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Bild: Fotolia.com, anweber
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Blendwerk solare Pachtmodelle
Eine Untersuchung der Verbrauchzentrale NRW zeigt erstmalig, dass sich nur die wenigsten PV-Pachtmodelle für Privatkunden rechnen.
 
Das Ergebnis dieser bundesweit erstmaligen Untersuchung fällt ernüchternd aus: Die Verbraucherzentrale NRW (VZ NRW) hat sich die Wirtschaftlichkeit von solaren Pachtmodellen intensiv angeschaut, wie sie eine Reihe von Energieversorgern und Stadtwerken mittlerweile fast standardmäßig anbieten. Von den Stichproben in 13 Städten wiesen dabei nur die Pachtangebote der Stadtwerke in Bad Salzuflen und Wuppertal sowie der Rhenag in Siegburg unter dem Strich schwarze Zahlen für die Privatkunden auf. „Das ist inakzeptabel“, kommentierte Udo Sieverding, Leiter der Energieabteilung bei der VZ NRW, ernüchtert die Ergebnisse: „Das Gros der Angebote für Pachtmodelle hat sich mehr oder weniger als Blendwerk erwiesen, das finanziell nur den Energieunterunternehmen zugute kommt.“

Trauriges Schlusslicht bei der Untersuchung sind die Stadtwerke Hilden. In der 55 000-Einwohner-Stadt vor den Toren Düsseldorfs zahlt der angenommene Fünf-Personen-Beispielhaushalt über eine Pachtzeit von 18 Jahren kräftig drauf, der errechnete Verlust liegt bei immerhin 8 734 Euro. In Wuppertal kann der gleiche Beispielhaushalt dagegen mit einem Plus von 869 Euro rechnen. Auf E&M-Anfrage hieß es bei den Stadtwerken Hilden, es werde überprüft, was zu dieser Differenz von mehr als 9 500 Euro geführt habe.

Die Verbraucherschützer wollen es nicht nur bei ihrer Untersuchung belassen. Nach Worten Sieverdings erwäge die VZ NRW rechtliche Schritte gegen einzelne überzogene Werbebotschaften für die solaren Pachtmodelle.

Dass sich die Mehrzahl der untersuchten Solarpacht-Modelle alles andere als verbraucherfreundlich erwiesen hat, basiert vor allem auf viel zu hohen Annahmen für die solare Eigenstromnutzung. „Das hat sich bei gleich acht von neun Versorgern gezeigt, die ihr Pachtmodell in Kooperation mit der Vattenfall Smarter Living GmbH umsetzen“, betont Sieverding, „in der Regel rechnen sie mit unrealistisch hohen Eigenstromquoten ihre Angebote schön.“

Das es auch anders geht, beweisen die Wuppertaler Stadtwerke. Der Kommunalversorger von der Wupper arbeitet auch mit dem Vattenfall-Tochterunternehmen zusammen. „Die dort getroffenen Annahmen für Stromerzeugung und Eigennutzung sind aber realistisch“, heißt es bei der Verbraucherzentrale. Vattenfall Smart Living nutzt übrigens das von Trianel 2014 gestartete Portal, mit dem Stadtwerke dank digitaler und automatisierte Services bei ihren Geschäften rund um dezentrale Energielösungen wie Solardächer oder Batteriespeicher unterstützt werden sollen. In diesem Frühsommer hatte das Aachener Stadtwerke-Netzwerk das sogenannte „Trianel PED“-Portal an Vattenfall verkauft.

Nicht nur über die falschen Annahmen für die Eigenstromnutzung haben sich die Verbraucherschützer in Düsseldorf geärgert. Nur die allerwenigsten Pachtangebote umfassen auch die Kosten für Wartung, Instandhaltung und die Versicherung des Solarkraftwerkes. „Die meisten Pachtmodelle suggerieren den Eindruck eines Rundum-sorglos-Paketes, was aber meist mit der Wirklichkeit wenig zu tun“, so Sieverding.

Sein Tipp lautet deshalb: „Wenn Verbraucher dazu finanziell in der Lage sind, sollten sie selbst eine Photovoltaikanlage kaufen und mit Unterstützung des örtlichen Handwerks oder Energieversorgers aufs Dach bringen, anstatt sich für ein Pachtmodell zu entscheiden. Das ist allemal wirtschaftlicher.“
 

Ralf Köpke
© 2017 Energie & Management GmbH
Dienstag, 05.12.2017, 16:47 Uhr

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