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Enerige & Management > Wirtschaft - BDI-Prognose 2022: Lieferengpässe behindern Erholung
Quelle: Shutterstock / katjen
WIRTSCHAFT:
BDI-Prognose 2022: Lieferengpässe behindern Erholung
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hofft leicht optimistisch auf die wirtschaftliche Erholung. Trotz voller Auftragsbücher behinderten Lieferengpässe die Industrie 2022.
 
Für eine Industrienation, die Tag für Tag im weltweiten Wettbewerb steht, sei das bloße Aufrechterhalten von Aktivitäten zu wenig, warnte BDI-Präsident Siegfried Russwurm auf der Pressekonferenz zum Jahresauftakt. Die Politik müsse jetzt den Fortschritt organisieren. Die Industrie erwarte ein BIP-Wachstum von 3,5 % und Export-Plus von 4 % für dieses Jahr. "Die Auftragsbücher sind voll, die Produktion hält jedoch nicht mit der Nachfrage Schritt", beklagte Russwurm.

Schuld seien pandemiebedingte Einschränkungen und Lieferengpässe, die große Teile der Wirtschaft beeinträchtigen, sagte er am 13. Januar in Berlin. Der Wirtschaft könne ein weiteres Stop-and-Go-Jahr drohen. Mit den richtigen Rahmenbedingungen bestehe aber auch die Chance, dass das neue Jahr das Jahr mit der stärksten Wirtschaftsdynamik seit 2010 werde, appellierte Russwurm zugleich an die Politik.

Hilfe der Politik gefordert

Die Industrie sieht sich dem BDI zufolge mit massiven Störungen ihrer globalen Lieferketten konfrontiert. Viele Betriebe in der Automobil-, der Elektroindustrie oder im Maschinenbau leiden demnach unter Lieferengpässen. "Diese Engpässe bremsen die industrielle Wertschöpfung in den Jahren 2021 und 2022 um jeweils mehr als 50 Milliarden Euro aus", sagte Russwurm.

Angesichts der Risiken sei die Wirtschaft umso mehr auf Verlässlichkeit und Berechenbarkeit angewiesen – auch im Mittelstand: "Oberste politische Priorität muss in diesem Jahr die Stärkung des Industrie-, Export- und Innovationstandorts haben. Denn die Industrie ist auch 2022 der Motor, der Wirtschaft und Wohlstand unseres Landes antreibt", betonte der BDI-Präsident. "Die Politik muss den Negativtrend der vergangenen Jahre umkehren, über die Krisenbewältigung hinaus die Schlagzahl erhöhen und einen Wachstumskurs einschlagen", forderte er.
 
Erzeugerpreise für ausgewählte Vor- und Rohprodukte. Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken
Quelle: Macrobond

Digitalisierung und Dekarbonisierung beschleunigen

Der BDI-Präsident forderte die neue Bundesregierung dazu auf, sich zügig und mit ganzer Kraft um die Umsetzung des Fortschritts zu kümmern. Hohe Energiekosten, schleppender digitaler Wandel, mangelnde Infrastruktur-Investitionen, lähmende Regierung und hohe Steuern – all das mache den Standort immer weniger attraktiv für Unternehmen aus dem In- und Ausland, warnte Russwurm.

"Es muss gelingen, die Krise als Chance zu nutzen und gestärkt aus ihr hervorzugehen. Schaffen wir nicht nur ein 'New Normal', sondern ein 'Better Normal'", unterstrich Russwurm. Es müsse darum gehen, rechtzeitig Fortschritt zu organisieren für ein Leben nach Corona. "Komplexe Transformationen wie die Digitalisierung oder Dekarbonisierung lassen sich nicht ohne, sondern nur mit der Wirtschaft gestalten."

Mit Blick auf die Klimaneutralität bis 2045 forderte der BDI-Präsident mehr staatliches Engagement: "Die Regierung muss dafür sorgen, dass sich die Investitionen der Unternehmen und der Bürgerinnen und Bürger in Klimaschutz wieder lohnen – mit Superabschreibungen, einem massiven und schnellen Infrastrukturausbau und schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren. Bei der Umsetzung der Energiewende müssen wir ab sofort in Monaten statt in Jahren denken."

Internationalen Klimaschutz vorantreiben

Klimapolitik sei nur international erfolgreich. Russwurm forderte daher die Bundesregierung auf, sich bei der vor wenigen Tagen gestarteten deutschen G7-Präsidentschaft für mehr internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel einzusetzen, etwa durch die Gründung von Klimaclubs. Deutschland bleibe ein Importland für Energie, selbst wenn die Energieträger langfristig CO2-neutral sein werden. Strategische Souveränität und Nicht-Erpressbarkeit blieben auch in dieser Dimension eine Kernaufgabe deutscher Außen- und Wirtschaftspolitik.

Zur Covid-19-Pandemie forderte er "einen einheitlichen, evidenzbasierten Langzeitplan zur Eindämmung der Pandemie, basierend auf verlässlichen Daten". Im Interesse aller dürfe sich Deutschland – nach sorgfältiger Abwägung – daher auch einer Impfpflicht als Ultima Ratio nicht verweigern. Die akute Coronakrise dürfe sich keinesfalls zu einer chronischen Wirtschafts- und Gesellschaftskrise auswachsen, warnte der BDI-Präsident abschließend.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 13.01.2022, 12:08 Uhr

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