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Verbandsvertreter haben der Regierungskoalition in Berlin ein Gutachten für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz übergeben, das flexible Sanierungswege und Klimaschutz verbinden soll.
Verbände aus den Bereichen erneuerbare Anlagentechnik, Gebäudehülle und Energieberatung haben Politikern der Regierungskoalition ein gemeinsames Expertengutachten für ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) vorgelegt.
Die Autoren vom Institut für Technische Gebäudeausrüstung (ITG) mit Sitz in Dresden und vom Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) mit Sitz in München skizzieren darin einen lösungsoffenen Ansatz für die Weiterentwicklung des Gebäudeenergiegesetzes. Ziel ist es laut Gutachten, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu reduzieren, Wirtschaftswachstum zu ermöglichen und die Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu erreichen.
Nach Angaben der Gutachter bewirken die bestehenden Regelungen des Gebäudeenergiegesetzes bei Bestandsgebäuden je nach eingesetzter Technik eine CO2-Minderung von 50 bis 90 Prozent.
Prof. Bert Oschatz, Geschäftsführer des ITG, erklärt, der Austausch alter Heizsysteme durch effizientere fossile Anlagen reiche dafür nicht aus. Selbst moderne Gasheizungen könnten auch unter Einbeziehung geringer Biomethananteile keinen vergleichbaren Beitrag zur Emissionsminderung leisten, so Oschatz.
Gebäudesanierung einbeziehenEin weiterer Schwerpunkt des Gutachtens ist die Rolle der Gebäudehülle bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Die Sachverständigen haben untersucht, inwieweit Effizienzmaßnahmen an Fassade, Dach oder Fenstern als gleichwertige Erfüllungsoption zur derzeitigen 65-Prozent-Vorgabe anerkannt werden können.
Prof. Andreas Holm, Leiter des FIW, sieht darin keinen Zielkonflikt zu erneuerbaren Heizsystemen. Vielmehr senkten Investitionen in die Gebäudehülle den Endenergieverbrauch und die laufenden Kosten deutlich. Zugleich reduzierten sie die Stromspitzenlast im Winter, stabilisierten das Stromnetz und minderten den Bedarf an zusätzlicher Netzinfrastruktur, so Holm.
Aus Sicht der Verbände soll das reformierte Gesetz Eigentümern weiterhin Orientierung geben. Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP), fordert von der Koalition, die Ambitionen nicht zurückzufahren. Das Gesetz müsse klar aufzeigen, welche Sanierungswege zu einem zukunftssicheren Gebäude führen und welche die Abhängigkeit von Gas und Öl verstärken. Hauseigentümer dürften nicht durch unrealistische Versprechen dazu verleitet werden, neue Gasheizungen zu installieren, betont Sabel.
Individuelle SanierungslösungAuch der Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG) spricht sich für mehr Flexibilität aus. Geschäftsführer Jan Peter Hinrichs verweist auf die große Bandbreite des deutschen Gebäudebestands. Jede Immobilie benötige eine individuelle Sanierungslösung. Ob zuerst die Heizung erneuert oder die Gebäudehülle verbessert werde, sollten Eigentümer gemeinsam mit Energieberatern vor Ort entscheiden.
Der Verband Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker (GIH) begrüßt die gemeinsame Initiative. Geschäftsführer Benjamin Weismann bezeichnet die Zusammenarbeit von Anbietern zentraler Wärmewende-Technologien und Energieberatenden als entscheidend. Künftig müsse die Senkung des Energiebedarfs neben der CO2-Minderung stärker gewichtet werden. Würden Maßnahmen an der Gebäudehülle als gleichwertige Alternative anerkannt, könne dies die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen, da Energie- und Kostenersparnis stärker in den Fokus rückten.
Die Regierungskoalition überarbeitet derzeit das Gebäudeenergiegesetz (GEG) der Ampelkoalition zu einem Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG). Mit dem Gutachten wollen die beteiligten Verbände Impulse für die anstehenden politischen Entscheidungen setzen. Das Gebäudemodernisierungsgesetz soll aus ihrer Sicht technologieoffen ausgestaltet werden und das Zusammenspiel von Heizungstechnik, Gebäudehülle und Beratung stärker berücksichtigen.
Das
Gutachten der Verbände zum GMG steht als PDF zum Download bereit.
Freitag, 6.02.2026, 11:13 Uhr
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