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Die Eigenstromnutzung aus PV gewinnt für Kommunen an Bedeutung. In Alzey soll ein Strombilanzkreismodell Kosten senken und CO2-Emissionen verringern. Es läuft bereits im Regelbetrieb.
Selbst erzeugten Photovoltaikstrom über mehrere kommunale Gebäude hinweg zu nutzen, soll in Alzey in der Nähe von Worms (Rheinland-Pfalz) künftig effizienter werden. Dafür setzt die Stadtverwaltung auf ein Strombilanzkreismodell, das sie erstmals für mehrere kommunale Gebäude einführt. Es ermöglicht den bilanziellen Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch innerhalb eines Zeitfensters von 15 Minuten. Wie die Stadt in einer Mitteilung am 3. Februar bekannt gab, lässt sich damit Strom aus Photovoltaikanlagen rechnerisch auch dort einsetzen, wo er nicht direkt erzeugt wird − etwa zwischen dem Rathaus und dem Freibad.
Für die Umsetzung nutzt die Stadt intelligente Messsysteme sowie ein Bilanzkreismanagement. Nach Angaben der Stadtverwaltung erfassen die Systeme Erzeugung und Verbrauch zeitgleich und ermöglichen so die Verrechnung des lokal erzeugten Stroms über das öffentliche Netz. Auf dieser Basis sinkt der Bedarf an extern beschafftem Strom zu Marktpreisen.
Pilotprojekt mit regionalem Energieversorger
Mit der inhaltlichen Vorarbeit begann die Stadt nach eigenen Angaben bereits im Jahr 2023. Der städtische Klimaschutzmanager nahm damals zunächst die Wirtschaftlichkeit des Modells unter die Lupe. Nach einer Ausschreibung entschied sich die Kommune für die EWR AG. Der regionale Energieversorger mit Sitz in Worms fungiert als Strombilanzkreisverantwortlicher und übernimmt die kaufmännische und regulatorische Abwicklung des Strombilanzkreises einschließlich der Bilanzierung der Strommengen und der Reststromlieferung.
Für den Netzbetrieb bindet die Stadt die Netztochter der EWR AG mit ein, die EWR Netz GmbH. Als Betreiberin des Stromnetzes setzt sie die messtechnische Infrastruktur um. Nach Angaben der Projektpartner startete der Regelbetrieb des Strombilanzkreismodells bereits am 1. Oktober 2025.
Projekt mit Lern- und Vorbildcharakter
Der jährliche Stromverbrauch der kommunalen Gebäude in Alzey liegt laut Stadtverwaltung bei rund 923.000 kWh. Nach Angaben der Stadt sollen in diesem Frühjahr auf kommunalen Dächern Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 436 kW installiert sein. Diese Anlagen sollen jährlich etwa 400.000 kWh Strom erzeugen. Die Finanzierung erfolgt unter anderem über das Kommunale Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation des Landes Rheinland-Pfalz sowie über Eigenmittel der Kommune.
Durch das Bilanzkreismodell will die Stadt den Eigenverbrauch dieses Stroms schrittweise anheben. Dazu, wie hoch er aktuell ist, macht sie keine Angaben. Nur so viel: In der Treibhausgasbilanz der kommunalen Gebäude geht die Verwaltung von einer jährlichen CO2-Einsparung von bis zu 80 Tonnen aus. Einen Schwerpunkt bilden dabei Gebäude mit hohem Strombedarf wie die Feuerwache, das Freibad und das geplante Hallenbad.
Nach Angaben der EWR besitzt das Projekt Pilotcharakter. Der Vorstand des Unternehmens verweist darauf, dass sich das Modell als Referenz für weitere kommunale Anwendungen eignen könnte. Die EWR prüft derzeit über ihre Tochtergesellschaft Climate Connection, ob sich das Alzeyer Modell künftig auch in anderen Kommunen anbieten lässt.
Freitag, 6.02.2026, 17:17 Uhr
Davina Spohn
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