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Bild: Lars Schmid, Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Den internationalen Auftritt stärken
Um die Auslandsaktivitäten seiner Mitgliedsfirmen zu stärken, kooperiert der Bundesverband Windenergie erstmals mit einem Onlineportal - und zwar mit wind-turbine.com.
 
Neue Wege geht der Bundesverband Windenergie (BWE), um die Geschäftschancen heimischer Windfirmen insbesondere bei ihren Auslandsaktivitäten zu verbessern: Der BWE, mit über 20 000 Mitgliedern der weltweit größte Windenergieverband, kooperiert seit Kurzem mit wind-turbine.com (wind-turbine.com)   , dem nach eigenen Angaben weltweit größten Online-Marktplatz der Windenergie. Was irgendwie nach „gleich und gleich gesellt sich gern“ klingt. Richtig ist aber vielmehr, dass dem BWE das fehlt, was sozusagen die Geschäfts-DNA von wind-turbine.com ist: die internationale Sichtbarkeit via Internet.

Die ist notwendig, um Kunden aus dem Ausland zu gewinnen. Und sie ist das Gebot der Stunde in der deutschen Windbranche angesichts der politisch verursachten Baisse beim Windkraftausbau zumindest in den nächsten beiden Jahren. Daran wird auch die Einigung der Regierungsfraktionen zu den nunmehr auf drei Jahre gestreckten Sonderausschreibungen nichts ändern. „Deshalb wollen wir unseren Mitgliedern zeigen, wo es sich lohnt, einen Markteintritt genauer zu prüfen“, begründet BWE-Präsident Hermann Albers die erstmalige Zusammenarbeit mit einem Internetportal.

Bei den Mitgliedern denkt Albers weniger an Windturbinenhersteller oder große Projektierer, die ohnehin schon seit Jahren in zahlreichen Ländern mit Dependancen vertreten sind. Im Mittelpunkt stehen vielmehr kleinere und mittelständische Dienstleister, Fachplanungsbüros oder Zulieferer.

„Es liegt auf der Hand, dass die Zahl von Second-Hand-Anlagen deutlich wachsen wird.“

In der nationalen und internationalen Windbranche ist wind-turbine.com mittlerweile eine gestandene Größe. Dafür hat vor allem Bernd Weidmann gesorgt. Der studierte Betriebswirt aus Gelnhausen im Südosten Hessens startete 2012 mit wind-turbine.com ein Portal, mit dem er sich schwerpunktmäßig speziell auf gebrauchte, repowerte Windkraftanlagen konzentriert: „Angesichts der Altersstruktur und der Entwicklung zu immer größeren, leistungsstärkeren Anlagen liegt es auf der Hand, dass die Zahl von Second-Hand-Anlagen deutlich wachsen wird.“

Kleine schlechte Geschäftsidee: Nach derzeitigen Schätzungen werden allein in Deutschland bis Ende dieser Dekade mehr als ein Drittel der heute knapp 30 000 Windturbinen mehr als 15 Jahre auf dem Buckel haben.

Auch die 2016 erfolgte Übernahme des Portals, das der niederländische Repowering-Pionier Henk van den Bosch aufgebaut hatte, ließ die Zugriffszahlen kontinuierlich steigen. „Wir werden heute monatlich von über 25 000 Marktteilnehmern aus mehr als 190 Ländern besucht“, verweist Weidmann auf seine Erfolgsgeschichte. Dazu trägt auch sein mittlerweile ausgebautes Portfolio bei, das eine Reihe von Dienstleistungen aus der Windbranche umfasst.

Hohen Bekanntheitsgrad nutzen

Dank der neuen Kooperation werden künftig die rund 500 Firmen, die bislang in dem vom BWE veröffentlichten Branchenreport Windindustrie in Deutschland vertreten sind, zusätzlich auf wind-turbine.com präsent sein. Auch wenn es von der Branchenpublikation eine englischsprachige Ausgabe gibt, wiegt das einige substanzielle Nachteile nicht auf: Die Printausgabe erscheint nur einmal im Jahr, das begleitende Onlineportal konzentriert sich allein auf den deutschsprachigen Raum. Deshalb hat Thorsten Paulsen, beim BWE zuständig für Veranstaltungen und Corporate Publishing, auf die Kooperation mit wind-turbine.com gedrängt:

„Angesichts des großen Bekanntheitsgrads von wind-turbine.com wäre es unklug gewesen, ein eigenes internationales Portal aufbauen zu wollen.“ Paulsen zeigt sich zufrieden, dass dank der neuen Zusammenarbeit „die internationale Reichweite unserer Mitgliedsfirmen durch eine attraktive B-to-B-Plattform, die Anfragen aus der ganzen Welt bündelt, gestärkt wird.“

In Gelnhausen zeigt sich Portalgründer Weidmann sicher, „dass wir es mit der Kooperation schaffen, das zweifellos große Know-how der deutschen Windindustrie in den neuen Wachstumsmärkten noch besser sichtbar zu machen“. In der während der Hamburger Windmesse Ende September vereinbarten Kooperation sieht Bernd Weidmann „einen Ritterschlag“ für sein Unternehmen: „Davon hätten wir beim Start unseres Online-Marktplatzes vor gut sechs Jahren nicht zu träumen gewagt.“

Konferenz über Auslandsmärkte im Dezember in Berlin

Um die Auslandspräsenz der deutschen Windfirmen zu stärken, belässt es der BWE nicht nur bei der Kooperation mit wind-turbine.com. Für Anfang Dezember hat er in Berlin die Konferenz „Windenergie in Auslandsmärkten“ organisiert (Programm und Anmeldung unter https://www.bwe-seminare.de/veranstaltungen-windenergie-auslandsmaerkten   ). Angesprochen werden damit vor allem die kleineren und mittelständischen Windfirmen. Sie sollen Informationen über mögliche Märkte für ihre Produkte und Dienstleistungen bekommen, um so die rückläufigen Aufträge aus dem deutschen Heimatmarkt kompensieren zu können.

BWE-Präsident Albers setzt aber auch auf politische Unterstützung: „Parallel fordern wir, dass die Bundesregierung, aber auch die EU endlich eine aktive Industriestrategie für erneuerbare Energien erarbeiten“, lautet sein Credo.
 

Ralf Köpke
© 2018 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 08.11.2018, 17:07 Uhr

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