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Die Contracting-Branche kann ihr Wachstum fortsetzen, jedoch nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. Die Zurückhaltung der Kunden ist ein Grund.
Der deutsche Contractingmarkt ist 2025 weiter gewachsen. Das geht aus den Marktzahlen hervor, die der Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting (Vedec) am 8. September veröffentlicht hat. Die Zahl der Verträge erhöhte sich demnach verglichen zum Vorjahr um 4 Prozent auf rund 92.000. Der Branchenumsatz legte nach Angaben des Vedec um 7,1 Prozent auf rund 5,63 Milliarden Euro zu.
Neben dem Wachstum bei Verträgen und Umsatz zeigt die Erhebung eine Verschiebung bei den Energieträgern. Der Anteil erneuerbarer Energien an den Contractinglösungen stieg binnen eines Jahres von 24 auf 31 Prozent. Gleichzeitig sank der Erdgasanteil. Auch Fernwärme kommt nach Angaben des Verbands häufiger zum Einsatz. Unter den erneuerbaren Energieträgern und Technologien erreichen Pellets mit 33 Prozent den größten Anteil. Luft- und Umweltenergie folgen mit 23 Prozent, Sonnenenergie mit 14 Prozent.
Noch stärker als der Energiemix hat sich allerdings die Kundenstruktur verändert. Auf die Wohnungswirtschaft entfielen 2025 laut der Markterhebung unter den Mitgliedsunternehmen des Vedec 70 Prozent der Contractingprojekte. Ein Jahr zuvor hatte der Anteil noch bei 56 Prozent gelegen. Damit konzentriert sich ein wachsender Teil des Geschäfts auf die Wärmeversorgung von Wohngebäuden und Quartieren. Die Quartiersversorgung folgt abgeschlagen mit 11 Prozent, gefolgt von Kommunen und Industrie mit je 4 Prozent.
Vedec-Vorstandsvorsitzender Tobias Dworschak führt diese Entwicklung auf den Modernisierungsbedarf im Gebäudebestand zurück. „In der Wohnungswirtschaft besteht ein enormer Bedarf, die Wärmeversorgung zu modernisieren und auf Erneuerbare Energien umzustellen. Gleichzeitig stehen Wohnungsunternehmen vor der Herausforderung, diese Transformation bei laufendem Betrieb zu organisieren und zu finanzieren.“
Bei den Versorgungsstrukturen dominieren weiterhin Einzelobjekte: 63 Prozent der befragten Unternehmen haben solche Anlagen im Portfolio. Auf Gebäudenetze entfallen 22 Prozent, auf Wärmenetze 15 Prozent.
Milliardeninvestitionen treffen auf zögernde Kunden
Die Umstellung des Anlagenbestands stellt die Contractingunternehmen zugleich vor finanzielle und operative Herausforderungen. Manuel Thielmann von der Empact GmbH verwies bei der Vorstellung der Marktzahlen auf die Investitionen, die der Wechsel der Wärmeversorgung erfordert. „Contractingunternehmen investieren Milliarden, um fossile Energieträger gegen erneuerbare zu ersetzen“, sagte er. Inbesondere bei Quartierslösungen und Netzen sehe auch er einen wachsenden Markt.
Aber nicht bei allen Kundengruppen verlaufen die Entscheidungen im gleichen Tempo. Jochen Bennewitz von den Städtischen Werken Kassel berichtete, dass Kunden Entscheidungen für den Wechsel zu erneuerbaren Energien in die Zukunft verschöben. Für Contractoren entstehe dadurch bei bestehenden Verträgen ein Risiko. Vor allem die Umstellung auf strombasierte Lösungen sei mit hohen Kosten verbunden. Nach seinen Worten baut sich dadurch eine Welle an Bestandsverträgen auf, bei denen die Transformation noch ansteht.
Trotz dieser Hemmnisse beurteilen die befragten Unternehmen ihre weitere Geschäftsentwicklung etwas besser als im Vorjahr. Auf einer Skala von null bis zehn erreicht die Erwartung einen Wert von 6,2 Punkten. Im Vorjahr waren es 5,8 Punkte.
Politische Unsicherheit bremst Projekte
Dem stehen nach Einschätzung der Marktteilnehmenden mehrere Hemmnisse gegenüber. Dazu zählen wechselnde und unklare politische Rahmenbedingungen, die immer noch anstehende Novellierung der Wärmelieferverordnung. Auch lange Entscheidungsprozesse und Investitionszurückhaltung aufgrund der wirtschaftlichen Lage erschweren die Umsetzung von Projekten.
Hohe Energiepreise wirken dabei in beide Richtungen, erklärte der Vedec: Einerseits erhöhen sie den Handlungsdruck bei den Kundinnen und Kunden und machen langfristig kalkulierbare Versorgungslösungen durch Contracting attraktiver. Gerade die Möglichkeit, über einen langfristigen Vertrag Versorgungssicherheit zu schaffen und gleichzeitig auf erneuerbare Lösungen umzusteigen, kann Investitionsentscheidungen beschleunigen. Andererseits führen hohe und schwer kalkulierbare Preise sowie allgemeine Verunsicherung bei anderen Kundschaft zu Zurückhaltung.
Tobias Dworschak resümiert: „Die aktuellen Marktzahlen zeigen, dass der Contractingmarkt weiter wächst und zugleich immer erneuerbarer wird. Das ist ein wichtiges Signal für die Wärmewende. Damit Energiedienstleister dieses Potenzial ausschöpfen können, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Denn die Transformation der Wärmeversorgung ist eine langfristige Aufgabe.“
Die Marktzahlen beruhen auf einer Erhebung unter Mitgliedsunternehmen des Vedec. (hr)
Dienstag, 8.09.2026, 13:05 Uhr
Heidi Roider
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