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Enerige & Management > Emissionshandel - CO2-Preis im Höhenflug
Bild: Ewald Fröch / Fotolia
EMISSIONSHANDEL:
CO2-Preis im Höhenflug
Der Preis für Emissionszertifikate ist innerhalb eines Jahres um fast 300 % gestiegen. Analysten sind unsicher, ob dies nur eine vorübergehende Erscheinung ist.
 
Vor knapp einem Jahr, Anfang Mai, lag der Preis bei Erwerb eines Emissionsrechts für 2018 noch bei 4,40 Euro/t. Wer am 27. März dieses Jahres das gleiche CO2-Zertifikat erwerben wollte, musste 13,67 Euro/t zahlen. Die Preise haben sich innerhalb eines Jahres also verdreifacht. So hohe CO2-Preise gab es seit sieben Jahre nicht mehr. CO2-Analysten sehen zum einen Spekulanten am Werk, aber das allein erklärt den Preisanstieg nicht.

„Der Preis geht mit Sicherheit weiter nach oben“, sagt Michael Kroehnert von Emissionshändler.com und Herausgeber des „Emissionsbrief“ zu E&M. Die von einigen Politikern geforderten CO2-Preise in Höhe von 30 Euro pro Zertifikat und Tonne fingen an, realistisch zu werden.

Für Kroehnert gibt es handfeste Gründe für die Preissteigerung. Im vergangenen November haben sich EU-Kommission, EU-Parlament und Europäischer Rat auf die Neuregelung des Europäischen Emissionshandelssystems (ETS) geeinigt. Damit wurden neue Rahmenbedingungen für das ETS festgelegt, unter anderem das Abschmelzen der CO2-Gesamtemissionen ab 2021 jährlich um 2,2 %. Ein weiterer Grund ist die sogenannte Marktstabilisierungsreserve. Diese wurde bereits 2015 von der EU verabschiedet, tritt aber nun zum 1. Januar 2019 in Kraft. Bis zu 25 % der Zertifikate können dadurch aus dem Markt genommen werden.

Sicherheit zieht Investoren und Spekulanten an

Hinzu kommt laut Kroehnert eine erhöhte Nachfrage nach CO2-Zertifikaten. Die europäische Wirtschaft befindet sich zu großen Teilen wieder auf Wachstumskurs. Das erhöht den Energieverbrauch und somit auch die Nachfrage nach Emissionsrechten. Zudem hätten viele Industriebetriebe, die ursprünglich auf fallende CO2-Preise gesetzt haben, Zertifikate nachgekauft, als sie feststellten, dass die Preise nach oben gehen.

„Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden nun auch nicht mehr geändert“, so Kroehnert. Die Marktteilnehmer könnten nun für die kommenden Jahre planen. Diese Sicherheit ziehe aber auch Investoren und einhergehend Spekulanten an.

Auch Vincent Ehrmann, CO2-Analyst vom Preisinformationsdienst ICIS, sieht in den von der EU gesetzten Rahmenbedingen einen Grund für den Aufschwung am CO2-Markt. Im aktuellen Marktgeschehen gebe es aber viel Spekulation. „Man kann am CO2-Markt mit relativ wenig Geld viel bewegen“, sagt Ehrmann zu E&M. Der Hebel im vom Handelsvolumen her eher übersichtlichen CO2-Markt ist viel höher als beispielsweise an den internationalen Aktienmärkten. Banken und Hedgefonds hätten sich in letzter Zeit wieder im Emissionshandelsgeschäft verstärkt engagiert. „Die Frage ist, wann gehen die wieder raus?“

„Prinzipiell ist der Markt long"

Der CO2-Preis ist nach seinem Hoch von 13,67 Euro/t am 27. März am Folgetag um knapp 70 Cent auf 12,92 Euro/t nach unten gegangen. Für Ehrmann ist der Markt aktuell überreizt. Möglich sei momentan alles. „Die Lage ist heterogen.“

Für Carlos Perez Linkenheil, Experte beim Beratungshaus Energy Brainpool, ist die Preissteigerung im CO2-Markt fundamental nicht zu erklären. „Prinzipiell ist der Markt long, das heißt es gibt ausreichend Emissionszertifikate im Markt.“

Auswirkungen auf den Preis haben die derzeit stattfindenen sogenannten Compliance-Einkäufen. Zum 1. April müssen die am Emissionshandel beteiligten Unternehmen ihre CO2-Zertifikate nachweisen. Wer noch nicht alle zusammen hatte, musste noch zukaufen. Das hätten möglicherweise Händler genutzt und sich mit dem Verkauf von Zertifikaten zurückgehalten, was wieder auf den Preis geschlagen hätte.

Generell sieht Perez Linkenheil den Preisauftrieb eher spekulationsgetrieben. „Es wird sich wieder beruhigen, das ist aber ein Bauchgefühl.“
 

Stefan Sagmeister
Chefredakteur
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Donnerstag, 29.03.2018, 15:51 Uhr

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