• Gas: Warten auf die Kälte
  • Strom: Im Wochenend-Modus
  • Kohlekommission will Ende November Plan vorlegen
  • Smart-Lab-Partner sammelt Millionen ein
  • Neue Energieinstitute in Ostdeutschland
  • Hightech-Netzspeicher für einen schottischen Felsen
  • Netzagentur lenkt bei Auflagen zur 5G-Vergabe teilweise ein
  • Richter stoppen Kraftwerksbau in Niederaußem
  • Eon baut großen Windpark in Schweden
  • 1 000 Münsteraner nutzen Stadtwerke-Carsharing
Bild: Fotolia.com, XtravaganT
KWK:
Druckluft erzeugen ohne Strom
Die Bosch KWK Systeme GmbH erweitert ihr Portfolio um ein Druckluft-Wärme-Kraftwerk, das Druckluft mit einem gasmotorbetriebenem Kompressor bereitstellt.
 
„Die Versorgung mit Druckluft stellt in industriellen Anwendungen einen der größten Stromabnehmer dar und ist mit starken Verlusten behaftet“, betont Ulrich Inderthal. Dem Geschäftsführer der Bosch KWK Systeme GmbH kam daher die Idee „für eine sinnvolle KWK-Anwendung“: Die Bereitstellung von Druckluft und Wärme mit Hilfe eines Gasmotors, der auch in BHKW-Modulen eingesetzt wird. Durch die Anbindung eines Kompressors stellt die Anlage Druckluft bereit - ohne selbst erzeugten oder zugekauften Strom verbrauchen zu müssen.
 
Ulrich Inderthal: „Über eine Nutzungsdauer von zehn Jahren kann eine Einsparung von rund 350 000 Euro erzielt werden“
Bild: Bosch KWK Systeme GmbH

„Mein vorrangiges Ziel war, ein umweltentlastendes Aggregat zu entwickeln, das unabhängig vom KWK-Gesetz und vom EEG wirtschaftlich zu betreiben ist“, sagt Inderthal. Das technische Prinzip für ein Druckluft-Wärme-Kraftwerk ist zwar seit Jahrzehnten bekannt, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machen dieses Anlagenkonzept offenbar erst jetzt attraktiv. Vor allem zwei politische Entscheidungen zur KWK-Förderung haben Inderthal angeregt, über alternative Anwendungen eines Gasmotors nachzudenken: „Zum einen, dass seit Anfang August 2014 ein Teil der EEG-Umlage für eigengenutzten Strom aus BHKW-Anlagen abzugeben ist, zum anderen die Ankündigung, selbst verbrauchten Strom aus KWK-Anlagen nicht mehr mit einem KWK-Bonus zu vergüten.“

Bei dem Druckluft-Wärme-Kraftwerk mit der Bezeichnung CHP CA 570 NA treibt ein MAN-Gasmotor mit einem Primärenergiebedarf von 164 kW über eine Kupplung einen ölgeschmierten und öleingespritzten Schraubenverdichter von CompAir an. Die Leistung der Anlage ist über die Drehzahl des Motors in einem Lastbereich von 60 bis 100 Prozent stufenlos regelbar. Die zur Verfügung stehende Wärme von 134 kW aus dem Verdichteröl, dem Motorkühlwasser und dem Abgas wird über Wärmetauscher an den Heizungskreislauf übertragen. Die Heizungsvorlauftemperatur wird unabhängig von der Leistung konstant auf 90 °C geregelt, der Rücklauf ist auf 70 °C begrenzt. Die Ansaugluftmenge des Verdichters liegt bei 9,5m3/min, der maximale Ausgangsdruck beträgt 8,5 bar.
 
Bei dem Druckluft-Wärme-Kraftwerk treibt ein Gasmotor über eine Kupplung einen Schraubenverdichter an
Bild: Bosch KWK Systeme GmbH

Den Herstellerangaben zufolge wird die Gasmotor-Schraubenverdichter-Einheit auf einen schwingungsarmen Grundrahmen aufgebaut. Darauf werden auch die drei Wärmetauscher inklusive aller notwendigen Pumpen, Regel- und Sicherheitsorgane montiert. Alle Komponenten sind mit einer Schallschutzkabine eingehaust. An der Stirnseite des Grundrahmens ist die Schalt- und Steueranlage angebracht, auf der Rückseite befindet sich - gedämpft von einer Schallkulisse - die Ansaugöffnung für die Verdichter- und Kühlluft.

Im Vergleich zur konventionellen Drucklufterzeugung mit stromgetriebenen Kompressoren beinhaltet das Druckluft-Wärme-Kraftwerk laut Bosch KWK Systeme hohe Kostensenkungspotenziale. „Über eine Nutzungsdauer von zehn Jahren kann eine Einsparung von rund 350 000 Euro erzielt werden“, rechnet Inderthal für jährlich 7 800 Betriebsstunden vor. Der Listenpreis für das Aggregat beträgt 120 000 Euro, weitere 80 000 Euro werden für Installation und Zinsen veranschlagt. Bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung stehen den Kosten für Brennstoff und Wartung nicht nur die vermiedenen Kosten für Strom zur Drucklufterzeugung sowie für Gas zur Wärmeerzeugung gegenüber. Der Anlagenbetreiber könne zudem von der Energiesteuerrückerstattung sowie den vermiedenen Wartungskosten für eine konventionelle Druckluftanlage profitieren, heißt es aus Lollar. Außerdem weise das Anlagenkonzept einen relativ niedrigeren CO2-Ausstoß auf.

Mit dem neuen Produkt erweitert Bosch KWK Systeme ihr Angebot, das aus BHKW-Anlagen besteht und 2006 um ORC-Module (Organic Rankine Cycle) erweitert wurde. Bundesweit hat das Unternehmen bislang acht ORC-Anlagen in Betrieb genommen. „Weil Abwärmenutzung zur Stromerzeugung inzwischen mit der EEG-Umlage belastet wird, lassen sich ORC-Module kaum noch wirtschaftlich betreiben, obwohl Abwärme kostenlos zur Verfügung steht und damit sinnvoll genutzt werden könnte“, erläutert Inderthal. Das neue Druckluft-Wärme-Kraftwerk ist ab sofort lieferbar.
 

Michael Pecka
Redakteur
+49 (0)8152 9311-18
eMail
facebook
© 2018 Energie & Management GmbH
Montag, 02.11.2015, 11:08 Uhr

Mehr zum Thema