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Die Schieflage beim etablierten Erneuerbaren-Projektierer Abo Energy hat Folgen. Ein geplanter 40-MW-Windpark im Ländle fällt weg. Auch für Tübingens Versorger ist dies ein Rückschlag.
Renningen zieht die Reißleine. Die Kommune im Landkreis Böblingen hat eine vertraglich fixierte Vereinbarung mit Abo Energy widerrufen, die zu einem sechs Anlagen starken Windpark in der baden-württembergischen Stadt führen sollte. Dies gab die parteilose Bürgermeisterin Melanie Hettmer nun im Gemeinderat bekannt.
Einen Nutzungsvertrag für die Fläche im Forstgebiet Hardtwald unweit der Autobahn A8, eines Forschungscampus des Unternehmens Bosch und des Leonberger Stadtteils Perouse hätten die beteiligten Partner „einvernehmlich“ gelöst, heißt es aus Renningen. Auch die Stadtwerke Tübingen waren in dem Projekt engagiert. Sie wollten den Park nach Fertigstellung übernehmen und dauerhaft wirtschaftlich betreiben, wie ein Sprecher des Versorgers auf Anfrage dieser Redaktion mitteilte.
Die Tübinger sprechen in diesem Zusammenhang von einem „bedauerlichen Rückschlag“. Der Sprecher wollte darin aber „kein strukturelles Scheitern der Windkraftnutzung in Renningen“ erkennen.
Erste Zweifel an der Realisierung des Vorhabens hatte es in Renningens Lokalpolitik spätestens im März 2026 gegeben, als klar war, dass Abo Energy im laufenden Jahr keinen Bauantrag mehr für das Projekt einreichen würde. Das Unternehmen aus Wiesbaden war 2025 in ein deutliches Minus gerutscht und erwartet auch für 2026 kein positives Ergebnis. Abo Energy befindet sich in einem Sanierungsprozess und hatte zuletzt eine Stillhaltevereinbarung mit seinen Finanzierungspartnern bis zum 30. November 2026 verlängert.
Weitere Projekte der Stadtwerke mit Abo Energy
Vorgesehen im Hardtwald waren sechs Windkraftanlagen des Typs N-175 aus dem Hause Nordex mit einer Gesamthöhe von jeweils 266,5 Metern. Die Stadtwerke Tübingen hatten bislang noch keine nennenswerten Investitionen getätigt, so der Sprecher. Für die bisherige Projektentwicklung, erforderliche Gutachten und das laufende Genehmigungsverfahren sei vertragsgemäß Abo Energy zuständig gewesen.
Als vorgesehener Betreiber fehlt den Stadtwerken Tübingen nun dieser Windpark im eigenen Portfolio. Ob es das endgültige Aus für den Windpark Hardtwald ist, wird die Zukunft weisen. Der Tübinger Unternehmenssprecher jedenfalls hält eine Realisierung mit einem anderen Partner durchaus für denkbar.
Dafür müsse das ausersehene Areal allerdings als Vorranggebiet für Windenergie im Regionalplan rechtssicher verankert bleiben. Es erscheint offen, ob es einen Neustart für das Projekt geben kann. Aktuell überarbeitet der Verband Region Stuttgart den Windenergie-Plan mit einer Teilfortschreibung.
Die Stadtwerke Tübingen sind von der wirtschaftlichen Entwicklung bei Abo Energy auch an anderer Stelle mittelbar betroffen. Über Renningen hinaus befindet sich der Versorger nach Angaben des Sprechers in einer strategischen Kooperation mit Abo Energy bei den geplanten Windparkprojekten in den hessischen Gemeinden Flörsbachtal und Jossgrund (fünf Vestas-Anlagen, 36 MW) sowie im baden-württembergischen Öhningen (bis zu fünf Nordex-Anlagen, 35 MW).
Die Entwicklung hier hänge auch „sicherlich stark“ von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab, die mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) einhergehen, so der Sprecher. Allgemein sieht die Branche die politischen Ziele der Berliner Koalition kritisch (vs)
Mittwoch, 7.10.2026, 09:05 Uhr
Volker Stephan
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