Die Zukunft der Energiewirtschaft hängt zunehmend davon ab, wie Daten, Prozesse und Systeme beherrschbar gemacht werden. Ein Interview mit Mark Bulmahn, CIO Wilken Software Group.
Herr Buhlmahn, die Energiewirtschaft hofft auf KI. Wo stehen wir aus Ihrer Sicht?Wir stehen an einem wichtigen Wendepunkt. In vielen Unternehmen ist KI heute ein Experimentierfeld: Chatbots, Textassistenz, vereinzelte Analysen und erste Automatisierungen. Entscheidend ist aber, ob KI dort eingebettet ist, wo Wertschöpfung entsteht: in Daten, Fachlogik, Prozessen und Entscheidungen. Die Energiewirtschaft ist hochreguliert, prozessgetrieben und stark vernetzt. KI kann nur dann Wirkung entfalten, wenn sie in eine belastbare Plattformarchitektur integriert ist.
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Mark Bulmahn, Chief Innovation Officer der Wilken Software Group Quelle: Wilken |
Was bedeutet das für die Transformation der Energiewirtschaft?Die Energiewende ist längst auch ein Daten- und Prozessprojekt. Smart Meter, dynamische Tarife, dezentrale Erzeugung, neue Marktrollen, veränderte Kundenerwartungen und immer kürzere regulatorische Umsetzungsfristen erhöhen die Komplexität erheblich. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob KI und Digitalisierung entlasten – oder zusätzliche Komplexität erzeugen.
Aktuell wird die Relevanz von Home Energy Management Systemen, kurz HEMS, für Energieversorgungsunternehmen diskutiert. Können Sie Ihren Standpunkt an diesem Beispiel erläutern?HEMS ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Rolle der Stadtwerke verändern kann. Es geht dabei um die grundsätzliche Frage, wie Zugang zu Flexibilität künftig organisiert wird. Denn je mehr dezentrale Erzeugung, Wärmepumpen, Speicher und E-Mobilität in das Energiesystem kommen, desto wichtiger wird es, Verbrauch und Erzeugung intelligent aufeinander abzustimmen.
Für Stadtwerke liegt hier eine entscheidende Weichenstellung: Bleiben sie reiner Lieferant – oder werden sie zum Partner für Kunden, die Energie erzeugen, speichern und verbrauchen?
HEMS steht dabei für eine neue Klasse daten- und prozessbasierter Geschäftsmodelle. Hier sind die regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stark in Bewegung. Umso wichtiger ist es, solche Themen nicht isoliert zu betrachten, sondern als Teil einer Plattform- und Partnerstrategie.
Wie auch immer HEMS-Strategien künftig aussehen, sie müssen Tariflogik, Beschaffung, Abrechnung, Kundenkommunikation, Messstellenbetrieb, Direktvermarktung und Flexibilitätsnutzung zusammenbringen. Wenn sie über eine Lösungsplattform und ein verlässlich gesteuertes Partner-Ökosystem zusammenwirken, kann daraus ein daten- und prozessbasiertes Geschäftsmodell entstehen.
Welche Rolle übernehmen digitale Plattformen in diesem Zusammenspiel?Plattformen wie unsere Lösungsplattform GY schaffen die Voraussetzung, solche Anforderungen beherrschbar zu machen. Sie verbinden Daten, Prozesse, Anwendungen und Partnerlösungen so, dass neue Themen nicht jedes Mal als individuelles Integrationsprojekt umgesetzt werden müssen. Gerade in der Energiewirtschaft ist das entscheidend, weil viele Abläufe systemübergreifend funktionieren und regulatorisch sauber abgesichert sein müssen.
Eine Plattform darf deshalb nicht nur technische Infrastruktur sein. Sie muss fachliche Logik abbilden, standardisierte Datenflüsse sichern und Prozessketten Ende zu Ende unterstützen. Und sie muss das entstehende komplexe System als eine Gesamtlösung bereitstellen, die einfach einzuführen und zu betreiben ist. Erst dann entsteht die Grundlage, auf der KI echten Nutzen stiften kann.
Was folgt daraus für Stadtwerke?Stadtwerke brauchen Partner, die Verantwortung für das Zusammenspiel des Gesamtsystems übernehmen. Entlastung entsteht durch eine kohärente, Compliance-konforme Lösung mit klarer fachlicher und technischer Führung. Der entscheidende Punkt ist: Verantwortung der IT-Anbieter darf nicht an Systemgrenzen enden. Denn erst durch Orchestrierung schaffen Plattformen und KI operative Handlungsfähigkeit.
Wie im Profisport entscheidet auch in der Energiewirtschaft das Zusammenspiel über Erfolg: klare Rollen, ein gemeinsamer Spielplan und die Fähigkeit, auch unter Druck schnell auf neue Anforderungen zu reagieren.
Unter dem Motto „Anpfiff für die Zukunft“ diskutieren Entscheiderinnen und Entscheider, wie Stadtwerke und Energieversorger Anforderungen, Daten, Prozesse, Plattformen und KI wirksam zusammenbringen.
Mehr Informationen für alle, die die Zukunft der Energiewirtschaft mitgestalten wollen:
https://www.wilken.de/utility-summit
Donnerstag, 18.06.2026, 09:17 Uhr
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