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Bild: Fotolia.com, zentilia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Deutschland riskiert seine Technologieführerschaft
Einen deutlichen Ausbau der Windkraftleistung auf See forderte Bremens Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) zum Auftakt der diesjährigen Windforce-Konferenz in Bremerhaven.
 
„Um das von den schwarz-roten Regierungsparteien in ihrem Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel von 65 Prozent erneuerbarer Energien im Stromsektor bis 2030 zu erreichen, ist eine Erhöhung unverzichtbar“, sagte der Grünen-Politiker. Lohse forderte einen verlässlichen Ausbaupfad für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre: „Die Unternehmen brauchen Perspektive.“
 
Was ganz im Sinne von Andreas Wellbrock ist. Der Geschäftsführer der Windenergieagentur WAB kritisierte, dass die Offshore-Windindustrie trotz aller Warnungen in den kommenden Jahren wieder mit einem Fadenriss zu kämpfen habe. So dürften in den Jahren 2020 bis 2022 allenfalls zwei Offshore-Windparks in der Ostsee mit gut 725 MW Leistung in Betrieb gehen, die bei der jüngsten Ausschreibungsrunde im April den Zuschlag erhalten haben.
 
„Das ist viel zu wenig für die deutsche Offshore-Windindustrie“, so Wellbrock. Der WAB-Geschäftsführer forderte deshalb die Bundesregierung auf, zum früheren Ausbauziel auf See zurückzukehren: Seit 2002 hatten sich die in Berlin regierenden Koalitionsregierungen unterschiedlicher Couleur stets auf das Ziel von 25 000 MW bis 2030 verständigt gehabt.
 
Die Rückkehr zum alten Ausbauziel käme auch der Stadt Bremerhaven zugute, die Anfang des vergangenen Jahrzehnts gezielt auf die Offshore-Windenergie nach dem Niedergang der Schiffsbauindustrie gesetzt hatte. Der „Berliner Zickzackkurs in Sachen Offshore“ (O-Ton Lohse) hat in der Stadt an der Unterweser hinterlassen: Gab es im Jahr 2010 in Bremerhaven rund 4 000 Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt mit der Offshore-Windkraft verbunden waren, so sind es derzeit noch 1 500.
 
WPD investiert lieber vier Mrd. Euro in Taiwan
 
Unzufrieden mit der derzeitigen Berliner Offshore-Windpolitik zeigte sich auch Achim Berge Olsen, Geschäftsführer des Projektierers WPD Offshore GmbH aus Bremen. Die Konsequenz hat das Unternehmen bereits gezogen: „Unsere nächsten Investitionen in Höhe von rund vier Milliarden Euro fließen nach Taiwan.“ Die Hanseaten von der Weser hatten vor wenigen Wochen bei einer Ausschreibung des chinesischen Inselstaates Zuschläge für zwei Offshore-Windparks mit einer Gesamtleistung von rund 1 000 MW gewonnen.
 
Taiwan gilt derzeit als das Mekka der Offshore-Windindustrie, da dort eine Leistung von 5 500 MW bis zum Jahr 2025 geplant ist. „Daran werden sich auch die Windturbinenhersteller mit neuen Fertigungen und die gesamte Zuliefererkette orientieren, was sicherlich nicht den Offshore-Windmarkt in Europa stärken wird.“
 
Dass es abgesehen von Taiwan derzeit unter anderem auch in den USA, den Niederlanden oder in Belgien „mehr Schwung bei der Offshore-Windenergie gibt“, bestätigte auch Hans-Joachim Stietzel vom Windturbinenhersteller MHI Vestas: „In vielen Ländern, die die Vorteile der Offshore-Windenergie erkannt haben, werden die Ausbauziele auf See erhöht, nur in Deutschland nicht."

Fazit von WAB-Geschäftsführer Wellbrock nach dem Auftakt der zweitätigen Konferenz: „Wenn Deutschland nicht aufpasst, werden wir unsere bisherige Technologieführerschaft verlieren.“
 

Ralf K?pke
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Mittwoch, 16.05.2018, 09:56 Uhr

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