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Energie & Management > Windkraft Offshore - Branche fordert Änderungen am WindSeeGesetz
Quelle: Shutterstock / Thampapon
Windkraft Offshore

Branche fordert Änderungen am WindSeeGesetz

Mehrere Verbände der Offshore-Windbranche fordern anlässlich der ersten Lesung der WindSeeG-Novelle im Bundestag ein neues Ausschreibungsdesign. Ziel sei mehr Investitionssicherheit.
Mit der ersten Lesung der Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) hat am 8. Oktober die parlamentarische Beratung des Gesetzes begonnen. Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) fordert mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der IG Metall Küste und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) Änderungen am Gesetzentwurf.

Im Zentrum steht ein einstufiges Ausschreibungsmodell, bei dem Projekte ausschließlich über sogenannte Contracts for Difference (CfD) vergeben werden. Zudem verlangt die Branche eine Indexierung der CfD sowie eine Rückgabe- und Neuausschreibungsoption für Projekte aus den Ausschreibungsjahren 2023 bis 2025.

Nach Angaben des BWO wurde seit Juni 2025 keine Offshore-Wind-Ausschreibung erfolgreich abgeschlossen. Gleichzeitig müssten Hersteller, Häfen, Installationsunternehmen und maritime Dienstleister ihre Kapazitäten Jahre im Voraus planen. Bleiben Aufträge aus oder verzögern sich Projekte, könnten Investitionen in Produktionsanlagen, Infrastruktur und Beschäftigung ausbleiben, warnt der Verband.

„Die nächsten Monate sind entscheidend für Investitionen und industrielle Kapazitäten in der Offshore-Wind-Branche“, sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm. Unternehmen müssten heute über Investitionen in Fabriken, Schiffe und Personal entscheiden. Dafür seien belastbare Aufträge und eine verlässliche Projektpipeline erforderlich. Andernfalls könnten Kapazitäten und Industriearbeitsplätze in Deutschland und Europa verloren gehen.

Der BWO und die drei weiteren Verbände lehnen das im Gesetzentwurf vorgesehene zweistufige Ausschreibungsverfahren ab. Stattdessen fordern sie ein einstufiges CfD-only-Modell.

Bei einem CfD verpflichtet sich der Staat beziehungsweise eine staatliche Stelle, dem Betreiber einen festgelegten Referenzpreis abzusichern. Liegt der Marktpreis darunter, gleicht der CfD die Differenz aus. Bei höheren Marktpreisen kann der Betreiber umgekehrt Zahlungen leisten. Das soll Finanzierungskosten senken und die Realisierungswahrscheinlichkeit erhöhen.

Branche fordert Indexierung

Zusätzlich verlangt die Branche eine wirksame Indexierung der CfD. Zwischen Zuschlag und finaler Investitionsentscheidung (FID) liegen bei Offshore-Windprojekten laut Verbänden etwa drei bis fünf Jahre. In diesem Zeitraum können sich Bau-, Komponenten- und Finanzierungskosten deutlich verändern.

Ohne eine Anpassung des Vergütungssystems verbleiben diese Kostenrisiken bei den Projekten. Nach Einschätzung der Verbände führen sie zu höheren Risikoprämien und damit zu höheren Kapitalkosten. Eine Indexierung könne dagegen die Risiken zwischen Zuschlag und FID reduzieren und damit die Finanzierung erleichtern.

Die Verbände verweisen auf entsprechende Regelungen in anderen europäischen Märkten. Für die in Deutschland von 2027 bis 2030 geplanten Ausschreibungen über insgesamt 9.000 MW beziffern sie das mögliche Einsparpotenzial auf mehr als vier Milliarden Euro. 

Rückgabeoption für ältere Zuschläge

Für bereits bezuschlagte Flächen aus den Jahren 2023 bis 2025 fordert die Branche einen geordneten Rückgabe- und Neuausschreibungsmechanismus. Nach Angaben des BWO könnten einzelne Projekte unter den inzwischen veränderten wirtschaftlichen Bedingungen möglicherweise nicht mehr realisiert werden. „Das neue Ausschreibungsdesign muss sich vor allem an der tatsächlichen Realisierung messen lassen“, sagt Thimm. 

Höchstwerte und Sicherheiten im Fokus

Darüber hinaus fordert die Branche eine Überprüfung der im Gesetzentwurf vorgesehenen Höchstwerte für CfD-Gebote. Diese liegen nach Angaben der Verbände bei 9,487 Cent/kWh beziehungsweise 9,6715 Cent/kWh. Aus Sicht von BWO, BDEW, ZDS und IG Metall Küste bilden die zugrunde gelegten Kostenannahmen die aktuellen Marktbedingungen nicht ausreichend ab.

Die Verbände verweisen unter anderem auf Kosten für die verpflichtende Überbauung, die Umsetzung der Vorgaben des Net-Zero Industry Act (NZIA) und geplante Kapazitätsentgelte. Höhere Höchstwerte könnten nach ihrer Einschätzung mehr Bieter zur Teilnahme bewegen und damit den Wettbewerb stärken. Auch bei den Sicherheitsleistungen verlangt die Branche Reduktionen. 

Zudem soll geprüft werden, die Zahl beziehungsweise das Volumen der Zuschläge eines einzelnen Bieters pro Ausschreibungsrunde zu begrenzen. Damit wollen die Verbände die Akteursvielfalt erhöhen und vermeiden, dass ein großer Teil des Realisierungsrisikos auf einzelne Unternehmen entfällt.

Nach der ersten Lesung soll der Gesetzentwurf im Bundestag weiter beraten werden. Für November ist laut BWO eine Sachverständigenanhörung vorgesehen. Danach folgen weitere Ausschussberatungen sowie die zweite und dritte Lesung im Bundestag. (sh)

Donnerstag, 8.10.2026, 09:23 Uhr
Susanne Harmsen
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Branche fordert Änderungen am WindSeeGesetz
Mehrere Verbände der Offshore-Windbranche fordern anlässlich der ersten Lesung der WindSeeG-Novelle im Bundestag ein neues Ausschreibungsdesign. Ziel sei mehr Investitionssicherheit.
Mit der ersten Lesung der Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) hat am 8. Oktober die parlamentarische Beratung des Gesetzes begonnen. Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) fordert mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der IG Metall Küste und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) Änderungen am Gesetzentwurf.

Im Zentrum steht ein einstufiges Ausschreibungsmodell, bei dem Projekte ausschließlich über sogenannte Contracts for Difference (CfD) vergeben werden. Zudem verlangt die Branche eine Indexierung der CfD sowie eine Rückgabe- und Neuausschreibungsoption für Projekte aus den Ausschreibungsjahren 2023 bis 2025.

Nach Angaben des BWO wurde seit Juni 2025 keine Offshore-Wind-Ausschreibung erfolgreich abgeschlossen. Gleichzeitig müssten Hersteller, Häfen, Installationsunternehmen und maritime Dienstleister ihre Kapazitäten Jahre im Voraus planen. Bleiben Aufträge aus oder verzögern sich Projekte, könnten Investitionen in Produktionsanlagen, Infrastruktur und Beschäftigung ausbleiben, warnt der Verband.

„Die nächsten Monate sind entscheidend für Investitionen und industrielle Kapazitäten in der Offshore-Wind-Branche“, sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm. Unternehmen müssten heute über Investitionen in Fabriken, Schiffe und Personal entscheiden. Dafür seien belastbare Aufträge und eine verlässliche Projektpipeline erforderlich. Andernfalls könnten Kapazitäten und Industriearbeitsplätze in Deutschland und Europa verloren gehen.

Der BWO und die drei weiteren Verbände lehnen das im Gesetzentwurf vorgesehene zweistufige Ausschreibungsverfahren ab. Stattdessen fordern sie ein einstufiges CfD-only-Modell.

Bei einem CfD verpflichtet sich der Staat beziehungsweise eine staatliche Stelle, dem Betreiber einen festgelegten Referenzpreis abzusichern. Liegt der Marktpreis darunter, gleicht der CfD die Differenz aus. Bei höheren Marktpreisen kann der Betreiber umgekehrt Zahlungen leisten. Das soll Finanzierungskosten senken und die Realisierungswahrscheinlichkeit erhöhen.

Branche fordert Indexierung

Zusätzlich verlangt die Branche eine wirksame Indexierung der CfD. Zwischen Zuschlag und finaler Investitionsentscheidung (FID) liegen bei Offshore-Windprojekten laut Verbänden etwa drei bis fünf Jahre. In diesem Zeitraum können sich Bau-, Komponenten- und Finanzierungskosten deutlich verändern.

Ohne eine Anpassung des Vergütungssystems verbleiben diese Kostenrisiken bei den Projekten. Nach Einschätzung der Verbände führen sie zu höheren Risikoprämien und damit zu höheren Kapitalkosten. Eine Indexierung könne dagegen die Risiken zwischen Zuschlag und FID reduzieren und damit die Finanzierung erleichtern.

Die Verbände verweisen auf entsprechende Regelungen in anderen europäischen Märkten. Für die in Deutschland von 2027 bis 2030 geplanten Ausschreibungen über insgesamt 9.000 MW beziffern sie das mögliche Einsparpotenzial auf mehr als vier Milliarden Euro. 

Rückgabeoption für ältere Zuschläge

Für bereits bezuschlagte Flächen aus den Jahren 2023 bis 2025 fordert die Branche einen geordneten Rückgabe- und Neuausschreibungsmechanismus. Nach Angaben des BWO könnten einzelne Projekte unter den inzwischen veränderten wirtschaftlichen Bedingungen möglicherweise nicht mehr realisiert werden. „Das neue Ausschreibungsdesign muss sich vor allem an der tatsächlichen Realisierung messen lassen“, sagt Thimm. 

Höchstwerte und Sicherheiten im Fokus

Darüber hinaus fordert die Branche eine Überprüfung der im Gesetzentwurf vorgesehenen Höchstwerte für CfD-Gebote. Diese liegen nach Angaben der Verbände bei 9,487 Cent/kWh beziehungsweise 9,6715 Cent/kWh. Aus Sicht von BWO, BDEW, ZDS und IG Metall Küste bilden die zugrunde gelegten Kostenannahmen die aktuellen Marktbedingungen nicht ausreichend ab.

Die Verbände verweisen unter anderem auf Kosten für die verpflichtende Überbauung, die Umsetzung der Vorgaben des Net-Zero Industry Act (NZIA) und geplante Kapazitätsentgelte. Höhere Höchstwerte könnten nach ihrer Einschätzung mehr Bieter zur Teilnahme bewegen und damit den Wettbewerb stärken. Auch bei den Sicherheitsleistungen verlangt die Branche Reduktionen. 

Zudem soll geprüft werden, die Zahl beziehungsweise das Volumen der Zuschläge eines einzelnen Bieters pro Ausschreibungsrunde zu begrenzen. Damit wollen die Verbände die Akteursvielfalt erhöhen und vermeiden, dass ein großer Teil des Realisierungsrisikos auf einzelne Unternehmen entfällt.

Nach der ersten Lesung soll der Gesetzentwurf im Bundestag weiter beraten werden. Für November ist laut BWO eine Sachverständigenanhörung vorgesehen. Danach folgen weitere Ausschussberatungen sowie die zweite und dritte Lesung im Bundestag. (sh)

Donnerstag, 8.10.2026, 09:23 Uhr
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