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Enerige & Management > Personalie - Auf Seele folgt Mehren
Bild: Fotolia.com, Gina Sanders
PERSONALIE:
Auf Seele folgt Mehren
Mit Dr. Rainer Seele (54) verliert die deutsche Energiewirtschaft einen profunden Kenner des internationalen Gasgeschäfts. Mario Mehren, der jüngste in der Wintershall-Vorstandsriege, übernimmt seine Position an der Spitze der BASF-Tochter.
 
Das vergangene Jahr endete für Rainer Seele, seit 2009 Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Öl- und Gasförderers Wintershall, der zum 1. Juli an die Spitze des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV wechselt, mit einem Misserfolg. Kurz vor Weihnachten wurde ein Tauschgeschäft mit dem russischen Gaskonzern Gazprom gestoppt.

Wintershall wollte seine Beteiligung an der Gashandelstochter Wingas und an der Gasspeichergesellschaft Astora an den Mitgesellschafter Gazprom abtreten und dafür weitere Anteile an Gasfeldern in Sibirien übernehmen. Seeles Plan, die BASF-Tochter damit zu einem reinen Öl- und Gasförderunternehmen zu machen, scheiterte, obwohl er bis zuletzt daran festhielt.
 
Rainer Seele
Bild: Wintershall

Das Geschäft platzte wegen der Ukrainekrise, die bei Bekanntgabe des Vorhabens im Herbst 2013 noch nicht einmal erkennbar war. Seit dem vergangenen Jahr beeinträchtigt der Konflikt jedoch auch die lange erprobte Partnerschaft zwischen Wintershall und Gazprom. Seele, der auch Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer ist, konnte diese Entwicklung nicht aufhalten.

Für den bisherigen Wintershall-Manager, der die Zusammenarbeit mit Gazprom noch im Sommer 2014 als berechenbar sowie äußerst seriös beschwor und immer zu Augenmaß bei Sanktionen gegen Russland riet, ohne die politischen Sanktions-Entscheidungen in Frage zu stellen, dürfte es nicht leicht gewesen sein, das Scheitern des Tauschgeschäft mit dem russischen Partner einzuräumen.

Die guten Beziehungen zum russischen Konzern könnten Seeles Mission, den österreichischen OMV-Konzern wieder auf Kurs zu bringen, zu Gute kommen. Das teilstaatliche Unternehmen aus der Alpenrepublik pflegt bereits gute Beziehungen zu Gazprom, importiert Gas aus Russland und setzte sich bis zuletzt für den von den Russen lange verfolgten Bau der South-Stream-Pipeline ein.

Gazprom ist zudem am österreichischen Gashandels-Hub Baumgarten beteiligt, im vergangenen Jahr kursierten sogar Gerüchte über einen Einstieg der Russen beim Wiener Konzern. Enge Geschäftsbeziehung mit Gazprom hinderten OMV allerdings nie daran, sich mit der langjährigen Unterstützung des Nabucco-Pipeline-Projekts auch für Alternativen zu russischen Gasimporten zu engagieren.

Nutzen könnten Seele in seiner neuen Position als OMV-Vorstandsvorsitzender auch seine in den vergangenen Jahren aufgebauten Beziehungen in den arabischen Raum. Wintershall hatte 2014 erste Gasbohraktivitäten in Abu Dhabi aufgenommen. An der Erkundung des Gasfeldes Shuwaihat ist neben der staatlichen Ölgesellschaft von Abu Dhabi, ADNOC, auch die OMV beteiligt.

Die Beziehung des Wiener Konzerns in den arabischen Raum geht noch tiefer. Die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi hält 24,9 Prozent der Aktien des OMV-Konzerns, der mit 36 Mrd. Euro Umsatz (Winterhall: 15 Mrd. Euro) und einem Mitarbeiterstand von rund 25 500 im Jahr 2014 eines der größten börsennotierten Industrieunternehmen Österreichs war. Die jährliche Öl- und Gasproduktion der OMV wird auf zuletzt rund 113 Mio. Barrel Öläquivalent (boe) beziffert (Wintershall: 136 Mio. boe).

Im Gasgeschäft ist OMV in Österreich stark, betreibt das Fernleitungsnetz sowie Speicher und setzte 2014 etwa 123 Mrd. kWh ab (Wintershall: 561 Mrd. kWh).
Wenig Erfahrung bringt Seele im Downstream-Geschäft mit, wo OMV über eine jährliche Raffineriekapazität von 17,4 Mio. t Öl und rund 4 100 Tankstellen in 11 Ländern verfügt.

Der Vorstandswechsel bei Wintershall dürfte auch die Erklärung für die kurzfristige Absage der Jahrespressekonferenz der BASF-Tochter am 19. März sein. Mario Mehren, derzeit im Wintershall-Vorstand für Exploration und Produktion in Russland, Nordafrika und Südamerika zuständig, wird zum 1. Juli Leiter des Bereichs Oil & Gas der BASF-Gruppe. Er übernehme in dieser Funktion auch Seeles Nachfolge in der Wintershall-Leitung, teilte das Unternehmen am 27. März mit.
 

Peter Focht
Redakteur
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Montag, 30.03.2015, 09:29 Uhr

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