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Energie & Management > Politik - Studien formulieren Anforderungen an „European Grids Package“
Quelle: Pixabay / NakNakNak
Politik

Studien formulieren Anforderungen an „European Grids Package“

Am 10. Dezember will die EU ihre Ideen zur Beschleunigung des Netzausbaus vorstellen. Zwei Thinktanks beschreiben, was nötig ist, um die Ziele der EU beim Strombinnenmarkt zu erreichen.
Die europäische Stromnetzinfrastruktur bleibt deutlich hinter dem notwendigen Ausbautempo zurück. Damit kommt dem „European Grids Package“ der EU eine besondere Bedeutung zu, klare politische Leitlinien und Finanzierungsstrukturen für den Netzausbau zu setzen. Dies zeigt eine Analyse von Aurora Energy Research, die zentrale Engpässe und Investitionslücken im europäischen Netzsystem bewertet.

Demnach steigen Netzengpässe und Abregelungen erneuerbarer Energien rapide, während gleichzeitig mehr als 1.300 GW an Solar-, Wind- und Batteriespeicherprojekten auf Netzanschlüsse warten. Auch grenzüberschreitende Stromkapazitäten reichen nicht aus, was jährlich dreistellige Millionenbeträge an Systemkosten verursache.

Der Ausbaubedarf ist laut Aurora erheblich: Bis 2050 müssten europaweit rund 576.000 Kilometer neue Übertragungsleitungen, 7,8 Millionen Kilometer Verteilnetzleitungen sowie bis zu 350 Konverter für die Umwandlung von Hochspannungswechselstrom in Gleichstrom errichtet werden.

Aurora identifiziert außerdem für die kommenden Jahre erhebliche Investitionslücken. Zwar sind die Netzausgaben zuletzt gestiegen, sie bleiben aber weit unter dem Niveau, das für eine Net-Zero-kompatible Infrastruktur nötig wäre.

European Grids Package soll am 10. Dezember kommen

Vor diesem Hintergrund komme dem European Grids Package, das die EU für den 10. Dezember angekündigt hat, eine Schlüsselrolle zu. Es müsse eine langfristig integrierte Netzplanung durchsetzen, die Übertragungs- und Verteilnetze gemeinsam betrachtet und klare Ausbaupfade bis 2050 vorgibt.

Die Studie fordert zudem europaweit harmonisierte Steuerungs- und Redispatch-Regeln, transparente Anschlussprozesse sowie verbindliche Koordinationsmechanismen zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern. Auch beim Finanzierungsrahmen sieht Aurora dringenden Handlungsbedarf. Das Grids Package solle neue Modelle für gemeinsame Beschaffung, kollektive Finanzierung und die Einbindung nicht-leitungsgebundener Alternativen ermöglichen.

Aus Sicht der Autoren entscheidet sich damit in naher Zukunft, ob Europa ein Stromnetz erhält, das die Energiewende trägt – oder ob Engpässe und hohe Systemkosten zum dauerhaften Bremsklotz werden.
 
Grid Package soll drei Prioritäten setzen
 
Eine Studie des britischen Thinktanks Ember von Anfang Dezember kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Europa seine Interkonnektivität bis 2040 deutlich ausweiten muss, um ein kosteneffizientes und sicheres Stromsystem zu erreichen.

Die aktuellen Projekte reichten dafür bei Weitem nicht aus: Bis 2040 fehlen rund 55 GW grenzüberschreitender Leitungen. Vor diesem Hintergrund formuliert die Analyse klare Erwartungen an die europäische Politik – insbesondere an das European Grids Package und das nächste Finanzierungsinstrument, die Connecting Europe Facility for Energy (CEF-E).

Im Mittelpunkt steht die Empfehlung, das European Grids Package zur beschleunigten Umsetzung strategischer Interkonnektoren zu nutzen. Das Paket sollte nach Einschätzung der Studie drei Prioritäten setzen:

Erstens müsse die EU die grenzüberschreitende Systemplanung stärken, indem der Ten-Year Network Development Plan (TYNDP) verbindlicher mit energiepolitischen Zielsetzungen verknüpft wird.

Zweitens sollten politische Leitlinien für vorausschauende Investitionen weiter konkretisiert werden, damit Netzbetreiber Interkonnektoren auch dann realisieren können, wenn zukünftige Bedarfe noch nicht vollständig abgesichert sind.

Drittens sei ein klarer europäischer Rahmen nötig, der Engpassprojekte von hohem strategischem Wert identifiziert und ihre Genehmigungsprozesse priorisiert.

Ein zentrales Element des Grids Package müsse zudem sein, die Finanzierungsmöglichkeiten stärker auf Grenzkapazitäten auszurichten. Da der zu erwartende Förderrahmen des CEF-E von rund 17 Milliarden Euro nur etwa ein Drittel des voraussichtlichen Zuschussbedarfs decke, empfiehlt die Studie, die im Grids Package vorgesehenen Mechanismen so auszugestalten, dass Kombinationsmodelle aus Zuschüssen, EU-Darlehen und privaten Investitionen erleichtert werden.

Dazu gehöre auch, Interkonnektoren klarer als europäische Infrastrukturprojekte von gemeinschaftlichem Nutzen einzuordnen, um Zugang zu langfristigen Finanzierungen – insbesondere durch die Europäische Investitionsbank – zu verbessern.

Nähere Informationen zur Ember-Studie und zur Aurora-Studie stehen im Internet zur Verfügung.

Dienstag, 9.12.2025, 17:17 Uhr
Fritz Wilhelm
Energie & Management > Politik - Studien formulieren Anforderungen an „European Grids Package“
Quelle: Pixabay / NakNakNak
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Studien formulieren Anforderungen an „European Grids Package“
Am 10. Dezember will die EU ihre Ideen zur Beschleunigung des Netzausbaus vorstellen. Zwei Thinktanks beschreiben, was nötig ist, um die Ziele der EU beim Strombinnenmarkt zu erreichen.
Die europäische Stromnetzinfrastruktur bleibt deutlich hinter dem notwendigen Ausbautempo zurück. Damit kommt dem „European Grids Package“ der EU eine besondere Bedeutung zu, klare politische Leitlinien und Finanzierungsstrukturen für den Netzausbau zu setzen. Dies zeigt eine Analyse von Aurora Energy Research, die zentrale Engpässe und Investitionslücken im europäischen Netzsystem bewertet.

Demnach steigen Netzengpässe und Abregelungen erneuerbarer Energien rapide, während gleichzeitig mehr als 1.300 GW an Solar-, Wind- und Batteriespeicherprojekten auf Netzanschlüsse warten. Auch grenzüberschreitende Stromkapazitäten reichen nicht aus, was jährlich dreistellige Millionenbeträge an Systemkosten verursache.

Der Ausbaubedarf ist laut Aurora erheblich: Bis 2050 müssten europaweit rund 576.000 Kilometer neue Übertragungsleitungen, 7,8 Millionen Kilometer Verteilnetzleitungen sowie bis zu 350 Konverter für die Umwandlung von Hochspannungswechselstrom in Gleichstrom errichtet werden.

Aurora identifiziert außerdem für die kommenden Jahre erhebliche Investitionslücken. Zwar sind die Netzausgaben zuletzt gestiegen, sie bleiben aber weit unter dem Niveau, das für eine Net-Zero-kompatible Infrastruktur nötig wäre.

European Grids Package soll am 10. Dezember kommen

Vor diesem Hintergrund komme dem European Grids Package, das die EU für den 10. Dezember angekündigt hat, eine Schlüsselrolle zu. Es müsse eine langfristig integrierte Netzplanung durchsetzen, die Übertragungs- und Verteilnetze gemeinsam betrachtet und klare Ausbaupfade bis 2050 vorgibt.

Die Studie fordert zudem europaweit harmonisierte Steuerungs- und Redispatch-Regeln, transparente Anschlussprozesse sowie verbindliche Koordinationsmechanismen zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern. Auch beim Finanzierungsrahmen sieht Aurora dringenden Handlungsbedarf. Das Grids Package solle neue Modelle für gemeinsame Beschaffung, kollektive Finanzierung und die Einbindung nicht-leitungsgebundener Alternativen ermöglichen.

Aus Sicht der Autoren entscheidet sich damit in naher Zukunft, ob Europa ein Stromnetz erhält, das die Energiewende trägt – oder ob Engpässe und hohe Systemkosten zum dauerhaften Bremsklotz werden.
 
Grid Package soll drei Prioritäten setzen
 
Eine Studie des britischen Thinktanks Ember von Anfang Dezember kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Europa seine Interkonnektivität bis 2040 deutlich ausweiten muss, um ein kosteneffizientes und sicheres Stromsystem zu erreichen.

Die aktuellen Projekte reichten dafür bei Weitem nicht aus: Bis 2040 fehlen rund 55 GW grenzüberschreitender Leitungen. Vor diesem Hintergrund formuliert die Analyse klare Erwartungen an die europäische Politik – insbesondere an das European Grids Package und das nächste Finanzierungsinstrument, die Connecting Europe Facility for Energy (CEF-E).

Im Mittelpunkt steht die Empfehlung, das European Grids Package zur beschleunigten Umsetzung strategischer Interkonnektoren zu nutzen. Das Paket sollte nach Einschätzung der Studie drei Prioritäten setzen:

Erstens müsse die EU die grenzüberschreitende Systemplanung stärken, indem der Ten-Year Network Development Plan (TYNDP) verbindlicher mit energiepolitischen Zielsetzungen verknüpft wird.

Zweitens sollten politische Leitlinien für vorausschauende Investitionen weiter konkretisiert werden, damit Netzbetreiber Interkonnektoren auch dann realisieren können, wenn zukünftige Bedarfe noch nicht vollständig abgesichert sind.

Drittens sei ein klarer europäischer Rahmen nötig, der Engpassprojekte von hohem strategischem Wert identifiziert und ihre Genehmigungsprozesse priorisiert.

Ein zentrales Element des Grids Package müsse zudem sein, die Finanzierungsmöglichkeiten stärker auf Grenzkapazitäten auszurichten. Da der zu erwartende Förderrahmen des CEF-E von rund 17 Milliarden Euro nur etwa ein Drittel des voraussichtlichen Zuschussbedarfs decke, empfiehlt die Studie, die im Grids Package vorgesehenen Mechanismen so auszugestalten, dass Kombinationsmodelle aus Zuschüssen, EU-Darlehen und privaten Investitionen erleichtert werden.

Dazu gehöre auch, Interkonnektoren klarer als europäische Infrastrukturprojekte von gemeinschaftlichem Nutzen einzuordnen, um Zugang zu langfristigen Finanzierungen – insbesondere durch die Europäische Investitionsbank – zu verbessern.

Nähere Informationen zur Ember-Studie und zur Aurora-Studie stehen im Internet zur Verfügung.

Dienstag, 9.12.2025, 17:17 Uhr
Fritz Wilhelm

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