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Energie & Management > Berlin - Berliner Wärmeakteure fordern Planungssicherheit
Quelle: Pixabay / betexion
Berlin

Berliner Wärmeakteure fordern Planungssicherheit

Vertreter aus Energiebranche, Politik und Wohnungswirtschaft haben am 1. Juli die Folgen des geplanten Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) für die Wärmewende in Berlin diskutiert.
Mit dem Kabinettsbeschluss vom 12. Mai 2026 hat die Bundesregierung das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) auf den Weg gebracht. Es soll die bisherige Pflicht ersetzen, neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Welche Folgen das für die Wärmewende in Ballungsräumen hat, war Thema einer Webdiskussion der Gasag am 1. Juli. Im Mittelpunkt standen Versorgungssicherheit, Kosten und Investitionsschutz.

Georg Friedrichs, CEO des Berliner Energieversorgers Gasag, sprach sich für einen technologieoffenen Ansatz aus. „Der Wechsel zur Klimaneutralität braucht alle Lösungen und alle Infrastrukturen, weil wir mit dem Umbau des Energiesystems zu lange gewartet haben“, sagte Friedrichs.

Wärmewende kostet Geld

Hausbesitzer seien zudem noch nicht flächendeckend auf dem Weg zur Wärmewende. Statt weiterer Verbote brauche es gute Beratungsangebote. Zugleich müsse offen kommuniziert werden, dass die Wärmewende Kosten verursache.

Mit Blick auf die Fernwärme verwies Friedrichs auf Planungen der Berliner Energie und Wärme (BEW). Das kommunale Unternehmen rechne künftig mit einem Biomasseanteil von bis zu 45 Prozent im Fernwärmenetz, weil die Dekarbonisierung nach Einschätzung des Unternehmens andernfalls kaum zu erreichen sei. Deren Beschaffung und Kosten seien ungeklärt.

Mieterschutz im Blick

Helmut Kleebank (SPD), Mitglied des Energieausschusses des Deutschen Bundestages, erklärte, bereits die bisherige Gesetzeslage sei technologieoffen gewesen. Das GModG eröffne Gebäudeeigentümern nun zusätzliche Freiheiten. Gleichzeitig betonte er die Regelungen im Gesetz, die Vermieter bei fossilen Heizsystemen stärker an den CO2-Kosten beteiligen und dadurch Anreize für klimafreundliche Investitionen schaffen sollen.

Besonderen Handlungsbedarf sieht Kleebank nach eigenen Angaben bei der Fernwärme. Da Mieter dort keine direkten Vertragspartner des Energieversorgers seien, müssten sie geschützt werden. Deshalb solle die Teilnahme an einer Preistransparenz verpflichtend werden. „Man kann nicht versprechen, dass es nicht teurer wird, aber es wird fair zugehen“, versprach Kleebank. 

Rechtliche Sicherheit unklar

Nach seiner Einschätzung müsse zudem die verfassungsrechtliche Absicherung des GModG weiter verbessert werden. Als Beispiel nannte er die rasche Verabschiedung einer Biomethanstrategie der Bundesregierung, um alternative Brennstoffe zu bekommen. Langfristig werde die Elektrifizierung den Erdgasbedarf deutlich reduzieren, hofft Kleebank.

Künftig werde Gas vor allem noch in der Industrie, als chemischer Rohstoff und in einzelnen Verkehrsbereichen benötigt. Dieser Wandel könne nach seiner Einschätzung nicht allein dem Markt überlassen werden, um wirtschaftliche Fehlentwicklungen wie eine Abwanderung energieintensiver Industrie zu verhindern.
Zudem sprach sich Kleebank dafür aus, die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung verbindlicher auszugestalten. Der parallele Erhalt von Gasnetzen und gleichzeitig verstärkten Stromnetzen sei auf Dauer nicht finanzierbar.

Wohnungswirtschaft will Vorgaben

Jan Kowalewski, Energie-Bereichsleiter beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), forderte verlässliche Rahmenbedingungen. Investitionen in Heiztechnik, Gebäudesanierung und Infrastruktur wirkten über Jahrzehnte und dürften nicht durch spätere Gerichtsentscheidungen infrage gestellt werden. Wenn das Gesetz Gas- und Ölheizungen über das Jahr 2045 hinaus zulasse, kollidiere das mit dem Klimaschutzgesetz.

Zugleich verwies Kowalewski auf die wirtschaftlichen Belastungen für Mieter. Fernwärme sei in Berlin weit verbreitet, die Kosten der Energieversorger wirkten sich unmittelbar auf die Betriebskosten aus. Beim Austausch bestehender Gasheizungen müssten praktikable Alternativen verfügbar sein. Häufig müsse zunächst das Stromnetz ausgebaut werden, bevor Wärmepumpen eingesetzt werden könnten. Dies liege außerhalb des Einflussbereichs der Gebäudeeigentümer.

Förderung fortsetzen

Außerdem forderte Kowalewski eine Fortsetzung der Förderung energetischer Sanierungen. Andernfalls drohten steigende Wohnkosten. Sinnvoller als Einzelmaßnahmen seien Quartierslösungen sowie eine Konzentration auf Gebäude mit besonders schlechtem energetischem Zustand.

Kritisch bewertete Kowalewski zudem den aktuellen Stand der kommunalen Wärmeplanung. Diese liefere zwar eine wichtige Grundlage, sei für konkrete Investitionsentscheidungen aber noch nicht detailliert genug. Eigentümer müssten frühzeitig erfahren, wo Gasnetze bestehen bleiben, wo Fernwärme ausgebaut werde und welche Infrastruktur in ihrer Straße tatsächlich verfügbar sein werde.

Nur so könnten Investitionen rechtzeitig geplant und beauftragt werden. Abschließend appellierte er: „Wir müssen ohne weitere Diskussionen ins Machen kommen“.

Mittwoch, 1.07.2026, 11:34 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Berlin - Berliner Wärmeakteure fordern Planungssicherheit
Quelle: Pixabay / betexion
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Berliner Wärmeakteure fordern Planungssicherheit
Vertreter aus Energiebranche, Politik und Wohnungswirtschaft haben am 1. Juli die Folgen des geplanten Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) für die Wärmewende in Berlin diskutiert.
Mit dem Kabinettsbeschluss vom 12. Mai 2026 hat die Bundesregierung das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) auf den Weg gebracht. Es soll die bisherige Pflicht ersetzen, neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Welche Folgen das für die Wärmewende in Ballungsräumen hat, war Thema einer Webdiskussion der Gasag am 1. Juli. Im Mittelpunkt standen Versorgungssicherheit, Kosten und Investitionsschutz.

Georg Friedrichs, CEO des Berliner Energieversorgers Gasag, sprach sich für einen technologieoffenen Ansatz aus. „Der Wechsel zur Klimaneutralität braucht alle Lösungen und alle Infrastrukturen, weil wir mit dem Umbau des Energiesystems zu lange gewartet haben“, sagte Friedrichs.

Wärmewende kostet Geld

Hausbesitzer seien zudem noch nicht flächendeckend auf dem Weg zur Wärmewende. Statt weiterer Verbote brauche es gute Beratungsangebote. Zugleich müsse offen kommuniziert werden, dass die Wärmewende Kosten verursache.

Mit Blick auf die Fernwärme verwies Friedrichs auf Planungen der Berliner Energie und Wärme (BEW). Das kommunale Unternehmen rechne künftig mit einem Biomasseanteil von bis zu 45 Prozent im Fernwärmenetz, weil die Dekarbonisierung nach Einschätzung des Unternehmens andernfalls kaum zu erreichen sei. Deren Beschaffung und Kosten seien ungeklärt.

Mieterschutz im Blick

Helmut Kleebank (SPD), Mitglied des Energieausschusses des Deutschen Bundestages, erklärte, bereits die bisherige Gesetzeslage sei technologieoffen gewesen. Das GModG eröffne Gebäudeeigentümern nun zusätzliche Freiheiten. Gleichzeitig betonte er die Regelungen im Gesetz, die Vermieter bei fossilen Heizsystemen stärker an den CO2-Kosten beteiligen und dadurch Anreize für klimafreundliche Investitionen schaffen sollen.

Besonderen Handlungsbedarf sieht Kleebank nach eigenen Angaben bei der Fernwärme. Da Mieter dort keine direkten Vertragspartner des Energieversorgers seien, müssten sie geschützt werden. Deshalb solle die Teilnahme an einer Preistransparenz verpflichtend werden. „Man kann nicht versprechen, dass es nicht teurer wird, aber es wird fair zugehen“, versprach Kleebank. 

Rechtliche Sicherheit unklar

Nach seiner Einschätzung müsse zudem die verfassungsrechtliche Absicherung des GModG weiter verbessert werden. Als Beispiel nannte er die rasche Verabschiedung einer Biomethanstrategie der Bundesregierung, um alternative Brennstoffe zu bekommen. Langfristig werde die Elektrifizierung den Erdgasbedarf deutlich reduzieren, hofft Kleebank.

Künftig werde Gas vor allem noch in der Industrie, als chemischer Rohstoff und in einzelnen Verkehrsbereichen benötigt. Dieser Wandel könne nach seiner Einschätzung nicht allein dem Markt überlassen werden, um wirtschaftliche Fehlentwicklungen wie eine Abwanderung energieintensiver Industrie zu verhindern.
Zudem sprach sich Kleebank dafür aus, die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung verbindlicher auszugestalten. Der parallele Erhalt von Gasnetzen und gleichzeitig verstärkten Stromnetzen sei auf Dauer nicht finanzierbar.

Wohnungswirtschaft will Vorgaben

Jan Kowalewski, Energie-Bereichsleiter beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), forderte verlässliche Rahmenbedingungen. Investitionen in Heiztechnik, Gebäudesanierung und Infrastruktur wirkten über Jahrzehnte und dürften nicht durch spätere Gerichtsentscheidungen infrage gestellt werden. Wenn das Gesetz Gas- und Ölheizungen über das Jahr 2045 hinaus zulasse, kollidiere das mit dem Klimaschutzgesetz.

Zugleich verwies Kowalewski auf die wirtschaftlichen Belastungen für Mieter. Fernwärme sei in Berlin weit verbreitet, die Kosten der Energieversorger wirkten sich unmittelbar auf die Betriebskosten aus. Beim Austausch bestehender Gasheizungen müssten praktikable Alternativen verfügbar sein. Häufig müsse zunächst das Stromnetz ausgebaut werden, bevor Wärmepumpen eingesetzt werden könnten. Dies liege außerhalb des Einflussbereichs der Gebäudeeigentümer.

Förderung fortsetzen

Außerdem forderte Kowalewski eine Fortsetzung der Förderung energetischer Sanierungen. Andernfalls drohten steigende Wohnkosten. Sinnvoller als Einzelmaßnahmen seien Quartierslösungen sowie eine Konzentration auf Gebäude mit besonders schlechtem energetischem Zustand.

Kritisch bewertete Kowalewski zudem den aktuellen Stand der kommunalen Wärmeplanung. Diese liefere zwar eine wichtige Grundlage, sei für konkrete Investitionsentscheidungen aber noch nicht detailliert genug. Eigentümer müssten frühzeitig erfahren, wo Gasnetze bestehen bleiben, wo Fernwärme ausgebaut werde und welche Infrastruktur in ihrer Straße tatsächlich verfügbar sein werde.

Nur so könnten Investitionen rechtzeitig geplant und beauftragt werden. Abschließend appellierte er: „Wir müssen ohne weitere Diskussionen ins Machen kommen“.

Mittwoch, 1.07.2026, 11:34 Uhr
Susanne Harmsen

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