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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Enercon streicht tausende Arbeitsplätze
Bild: pict rider / Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Enercon streicht tausende Arbeitsplätze
Die Krise auf dem deutschen Windmarkt hat auch den heimischen Marktführer erreicht. Und wie: Bis zu 3 000 Stellen sollen in nächster Zeit im Enercon-Firmenverbund wegfallen.
 
Nächster Rückschlag für die deutsche Windindustrie: Enercon, seit Ende der 1980er Jahre unumstrittener Marktführer auf dem heimischen Windmarkt, streicht nach E&M-Informationen rund 3 000 Stellen.

Weltweit sind im Enercon-Verbund etwa 18 000 Mitarbeiter beschäftigt, davon zirka zwei Drittel in Deutschland. Das heißt, Enercon trennt sich von gut einem Viertel der Mitarbeiterschaft in seinem Firmengeflecht. Ein Rückschlag insbesondere für die Region Ostfriesland, wo Enercon mit dem Stammsitz in Aurich nach dem VW-Konzern der zweitgrößte Arbeitgeber ist.

Enercon selbst nennt keine Zahlen und spricht in einer Mitteilung davon, die „Zusammenarbeit mit mehreren Produktionspartnern im Inland“ zu beenden. Davon betroffen sind insbesondere Mitarbeiter aus der Gondel- und Rotorblattproduktion in Ostfriesland und Sachsen-Anhalt. Enercon habe für die kooperierenden Blattwerke keine Aufträge mehr, da durch verfehlte politische Reformen die Auftragslage für neue Windenergie-Projekte in Deutschland nahezu zum Erliegen gekommen sei, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Enercons Aufbauleistung sei durch den Kollaps auf das Niveau von vor rund 30 Jahren geschrumpft. 

„Die aktuelle Energie- und Klimapolitik gefährdet nicht nur über Jahre aufgebautes Know-how und Arbeitsplätze in unserer Branche, sondern auch den Klimaschutz und die Energiewende insgesamt“, sagte Geschäftsführer Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig. „Schlimmer noch: Nach Vorlage des Klimaschutzpakets der Bundesregierung wird klar, dass die Probleme für uns sogar noch größer werden“, so Kettwig. So werde etwa die im Klimapakt vorgesehene pauschale Abstandsregelung den stagnierenden Onshore-Ausbau noch weiter schrumpfen lassen. „Unter diesen Bedingungen wird sich der deutsche Onshore-Markt nicht wieder erholen“,

Das Management um Geschäftsführer Kettwig hatte für 8. November um 14 Uhr an allen Produktionsstandorten zu außerordentlichen Betriebsversammlungen eingeladen, um der Belegschaft Einzelheiten mitzuteilen.

Spekulationen gab es schon länger

Nach der Insolvenz von Senvion im Frühjahr und der Ankündigung von Vestas vor wenigen Wochen, in der Rotorblattfertigung im südbrandenburgischen Lauchhammer 500 Mitarbeiter zu entlassen, hatten Fachleute seit geraumer Zeit darüber spekuliert, wann Enercon im größeren Maße Stellen abbauen muss. Das Unternehmen hatte sich stets auf den deutschen Windmarkt fokussiert und sich zudem durch eine große Fertigungstiefe ausgezeichnet, sprich, viele Hauptkomponenten selbst gefertigt.

Spätestens seit Ende 2017 sind alle Turbinenhersteller von einem massiven Einbruch auf dem deutschen Windmarkt betroffen. Bis Ende Oktober waren hierzulande nur etwa 550 MW Windkraftleistung brutto neu in Betrieb gegangen, ein Rückgang von über 80 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei Enercon war es bereits im vergangenen Jahr zu mehr als 800 Stellenstreichungen bei Zulieferbetrieben gekommen, die zum größten Teil weitestgehend von Aufträgen des Windturbinenherstellers abhängig gewesen waren.

„Der damalige Abbau hat wohl nicht ausgereicht, um das Unternehmen auf Kurs zu halten“, kommentierte Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff die aktuelle Entwicklung bei Enercon: „Das ist nur bitter.“ Der SPD-Politiker, der seinen Wahlkreis in Ostfriesland hat, sieht in der seit Monaten laufenden Debatte um größere Mindestabstände zwischen Wohnbebauung und neuen Windpark eine „zentrale Ursache“, die mit zum Einbruch bei Bau neuer Windturbinen geführt hat: „Das Mindestabstände keine ideales Mittel sind, um die Energiewende voranzubringen, wollen Teile des Parlaments nicht einsehen“, sagte er hörbar verbittert gegenüber E&M.

Vor allem die Union hatte in der schwarz-roten Regierungskoalition seit dem vergangenen Jahr auf einen bundeseinheitlichen Mindestabstand gedrängt und hatte sich mit dieser Position in dem Ende September vorgestellten Klimapaket der Bundesregierung durchgesetzt. Deshalb war es keine Überraschung, dass auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) diesen Passus in seinem auf dem „Windkraft-Gipfel“ am 5. September angekündigtem Strategiepapier für den weiteren Ausbau der Windenergie an Land übernommen hat.

Was Johann Saathoff, Energiefachmann in den Reihen der SPD-Bundestagsfraktion, deutlich angefressen so kommentiert: „Altmaier läuft Gefahr, nach der Solarindustrie, deren Absturz er in seiner Zeit als Bundesumweltminister eingeleitet hat, nun mit der Windbranche eine zweite Schlüsselbranche für die Energiewende plattzumachen.“

Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, sprach in einem Tweet von einer „politisch gewollten Deindustrialisierung auf dem Rücken von Jobs, Wertschöpfung & Klimaschutz." 
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Freitag, 08.11.2019, 16:54 Uhr

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