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Unser Brüsseler Korrespondent Tom Weingärtner kommentiert in seiner Kolumne „Inside EU Energie“ energiepolitische Themen aus dem EU-Parlament, der EU-Kommission und den Verbänden.
Die Transformation des globalen Energiesystems lässt nach dem jüngsten Bericht des Weltklimarates weiter auf sich warten.
Der Befund des Weltklimarates ist vorläufig, denn bislang konnten die Wissenschaftler nur die Zahlen aus den 20 größten Industrie- und Schwellenländern („G20“) auswerten. Auf sie entfallen 80
Prozent des Weltenergieverbrauchs. Der Chef des Kölner Instituts für Energiewirtschaft (EWI), Marc Oliver Bettzüge, sieht darin noch keine Anzeichen einer nachhaltigen Energiewende. Erneuerbare Energien spielten zwar eine immer größere Rolle. Aber auch der Einsatz fossiler Energieträger erreiche Höchstwerte. Letztere würden bislang nur ergänzt, aber nicht durch emissionsfreie Formen der Energieerzeugung ersetzt.
Immerhin hat das dazu geführt, dass die CO2-Emissionen 2025 nicht mehr angestiegen sind. Ob dies eine vorübergehende Stagnation oder eine Trendwende sei, werde man erst in den nächsten Jahren sehen, sagt Bettzüge. Denn dahinter verbergen sich regional, sektoral und konjunkturell unterschiedliche Entwicklungen.
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Tom Weingärtner Quelle: E&M |
Insgesamt legte die Wirtschaftsleistung in den G20-Staaten 2025 um 3
Prozent zu, die Energienachfrage wuchs aber nur um 1,4
Prozent (2022-2024: 2
Prozent). Das lag vor allem an China, wo nur noch 2
Prozent mehr Energie verbraucht wurde als im Vorjahr. Als Ursache nennt der Weltenergierat Effizienzgewinne sowie die schwächere Nachfrage der Stahl- und Zementindustrie in China. China hat inzwischen den weltweit größten Energieverbrauch (35
Prozent), gefolgt von den USA (17
Prozent).
In den USA und Kanada stieg die Energienachfrage um 2
Prozent. Neben einem kalten Winter waren dafür die gute Konjunktur und der Bau von Datenzentren verantwortlich. Rückläufig war der Energieverbrauch
in Deutschland, Italien, Japan, Großbritannien sowie Russland. In Russland dämpften die westlichen Sanktionen inzwischen die Wirtschaftstätigkeit.
In Deutschland sei der Rückgang des Energieverbrauchs vor allem auf die hohen Energiepreise zurückzuführen, sagte Bettzüge bei der Vorstellung des Berichts. Energieintensive Sektoren müssten deshalb ihre Produktion einschränken. Ursache für die hohen Strompreise seien neben den hohen Gaspreisen der Netzausbau sowie der Ausstieg aus Kohle und Kernenergie. Die heimische Kohle könne Deutschland vor Engpässen auf den internationalen Energiemärkten schützen.
Trotz des starken Ausbaus der Erneuerbaren hat sich der globale Energiemix in den letzten 15
Jahren nur wenig verändert. 2025 deckten fossile Brennstoffe immer noch mehr als 80
Prozent des Energiebedarfs der G20-Staaten. 2015 waren es 84
Prozent. Der Anteil der Kohle blieb in diesem Zeitraum stabil bei etwa einem Drittel, Öl ging von 30 auf 27
Prozent zurück, aber Gas legte um ein Prozent zu. China verbrauchte im letzten Jahr zwar nicht mehr Kohle als 2024, aber dem stand ein Anstieg von 14
Prozent in den USA gegenüber.
Auch die Preisentwicklung begünstigte den Einsatz von Kohle. Obwohl China und Australien weniger Kohle förderten, bewegt sich der Kohlepreis, der 2022 auf über 300
US-Dollar pro Tonne angestiegen war, inzwischen wieder zwischen 100 und 150
US-Dollar/Tonne.
Der Gasverbrauch in den G20-Staaten legte 2025 um ein Prozent zu, nur halb so viel wie im langfristigen Trend. Neben China (+2
Prozent) und den USA (+1
Prozent) wurde vor allem in der EU mehr Erdgas verbraucht: +3
Prozent − eine Trendwende, nachdem der Gasverbrauch in den beiden Jahren davor rückläufig war. Bettzüge erwartet eine steigende Nachfrage nach Gas.
Der Stromverbrauch der G20-Staaten legte 2025 um 3
Prozent zu, getrieben vom Boom der Datenzentren sowie der Elektrifizierung des Verkehrs und privater Haushalte in China. Entgegen dem Trend ging der Stromverbrauch in der EU um ein Prozent zurück. Die höhere Nachfrage der privaten Haushalte (Wärmepumpen, Elektromobilität) wurde mehr als ausgeglichen durch den Rückgang der energieintensiven Produktion, vor allem in Deutschland (-2
Prozent).
Der Ausbau der Erneuerbaren erreichte mit einem Plus von 595
GW (Vorjahr: +473
GW) einen neuen Rekord. Ende vergangenen Jahres lag die Kapazität der Erneuerbaren bei 5.100
GW. Drei Viertel des Zuwachses entfielen auf die Photovoltaik, gut ein Fünftel auf Windkraft und 2,5
Prozent auf die Wasserkraft. Trotzdem ging der Anteil der fossilen Erzeugung nur vergleichsweise wenig zurück, von 68
Prozent im Jahr 2010 auf 56
Prozent im letzten Jahr.
Die Kohlendioxid-Emissionen blieben im Jahresvergleich praktisch stabil bei 32,5
Gigatonnen, wobei einem Rückgang der Emissionen aus der Industrie ein Anstieg des CO2-Ausstoßes durch Kraftwerke gegenüberstand. Die Emissionen waren in China und in den meisten OECD-Staaten (auch in der EU) rückläufig, die USA verzeichneten einen Anstieg um 3
Prozent. Der Trend beim globalen CO2-Ausstoß sei mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens nicht vereinbar, sagt Bettzüge.
Donnerstag, 25.06.2026, 11:02 Uhr
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