauert, werden viele Autofahrer bei ihren E-Autos nicht mitmachen wollen.“

Dank der neuen Schnellladesäulen hofft Bernd Homberg, technischer Vorstand der Energieversorgung Oberhausen AG (evo), auf einen Kick für die E-Mobilität in der Revierstadt. Bislang sind derzeit nur 18 Fahrzeuge mit E-Kennzeichnen in Oberhausen zugelassen: „Wir setzen auf eine umweltfreundliche Mobilität. Solch ein Projekt, bei dem, wie bei uns in Oberhausen, Synergieeffekte durch die Gleichspannungsinfrastruktur genutzt werden, brauchen der Individualverkehr und ÖPNV gleichermaßen.“ Den Fahrstrom, so der evo-Vorstand, werde es in Oberhausen „bis auf Weiteres“ kostenlos geben.

Dass der stadtweite Fahrstromabsatz demnächst steigen wird, dafür sorgt auch die Stoag, die den ÖPNV in der Ruhrgebietstadt managt. Nach den ersten beiden E-Bussen hat das Unternehmen zusammen mit der Vestischen Straßenbahnen GmbH, ebenfalls im ÖPNV-Sektor tätig, vier E-Busse bestellt. Beide Firmen betreiben zusammen eine städteübergreifende Busverbindung zwischen Oberhausen und Bottrop. Für Stoag-Geschäftsführer Werner Overkamp ist das erst der Anfang: „Auch im ÖPNV führt kein Weg an der E-Mobilität vorbei.“

Dass der Fahrstrom für E-Autos- und -Busse in Oberhausen-Sterkrade neuerdings aus der Fahrleitung, und nicht aus der Steckdose kommt, ist dem europäischen Förderprogramm Eliptic (Electrification of Public Transport in Cities) zu verdanken. Die Kosten für das Pilotprojekt in Oberhausen belaufen sich inklusive des Kaufs von zwei E-Bussen und der Ladesäulen auf rund zwei Mio. Euro.
 

Ralf Köpke
© 2017 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 13.07.2017, 17:19 Uhr

Mehr zum Thema