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Enerige & Management > Bilanz - Bochum schwimmt weiterhin gut mit
Bild: Fotolia.com, Rynio Productions
BILANZ:
Bochum schwimmt weiterhin gut mit
Der Kommunalversorger aus dem mittleren Ruhrgebiet legt wie im Vorjahr erneut eine solide Bilanz vor. Zudem gibt es eine positive Entwicklung beim Glasfaser-Tochterunternehmen.
 
Das Management der Stadtwerke Bochum pflegt seit Jahren prosaisch anmutende Formulierungen bei der Präsentation der Bilanzzahlen. Dieses Mal – bei Vorstellung des Geschäftsabschlusses für das vergangene Jahr – verglich Geschäftsführer Dietmar Spohn den Versorger aus dem mittleren Ruhrgebiet „bei einer stürmischen Großwetterlage“ mit „einem Fels in Brandenburg“ (dabei hat es Spohn weniger mit dem Segeln auf dem Wasser, als mit dem Segeln durch die Lüfte).

Wie wahr, denn Krise sieht ganz anders aus: Bei einem zum Vorjahr um gleich 71 auf gut 509 Mio. gestiegenen Umsatz konnten die Westfalen mit gut 69 Mio. Euro das 2017er Gewinnniveau fast auf den Punkt halten. Was wichtig ist: Denn der Stadtkämmerer der klammen Revierkommune wartet auf die zugesagte Garantieausschüttung von 50 Mio. Euro.

Mit zu dem „wirklichen guten Ergebnis“ (O-Ton Spohn) hat das ausgesprochen positiv verlaufene Vertriebsgeschäft beigetragen: „Mit einem Gewinn von über 25 Millionen Euro lagen wir gut fünf Millionen über Plan, und haben vor allem von unseren bundesweiten Aktivitäten profitieren“, betonte Spohns Geschäftsführerkollege Frank Thiel.

Als Ertragsbringer können die Bochumer zudem stets auf ihre Beteiligungen bauen, allen voran die „Ausschüttungsperle“ Gelsenwasser AG. Neben den klassischen Beteiligungen, die 2018 zusammen 34,4 Mio. Euro in die Kasse spülten, steuerten auch die erneuerbaren Energien bereits 7,9 Mio. Euro zum Gewinn bei.

Grüne Erzeugungsleistung von gut 115 MW

Deren Beitrag dürfte in den kommenden Jahren steigen: Für die kommende Zeit kündigte Geschäftsführer Spohn weitere 120 Mio. Euro Investitionen in grünen Energien an: „Wir wollen damit unser Portfolio um 60 Megawatt ausbauen, wobei wir noch nicht wissen, ob wir mehr in Wind oder mehr in Photovoltaik investieren“, so Spohn, „die Gesetzgebung auf Bundes- und Landesebene macht das Windkraft-Engagement derzeit wirklich nicht einfach.“ Ende dieses Jahres – nach Abschluss aller laufenden Projekte, zu denen unter anderem die zweite Baustufe des Trianel-Offshore-Windparks Borkum West zählt, wird der Revier-Energieerzeuger nach eigenen Angaben über eine grüne Erzeugungsleistung von gut 115 MW verfügen.

Licht am Ende Tunnels sehen die Bochumer mit ihrem Glasfaser-Engagement. Dank Vertragsabschlüssen mit dem Akademischen Förderwerk an der Ruhr-Universität Bochum hat nach Worten von Geschäftsführer Thiel das Tochterunternehmen Glasfaser Bochum den Turn-Around geschafft: „Wir verdienen jetzt endlich Geld und werden wohl in drei Jahren die Gewinnzone erreichen.“

Kleine Petitesse am Rande: Auch in der Nachbarstadt Dortmund, mit der Bochum immerhin über Gelsenwasser oder die Steag verbandelt ist, konnte sich Glasfaser Bochum bei einer Ausschreibung des dortigen Studierendenwerkes durchsetzen, womit 2 600 Wohneinheiten in den Studentenheimen als neue Kunden gewonnen werden konnten.

Ärger über BGH-Urteil zur Eigenkapitalverzinsung

Froh zeigte sich Thiel, dass das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofes zur Eigenkapitalverzinsung für Investitionen in Strom- und Gasnetze keine Schleifspuren in der nächsten Bilanz hinterlassen wird: „Klar, ärgern wir uns über dieses Urteil. Da wir in unserem Wirtschaftsplan mit den niedrigeren Zinssätzen kalkuliert haben, müssen wir zumindest mit keinen Mindereinnahmen rechnen.“

Wenig amused zeigten sich die Westfalen auch über eine andere Entwicklung: die Marktdominanz der „neuen“ Eon, falls die EU-Kommission die Fusion mit dem (Noch)-RWE-Tochterunternehmen Innogy im September genehmigt. „Eine Übernahme ohne richtige Auflagen halten wir für bedenklich“, sagte Geschäftsführer Spohn.

Sozusagen als Vorbereitung wollen die Bochumer im Zusammenspiel mit Gelsenwasser und Dortmund ihre Kosten dank gemeinsamer Digitalisierungs- und IT-Aktivitäten weiter senken. „Wir erreichen aber nie die Größenordnung, die künftig bei Eon möglich ist“, so Frank Thiel, der weitere Geschäftsführer.

Auch deshalb ist absehbar, dass die Führungsriege der Bochumer Stadtwerke ihre nächste Bilanzpressekonferenz nicht mit folgendem Satz aus der Prosa-Kiste einleiten werden: „Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss“.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 10.07.2019, 16:25 Uhr

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