Quelle: Davina Spohn
Westfalen Weser Netz hat im Projekt NS-Scada den Pilotbetrieb eines Niederspannungsleitsystems aufgenommen. Die Lösung soll die Steuerung gemäß Paragraf 14a EnWG gewährleisten.
Westfalen Weser Netz hat im Rahmen eines Pilotprojekts den Betrieb eines Niederspannungsleitsystems aufgenommen. Voraussetzung dafür war die erfolgreiche Anbindung des von Envelio entwickelten Niederspannungsleitsystems (NS-Scada) an das CLS-Management, das vom Smart-Meter-Gateway-Administrator Gwadriga betrieben wird. Parallel dazu werde der Voll-Rollout intelligenter Messsysteme einschließlich der Ausstattung mit Steuerboxen vorbereitet, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Gwadriga und Envelio.
Das Niederspannungsleitsystem basiert auf der Intelligent Grid Platform von Envelio und bildet das Netz als digitalen Zwilling ab. Über diesen werden Netzzustandsdaten gemäß TAF10 übermittelt, sodass eine kontinuierliche Überwachung des Niederspannungsnetzes möglich ist. Bei auftretenden Engpässen können über das CLS-Management automatisiert Steuerbefehle ausgelöst und gezielt an steuerbare Anlagen übermittelt werden.
Für Westfalen Weser Netz bedeutet dies einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zur Umsetzung des Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes. Dieser ist die Grundlage für die Integration steuerbarer Verbrauchseinrichtungen in das Stromnetz. Details dazu regeln zwei Festlegungen der Bundesnetzagentur.
„Eine besondere Herausforderung bei diesem Projekt war, dass das Niederspannungsleitsystem nicht über die Cloud abgebildet, sondern aus Sicherheitsaspekten direkt on-premises in unser Prozessdatennetz integriert werden musste“, erklärt Dennis Hunting.
Neben der Anbindung an das CLS-Management seien auch Schnittstellen zum ERP-System, zum Geoinformationssystem, zu Fernwirkgeräten sowie zum Mittelspannungsleitsystem umzusetzen gewesen, so der Projektmanager NS-Scada bei Westfalen Weser Netz.
In den kommenden Monaten soll die Lösung zunächst in 20 Niederspannungsnetzen mit zwei Betriebsstellen sowie der Leitstelle des Netzgebiets pilotiert werden. Dazu sind Tests bei „Friedly Usern“ vorgesehen. Darüber hinaus seien in allen Ortsnetzstationen dieser Netze Vorrichtungen zur Niederspannungsabgangsmessung installiert worden. Auf dieser Grundlage sollen Betriebserfahrungen gesammelt und ein Bedienkonzept entwickelt werden, bevor ein Rollout im gesamten Netzgebiet erfolgt.
Nach Angaben von GWAdriga und Envelio wurde mit diesem Projekt erstmals eine durchgängige Prozesskette für die Steuerung in der Niederspannung aufgebaut, die sich auch auf weitere Projekte übertragen lasse.
Freitag, 6.02.2026, 09:16 Uhr
Fritz Wilhelm
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