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Enerige & Management > Bilanz - Eon mit positivem Blick nach vorne
Bild: Fotolia.com, Rynio Productions
BILANZ:
Eon mit positivem Blick nach vorne
Unabhängig von der Corona-Krise sieht sich der Essener Energiekonzern nach dem mehrjährigen Umbau für die Zukunftgeschäfte richtig aufgestellt.
 
Dass Bilanzzahlen bei der derzeit alles dominierenden Corona-Pandemie zweit- und nachrangig sind, dafür war auch die Bilanzkonferenz des Energieriesen Eon am 25. März ein bestes Beispiel. Gleich mehrere Minuten betonte Vorstandschef Johannes Teyssen die gesellschaftliche, weil systemrelevante Verantwortung seines Unternehmen in diesen Zeiten: „Wir sind der größte europäische Betreiber von Energienetzen. Wir werden alles dafür tun, die Versorgungssicherheit auch in dieser Situation verlässlich aufrecht zu erhalten.“

Was „alles dafür tun“ konkret, im Alltag derzeit heißt, versuchte Teyssen so zu verdeutlichen: „Für einen Teil unserer Mitarbeiter, die die wichtige Netzschaltungen betreuen, sind wir zu kasernenartigen Lösungen übergegangen. Damit sich diese Leute sich nicht anstecken, arbeiten sie isoliert.“ Was das Privatleben dieser Mitarbeiter schwierig mache und mitunter auch „eine Zumutung“ sei. Von den rund 75.000 Konzern-Mitarbeitern sind nach Angaben Teyssens derzeit rund 14.000 täglich vor Ort im Einsatz.

Neben zeitlich befristeten Auswirkungen beim Vertrieb im Industrie- und Gewerbesektor oder auch beim Netzausbau erwartet Eon infolge der Corona-Krise für dieses Jahr „sichtbare Spuren“ in der Bilanz. „Sichtbar“ heißt aber nicht katastrophal. „Die Auswirkungen auf Cash-Flow, Ergebnis und Investitionen bleiben begrenzt“, betonte Finanzvorstand Marc Spieker. Denn es zahle sich nun aus, dass Eon nach fünfjährigem, nunmehr abgeschlossenem Umbau rund 80 % der Erträge im regulierten Geschäft erwirtschafte. Auf das klassische Kundengeschäft entfielen noch 20 % der Erlöse.

Bei den gesetzlich festgelegten Regularien wird Eon nach Worten Spiekers die in diesem Jahr entgangenen Einnahmen im Netzgeschäft in den Folgejahren verbuchen können. Was seine Gelassenheit erklärt: „Klar, gehen wir davon aus, dass einige Kunden ihre Rechnungen später bezahlen. Auch wird es Verzögerungen bei Investitionen geben. Das sind nur vorübergehende Effekte, auf mittlere Sicht erwarten wir keine Auswirkungen.“

Entsprechend positiv fiel auch sein Ausblick für das laufende Jahr aus: Für 2020 erwartet der Essener Energiekonzern einen Konzernüberschuss zwischen 1,7 bis 1,9 Mrd. Euro - allerdings sind in diesen Zahlen konjunkturelle Auswirkungen der Corona-Krise nicht berücksichtigt. Der bereinigte Konzernüberschuss soll von zuletzt 1,5 auf 1,7 bis 1,9 Mrd. Euro zunehmen. Wichtig: Im 2019er Ergebnis konnte Eon erstmals auch einen anteiligen Beitrag von Innogy von rund 420 Mio. Euro (vor allem aus dessen Netzgeschäft) verbuchen. Dieser Beitrag kompensierte teilweise die Einnahmen, die durch die Übertragung des Erneuerbaren-Geschäftes an den RWE-Konzern weggefallen sind. Dank der im vergangenen Herbst abgeschlossenen Innogy-Übernahme stieg Eons Umsatz für das vergangene Geschäftsjahr von 30 auf rund 41 Milliarden Euro.

Apropos Innogy: Die von Eon vorangetriebene Zwangsabfindung der verbliebenen Innogy-Aktionäre könnte sich bis möglicherweise bis September hinziehen, ließ Eon-Chef Teyssen auf der Bilanzpressekonferenz durchblicken. Es gebe etwa 40 bis 50 Widersprüche gegen den sogenannten Squeeze-Out, Klagen lägen bislang nicht vor. Eon hält rund 90 % an der früheren RWE-Ökostromtochter und will auch die verbleibenden Anteile übernehmen.
 
Abgesehen von der Corona-Krise stehen die Signale bei Eon auf Wachstum. Künftig will der Konzern 90 % seiner Investitionen in „kundenorientierte Energieinfrastruktur“ stecken – also in den Ausbau lokaler und regionaler Netze sowie den Ausbau der eigenen dezentralen Energieinfrastruktur. Um bis 2050 ein klimaneutrales Europa zu erreichen, seien „erhebliche, zusätzliche Investitionen in die erneuerbare Stromerzeugung“ geplant.

Dass Eon künftig voll auf das Netzgeschäft setzt, lag nach Einschätzung von Udo Sieverding nach dem Eon-RWE-Innogy-Deal auf der Hand: „Das Netz ist erwartungsgemäß die Cashcow der neuen Eon als Netzriese. Was die Aktionäre freut, sollte für die Politik und Bundesnetzagentur eine erhöhte Aufmerksamkeit bedeuten, hier genau hinzuschauen und die Zügel bei der Netzregulierung nicht locker zu lassen“, betonte der Energieexperte der Verbrauchzentrale NRW gegenüber E&M. Schließlich zahlten vor allem die privaten Haushalte den Großteil der Netzentgelte über ihre Stromrechnung, deren Eon-Anteil in Nordrhein-Westfalen über dessen (neues) Tochterunternehmen Westnetz besonders hoch sei.

Eon ist nun zwar vor allem ein Netzriese, mischt aber trotz der Übertragung seiner regenerativen Kraftwerke an den RWE-Konzern als Teil des Innogy-Deals weiter im Geschäft mit den grünen Energien mit – und zwar mit kleinen Einheiten für die sogenannten Kundenlösungen. Europaweit habe das Unternehmen im vergangenen Jahr 22.000 Solaranlagen auf die Dächer gebracht, berichtete Teyssen bei der Bilanzvorlage – für ihn ein Geschäft mit Wachstumsperspektive.

Genau diese Aussichten will sich Eon hierzulande nicht durch den nach wie vor vorhandenen Förderdeckel verhageln lassen, über dessen Abschaffung sich die schwarzen-roten Regierungsfraktionen seit Monaten nicht einigen können. „Dieser Solardeckel in Höhe von 52.000 Megawatt ist wirklich nicht schlau und muss deshalb weg.“ Eine der wenigen politischen Aussagen von Teyssen an diesem Tag, von dem in der Regel immer klare Worte Richtung Berlin zu erwarten sind. Doch die Zeiten sind derzeit andere.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 25.03.2020, 16:04 Uhr

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