Quelle: Deutsche Windguard
In Deutschland ist die installierte Offshore-Windleistung im ersten Halbjahr 2026 auf 10.800 MW gestiegen. Eine schnelle Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes sei laut Branche nötig.
Zum 30. Juni 2026 waren in der deutschen Nord- und Ostsee 1.764 Offshore-Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 10.800
MW in Betrieb, ein neuer Höchststand. Im ersten Halbjahr gingen 84 neue Anlagen mit einer Leistung von 1.077 MW ans Netz.
Das geht aus einer Erhebung der Deutschen Windguard hervor, die im Auftrag des Bundesverbands Windenergie (BWE), des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO), des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Power Systems (VDMA Power Systems), der WAB, des Windenergy Network sowie der Stiftung Offshore-Windenergie erstellt wurde.
Nach Angaben der Verbände sind weitere 22 Anlagen mit einer Leistung von 323
MW in den Offshore-Windparks Borkum Riffgrund
3, He Dreiht und Nordseecluster A bereits errichtet, aber noch nicht in Betrieb. Für Offshore-Projekte mit insgesamt 2.600
MW wurde demnach bereits die finale Investitionsentscheidung getroffen.
Weitere Projekte mit einer Leistung von 17.500
MW haben zwar einen Zuschlag erhalten, befinden sich jedoch noch vor der endgültigen Investitionsentscheidung. Nach der aktuellen Planung soll die installierte Offshore-Windleistung in Deutschland bis 2032 auf 30.000
MW steigen.
Für weiteren Ausbau Gesetz anpassenTrotz des Ausbaus sehen die Branchenverbände Handlungsbedarf beim regulatorischen Rahmen. Sie verweisen darauf, dass die Ergebnisse der jüngsten Ausschreibungsrunden zeigten, dass das bestehende Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) nicht mehr den aktuellen Marktbedingungen entspreche. Insbesondere die ausgebliebene Gebotsabgabe bei der Ausschreibung im August 2025 verdeutliche den Reformbedarf.
Die Verbände fordern deshalb eine Novelle des WindSeeG noch im Sommer 2026. Diese solle Investitionssicherheit schaffen und das bisherige Ausschreibungsmodell durch indexierte, zweiseitige Contracts for Difference (CfDs) ersetzen. Nach Einschätzung der Organisationen könnten solche Differenzverträge Finanzierungsrisiken senken, die Umsetzung von Projekten erleichtern und langfristig wettbewerbsfähige Stromkosten unterstützen.
Zudem sprechen sie sich für einen Absicherungsmechanismus für langfristige Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) aus, damit diese für Banken und Industrieunternehmen besser finanzierbar werden.
Neuausschreibung ermöglichenFür bereits bezuschlagte Projekte verlangen die Verbände eine verlässliche Perspektive. Sollten Projekte aufgrund veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nicht mehr umgesetzt werden können, müsse die Bundesregierung laut den Organisationen gesetzliche Möglichkeiten für eine Rückgabe der Flächen prüfen. Diese könnten anschließend zügig erneut ausgeschrieben werden, damit Netzanschlüsse und Flächen nicht ungenutzt blieben und die Projektpipeline erhalten werde.
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Übersicht der deutschen Offshore-Windkraftstandorte (zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken) Quelle: Deutsche Windguard |
Nach Einschätzung der Branchenorganisationen ist ein kontinuierlicher Ausbau der Offshore-Windenergie auch für den Industriestandort Deutschland wichtig. Ein verlässlicher Ausbaupfad schaffe Planungssicherheit für Investitionen in Produktionskapazitäten, Lieferketten und Hafeninfrastruktur.
Laut einer Studie des Instituts Windresearch im Auftrag des BWO sichert die Offshore-Windenergie derzeit rund 49.000 Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland. Die Verbände fordern deshalb faire Wettbewerbsbedingungen für europäische Unternehmen sowie einen stärkeren Schutz der kritischen Energieinfrastruktur und der Lieferketten vor physischen und digitalen Risiken.
Offshorewind liefert verlässlich StromDie Bedeutung der Offshore-Windenergie für die Stromversorgung unterstreichen auch aktuelle Erzeugungsdaten. Nach Angaben des BWE produzierten die deutschen Offshore-Windenergieanlagen im Jahr 2025 rund 26,1
Milliarden MWh Strom. Das entsprach rechnerisch dem Jahresstrombedarf von etwa 8,7
Millionen Haushalten mit einem Verbrauch von jeweils 3.000
kWh.
Zudem erreichen Offshore-Anlagen laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit 3.500 bis 4.500 Vollaststunden deutlich höhere Werte als Windenergieanlagen an Land, die auf 2.000 bis 3.000 Vollaststunden kommen.
(sh)
Dienstag, 21.07.2026, 12:14 Uhr
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