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Bild: evo
ELEKTROMOBILITÄT:
Fahrstrom aus der Oberleitung
Die Energieversorgung Oberhausen und das lokale ÖPNV-Unternehmen nutzen erstmals Strom aus dem Straßenbahnnetz, damit E-Autos schnell geladen werden können.
 
Europa- und Deutschland-Premiere in Oberhausen-Sterkrade: Am dortigen Stadtteilbahnhof können neuerdings elektrische Linienbusse und E-Autos mit Strom aus einer vorbeiführenden Straßenbahnlinie getankt werden – und zwar innerhalb von gut 15 Minuten. Die „Tankinsel umfasst drei Schnellladestation für Pkws (maximale Ladeleistung pro Säule: 50 kW) sowie für zwei Busse (220 kW Leistung).

Für Prof. Adolf Müller-Hellmann, Lehrbeauftragter der RWTH Aachen für das Fach Elektrische Nahverkehrssysteme und früherer Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), hat das Projekt in Oberhausen „Vorzeigecharakter“: „Wir müssen den öffentlichen Personennahverkehr elektrifizieren, was nicht nur die Energiewende unterstützt, sondern auch zur Schadstoffreduzierung in den Innenstädten beitragen kann.“

Um diese Entwicklung zu forcieren, drängt Müller-Hellmann darauf, die in vielen Städten vorhandene Gleichspannungsinfrastrukur für die Elektro-Mobilität zu nutzen: „Oberhausen kann bundesweit Vorbild für mehr als 60 Städte sein, in den Straßen-, U- oder S-Bahnen im Einsatz sind.“

Wie in Oberhausen wird die Energie für das Straßenbahnnetz in großen Gleichrichterstationen, den sogenannten Unterwerken, aus dem lokalen 10-kV-Stromversorgungsnetz entnommen. In diesen Gleichrichterstationen wird darauf die notwendige Versorgungsspannung von 750 Volt für das Straßenbahnnetz erzeugt. Dass via Fahrdraht auch genügend Fahrstrom für E-Autos zur Verfügung steht, erklärt Fachmann Müller-Hellmann so: „Die Unterwerke werden in der Regel nur dann belastet, wenn wirklich Straßenbahnen in der Nähe vorbeifahren. Es sind also genügend Leistungsreserven vorhanden, die für die Elektromobilität genutzt werden können.“

Und zwar vor allem für Schnellladestationen, fordert der frühere VDV-Geschäftsführer: „Einen Tankvorgang, der viel länger als an einer herkömmlichen Tanksäule dauert, werden viele Autofahren bei ihren E-Autos nicht mitmachen wollen.“

Dank der neuen Schnellladesäulen hofft Bernd Homberg, Technischer Vorstand der Energieversorgung Oberhausen AG (evo), auf einen Kick für die E-Mobilität in der Revierstadt. Bislang sind derzeit nur 18 Fahrzeuge mit E-Kennzeichnen in Oberhausen zugelassen: „Wir setzen auf eine umweltfreundliche Mobilität. Solch ein Projekt, bei dem wir bei uns in Oberhausen Synergieeffekte durch die Gleichspannungsinfrastruktur genutzt werden, braucht der Individualverkehr und ÖPNV gleichermaßen.“ Den Fahrstrom, so der evo-Vorstand, werde es in Oberhausen „bis auf weiteres“ kostenlos geben.

Dass der stadtweite Fahrstromabsatz demnächst steigen wird, dafür sorgt auch die Stadtwerke Oberhausen GmbH (STOAG), die den ÖPNV in der Ruhrgebietsstadt managt. Nach den ersten beiden E-Bussen hat die Stoag zusammen mit den Vestischen Straßenbahnen GmbH, ebenfalls im ÖPNV-Sektor tätig, vier E-Busse bestellt. Beide Unternehmen betreiben zusammen eine städteübergreifende Busverbindung zwischen Oberhausen und Bottrop. Für Stoag-Geschäftsführer Werner Overkamp ist das erst der Anfang: „Auch im ÖPNV führt kein Weg an der E-Mobilität vorbei.“

Dass der Fahrstrom für E-Autos- und –Busse in Oberhausen-Sterkrade neuerdings aus der Fahrleitung, und nicht aus der Steckdose kommt, ist dem europäischen Förderprogramm ELIPTIC (Electrification of public transport in cities) zu verdanken. Die Kosten für das Pilotprojekt in Oberhausen belaufen sich inklusive des Kaufs von zwei E-Bussen und der Ladesäulen auf rund zwei Mio. Euro.
 

Ralf Köpke
© 2017 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 13.07.2017, 17:19 Uhr

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