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Eine Umfrage unter Wirtschaftsentscheiderinnen und -entscheidern zeigt wachsenden Druck beim Stromnetzausbau. Unternehmen fordern klare Regeln für Netzanschlüsse.
Der Zugang zu Netzanschlüssen entwickelt sich für Unternehmen in Deutschland zu einem zentralen Faktor für Standortentscheidungen. Das geht aus einer Umfrage des Instituts Civey im Auftrag von Tennet Germany hervor, teilte der Übertragungsnetzbetreiber am 19.
Januar mit. Befragt wurden rund 2.000 Entscheiderinnen und Entscheider aus der deutschen Wirtschaft. Sie sehen leistungsfähige Netze und verlässliche Netzanschlüsse als Voraussetzung für Wachstum und Digitalisierung.
Demnach misst die Mehrheit der Befragten insbesondere Rechenzentren eine hohe Bedeutung zu. Mehr als 80
Prozent stimmen der Aussage zu, dass sie eine zentrale Rolle für die digitale Infrastruktur spielen. Neun von zehn Befragten erwarten, dass Rechenzentren den künftigen Stromverbrauch deutlich erhöhen. Gleichzeitig halten 60
Prozent Engpässe in der Stromversorgung für ein Hindernis auf dem Weg zu einem führenden Digitalstandort.
Ein Großteil der Wirtschaftsvertreter sieht Defizite in der Politik. Rund 69
Prozent der Befragten geben an, dass Stromnetze und Netzanschlüsse für Rechenzentren bislang nicht ausreichend priorisiert werden. Vor diesem Hintergrund verweist Tennet auf die angekündigte Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung und erwartet eine zeitnahe Umsetzung.
Nach Einschätzung von Tennet-CEO Tim Meyerjürgens gewinnt der Netzanschluss grundsätzliche Bedeutung für den Wirtschaftsstandort. „Es geht längst nicht mehr um einzelne Technologien, sondern um die grundsätzliche Fähigkeit, Wachstum, Digitalisierung und Transformation infrastrukturell zu ermöglichen. Wir müssen jetzt die Weichen stellen, damit Deutschland im internationalen Wettbewerb um Zukunftstechnologien nicht ins Hintertreffen gerät“, so Meyerjürgens.
Netzkapazitäten stoßen an GrenzenDie Umfrage zeigt auch strukturelle Engpässe. Rund 74
Prozent der Befragten halten das deutsche Stromnetz für nicht ausreichend ausgebaut, um künftige Anforderungen zu erfüllen. Als zentrale Hemmnisse nennen sie langsame oder komplexe Genehmigungsverfahren sowie fehlende Netzkapazitäten. Jeder fünfte Befragte verweist zudem auf unklare Zuständigkeiten und fehlende politische Koordination.
Der steigende Strombedarf ergibt sich aus mehreren Entwicklungen. Dazu zählen die fortschreitende Digitalisierung, die Elektrifizierung industrieller Prozesse sowie neue Großverbraucher wie Rechenzentren. Nach Ansicht vieler Unternehmen trifft diese Nachfrage auf eine Infrastruktur, die regional bereits ausgelastet ist.
Aus Sicht von Tennet leitet sich daraus ein Handlungsauftrag an den Gesetzgeber ab. Im Mittelpunkt steht der zügige Beschluss des Bundesbedarfsplangesetzes. Neue Leitungen im Übertragungsnetz und zusätzliche Umspannwerke gelten als Voraussetzung, um neue Verbraucher und Erzeuger zeitnah anschließen zu können.
Darüber hinaus fordert der Übertragungsnetzbetreiber klare und rechtssichere Verfahren für Netzanschlüsse. Angesichts begrenzter Kapazitäten soll der Zugang stärker nach Projektreife und Kundengruppen gesteuert werden. Ziel bleibt aus Sicht des Unternehmens eine volkswirtschaftlich sinnvolle Nutzung der vorhandenen Netzanschlusskapazitäten.
Die
Auswertung der Umfrage finden Interessierte auf der Webseite von Tennet.
Montag, 19.01.2026, 14:48 Uhr
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