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Energie & Management > Gasnetz - Acer sieht Lücken in EU-Netzszenarien
Quelle: Shutterstock / Visionsi
Gasnetz

Acer sieht Lücken in EU-Netzszenarien

Die europäische Regulierungsagentur Acer kritisiert die Szenarien für Europas Strom-, Gas- und Wasserstoffnetze. Die Methodik bilde den nötigen Umbau nur unzureichend ab.
Die in Ljubljana (Slowenien) ansässige Agentur der Europäischen Union für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (Acer) sieht Schwächen im europäischen Szenarienbericht 2026. Die Szenarien seien trotz einiger Verbesserungen noch keine verlässliche Grundlage für die Infrastrukturplanung.

Den Entwurf des Szenarienberichts haben der Europäische Verband der Übertragungsnetzbetreiber für Strom (Entsoe) und der Europäische Verband der Fernleitungsnetzbetreiber für Gas (Entsog) erstellt. Die Szenarien bilden die Grundlage für die europäischen Zehnjahres-Netzentwicklungspläne für Strom, Gas und Wasserstoff, die sogenannten Ten-Year Network Development Plans (TYNDP).

Im Zentrum der Kritik steht das zentrale Szenario „National Trends+“. Ausgangspunkt sind nationale Strategien und die aktualisierten Energie- und Klimapläne der EU-Mitgliedstaaten. Da die zusammengeführten nationalen Entwicklungspfade nicht ausreichen, um die EU-Ziele zu erreichen, wenden die Verbände eine Lückenschlussmethode an. Dabei senken sie den angenommenen Endenergieverbrauch von Kohle und Öl, bis das europäische Endenergieverbrauchsziel erreicht ist.

Lückenschluss greift aus Acer-Sicht zu kurz

Acer hält diese rechnerische Anpassung für unzureichend. Ein starker Rückgang des Kohle- und Ölverbrauchs setzt voraus, dass unter anderem mehr erneuerbarer Strom, Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge, Wasserstoff und Effizienzmaßnahmen zum Einsatz kommen. Die Lückenschlussmethode bilde jedoch nicht ausreichend ab, wie sich dadurch der Bedarf an Strom, Methan und zusätzlicher Infrastruktur verändert. Das Szenario könne die EU-Ziele daher auf dem Papier erreichen, ohne den notwendigen Umbau des Energiesystems vollständig abzubilden.

Dadurch könnte der künftige Infrastrukturbedarf laut Acer unvollständig erfasst werden. Das könnte die Bewertung und Auswahl von Netzprojekten beeinflussen, insbesondere mit Blick auf das EU-Klimaziel für 2040. Acer fordert Entsoe und Entsog deshalb auf, im endgültigen Bericht offenzulegen, wie groß die verbleibende Lücke zu den EU-Zielen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien ist und wo die Grenzen der Lückenschlussmethode liegen.

Entsoe und Entsog halten „National Trends+“ dagegen für zielkonform. Der Entwurf beschreibt langfristig einen sinkenden Endenergiebedarf, einen steigenden Stromverbrauch, einen rückläufigen Methanbedarf und eine wachsende Rolle von Wasserstoff vor allem in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren.

Kaum Unterschiede zwischen den Varianten

Verbesserungsbedarf sieht Acer auch bei den erstmals eingeführten Varianten für hohes und niedriges Wirtschaftswachstum. Sie verändern den Endenergiebedarf der EU in den Jahren 2035 und 2040 gegenüber dem zentralen Pfad nur um jeweils etwa 1 Prozent nach oben oder unten. Bis 2040 liegt die Spanne zwischen beiden Varianten beim Methanverbrauch bei etwa 11 Prozent, beim Wasserstoffverbrauch bei weniger als 7 Prozent. Die Annahmen auf der Angebotsseite und zu den Erzeugungskapazitäten bleiben weitgehend gleich.

Mit den Varianten lassen sich nach Einschätzung von Acer deshalb noch keine deutlich unterschiedlichen Transformationspfade und Infrastrukturbedarfe prüfen. Gerade bei Wasserstoff sei die Unsicherheit über Nachfrage, Erzeugung und Infrastrukturbedarf hoch. Für künftige Planungszyklen fordert die Agentur größere Abstände zwischen den Varianten. Bei Wasserstoff sollen die Annahmen zudem nicht nur spiegelbildlich nach oben und unten verändert werden.

Acer kritisiert außerdem unterschiedlich strenge Reifekriterien für Strom- und Wasserstoffprojekte. 47 von 178 Stromübertragungsprojekten fallen in die Kategorie „geplant, aber noch nicht im Genehmigungsverfahren“. Bei Wasserstoff waren 212 von 244 Vorhaben in die dritte Kandidatenliste für Projekte von gemeinsamem oder gegenseitigem Interesse aufgenommen. Von diesen 212 Projekten galten 141 als weniger weit fortgeschritten. 115 waren zugleich in keinem nationalen Netzentwicklungsplan enthalten.

Entsoe und Entsog übermittelten Acer den Entwurf am 11. Juni und damit rund sechs Monate später als vorgesehen. Die Agentur warnt, dass wiederholte Verzögerungen die Relevanz und Glaubwürdigkeit des Planungsverfahrens beeinträchtigen könnten. Da der Stichtag für die Datenerhebung der 31. Dezember 2024 war, könnten im Jahr 2027 veröffentlichte Ergebnisse noch auf Annahmen und Eingangsdaten aus dem Jahr 2024 beruhen.

Nach Eingang der Acer-Stellungnahme hat die Europäische Kommission drei Monate Zeit, den Entwurf zu genehmigen oder Änderungen zu verlangen. Nach der Genehmigung müssen Entsoe und Entsog den endgültigen Szenarienbericht binnen zwei Wochen veröffentlichen. (ds)

Der Entwurf des Szenarienberichts „TYNDP 2026“ ist auf einer gemeinsamen Internetseite von Entsoe und Entsog abrufbar. (ds)

Dienstag, 14.07.2026, 16:08 Uhr
Davina Spohn
Energie & Management > Gasnetz - Acer sieht Lücken in EU-Netzszenarien
Quelle: Shutterstock / Visionsi
Gasnetz
Acer sieht Lücken in EU-Netzszenarien
Die europäische Regulierungsagentur Acer kritisiert die Szenarien für Europas Strom-, Gas- und Wasserstoffnetze. Die Methodik bilde den nötigen Umbau nur unzureichend ab.
Die in Ljubljana (Slowenien) ansässige Agentur der Europäischen Union für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (Acer) sieht Schwächen im europäischen Szenarienbericht 2026. Die Szenarien seien trotz einiger Verbesserungen noch keine verlässliche Grundlage für die Infrastrukturplanung.

Den Entwurf des Szenarienberichts haben der Europäische Verband der Übertragungsnetzbetreiber für Strom (Entsoe) und der Europäische Verband der Fernleitungsnetzbetreiber für Gas (Entsog) erstellt. Die Szenarien bilden die Grundlage für die europäischen Zehnjahres-Netzentwicklungspläne für Strom, Gas und Wasserstoff, die sogenannten Ten-Year Network Development Plans (TYNDP).

Im Zentrum der Kritik steht das zentrale Szenario „National Trends+“. Ausgangspunkt sind nationale Strategien und die aktualisierten Energie- und Klimapläne der EU-Mitgliedstaaten. Da die zusammengeführten nationalen Entwicklungspfade nicht ausreichen, um die EU-Ziele zu erreichen, wenden die Verbände eine Lückenschlussmethode an. Dabei senken sie den angenommenen Endenergieverbrauch von Kohle und Öl, bis das europäische Endenergieverbrauchsziel erreicht ist.

Lückenschluss greift aus Acer-Sicht zu kurz

Acer hält diese rechnerische Anpassung für unzureichend. Ein starker Rückgang des Kohle- und Ölverbrauchs setzt voraus, dass unter anderem mehr erneuerbarer Strom, Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge, Wasserstoff und Effizienzmaßnahmen zum Einsatz kommen. Die Lückenschlussmethode bilde jedoch nicht ausreichend ab, wie sich dadurch der Bedarf an Strom, Methan und zusätzlicher Infrastruktur verändert. Das Szenario könne die EU-Ziele daher auf dem Papier erreichen, ohne den notwendigen Umbau des Energiesystems vollständig abzubilden.

Dadurch könnte der künftige Infrastrukturbedarf laut Acer unvollständig erfasst werden. Das könnte die Bewertung und Auswahl von Netzprojekten beeinflussen, insbesondere mit Blick auf das EU-Klimaziel für 2040. Acer fordert Entsoe und Entsog deshalb auf, im endgültigen Bericht offenzulegen, wie groß die verbleibende Lücke zu den EU-Zielen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien ist und wo die Grenzen der Lückenschlussmethode liegen.

Entsoe und Entsog halten „National Trends+“ dagegen für zielkonform. Der Entwurf beschreibt langfristig einen sinkenden Endenergiebedarf, einen steigenden Stromverbrauch, einen rückläufigen Methanbedarf und eine wachsende Rolle von Wasserstoff vor allem in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren.

Kaum Unterschiede zwischen den Varianten

Verbesserungsbedarf sieht Acer auch bei den erstmals eingeführten Varianten für hohes und niedriges Wirtschaftswachstum. Sie verändern den Endenergiebedarf der EU in den Jahren 2035 und 2040 gegenüber dem zentralen Pfad nur um jeweils etwa 1 Prozent nach oben oder unten. Bis 2040 liegt die Spanne zwischen beiden Varianten beim Methanverbrauch bei etwa 11 Prozent, beim Wasserstoffverbrauch bei weniger als 7 Prozent. Die Annahmen auf der Angebotsseite und zu den Erzeugungskapazitäten bleiben weitgehend gleich.

Mit den Varianten lassen sich nach Einschätzung von Acer deshalb noch keine deutlich unterschiedlichen Transformationspfade und Infrastrukturbedarfe prüfen. Gerade bei Wasserstoff sei die Unsicherheit über Nachfrage, Erzeugung und Infrastrukturbedarf hoch. Für künftige Planungszyklen fordert die Agentur größere Abstände zwischen den Varianten. Bei Wasserstoff sollen die Annahmen zudem nicht nur spiegelbildlich nach oben und unten verändert werden.

Acer kritisiert außerdem unterschiedlich strenge Reifekriterien für Strom- und Wasserstoffprojekte. 47 von 178 Stromübertragungsprojekten fallen in die Kategorie „geplant, aber noch nicht im Genehmigungsverfahren“. Bei Wasserstoff waren 212 von 244 Vorhaben in die dritte Kandidatenliste für Projekte von gemeinsamem oder gegenseitigem Interesse aufgenommen. Von diesen 212 Projekten galten 141 als weniger weit fortgeschritten. 115 waren zugleich in keinem nationalen Netzentwicklungsplan enthalten.

Entsoe und Entsog übermittelten Acer den Entwurf am 11. Juni und damit rund sechs Monate später als vorgesehen. Die Agentur warnt, dass wiederholte Verzögerungen die Relevanz und Glaubwürdigkeit des Planungsverfahrens beeinträchtigen könnten. Da der Stichtag für die Datenerhebung der 31. Dezember 2024 war, könnten im Jahr 2027 veröffentlichte Ergebnisse noch auf Annahmen und Eingangsdaten aus dem Jahr 2024 beruhen.

Nach Eingang der Acer-Stellungnahme hat die Europäische Kommission drei Monate Zeit, den Entwurf zu genehmigen oder Änderungen zu verlangen. Nach der Genehmigung müssen Entsoe und Entsog den endgültigen Szenarienbericht binnen zwei Wochen veröffentlichen. (ds)

Der Entwurf des Szenarienberichts „TYNDP 2026“ ist auf einer gemeinsamen Internetseite von Entsoe und Entsog abrufbar. (ds)

Dienstag, 14.07.2026, 16:08 Uhr
Davina Spohn

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