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Ein Kurzgutachten des Fraunhofer ISI sieht großes Potenzial für genossenschaftliche Wärmenetze in Deutschland. Vor allem Quartiere mit mittleren Wärmedichten gelten als geeignet.
Ein Kurzgutachten des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) sieht in Deutschland ein bislang weitgehend ungenutztes Potenzial für genossenschaftliche Wärmenetze. Laut der Untersuchung liegen rund 70 Prozent der Siedlungs- und Quartiersstrukturen in Gebieten mit mittleren Wärmedichten. Diese Bereiche gelten demnach als besonders geeignet für gemeinschaftlich organisierte Wärmenetze.
Die Studie wurde im Auftrag der Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) erstellt. Nach Angaben des Verbands könnten bereits bei einer Umsetzungsquote von 20 Prozent des technischen Potenzials bundesweit rund 8.000 genossenschaftliche Wärmenetze entstehen. Träger wären Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie Kommunen.
Politische Unterstützung gefragtJan Holthaus, Vorstand des DGRV, fordert verlässliche politische Rahmenbedingungen für diese Projekte. Die kommunale Wärmeplanung müsse genossenschaftliche Wärmenetze stärker berücksichtigen und dürfe sich nicht nur auf große Fernwärmesysteme oder Einzelheizungen konzentrieren. Zudem brauche es laut Holthaus klare gesetzliche Vorgaben für den Heizungstausch, um Investitionssicherheit für klimafreundliche Wärmelösungen zu schaffen.
Hintergrund ist das Wärmeplanungsgesetz der Bundesregierung. Es verpflichtet Kommunen dazu, kommunale Wärmepläne vorzulegen und geeignete Gebiete für Wärmenetze auszuweisen. Parallel arbeitet die Bundesregierung an einem Gebäudemodernisierungsgesetz.
Dieses soll den Heizungstausch technologieoffener und flexibler gestalten. Nach Einschätzung des DGRV könnte eine stärkere Offenheit jedoch dazu führen, dass der Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern langsamer verläuft und sich Anschlüsse an Wärmenetze verzögern.
Privates Kapital einwerbenGenossenschaftliche Wärmenetze ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, gemeinsam in lokale Wärmeversorgungssysteme zu investieren und diese zu betreiben. Laut DGRV stärkt das die regionale Wertschöpfung und reduziert die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern sowie deren Preisschwankungen. Zudem könnten lokale Projekte öffentliche Fördermittel durch privates Kapital ergänzen.
Das Kurzgutachten beziffert das mögliche Investitionsvolumen je nach Szenario auf rund 70 Milliarden Euro. Etwa 25 Milliarden Euro davon könnten demnach als Eigenkapital eingebracht werden. Gleichzeitig verweist der Verband auf die Bedeutung zusätzlicher Finanzierungsinstrumente. Gerade in der Anfangsphase seien Fremdkapitalgeber entscheidend, erklärte Holthaus. Wichtig sei insbesondere die Absicherung von Krediten, damit Projekte finanzierbar und skalierbar würden.
Die Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften setzt sich deshalb nach eigenen Angaben für staatliche Garantierahmen ein. Genannt werden unter anderem Bürgschaftsprogramme oder Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit Haftungsfreistellung.
Hohe Akzeptanz zu erwartenDie Untersuchung verweist zudem auf eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Demnach stehen 61 Prozent der Haushalte in Deutschland Wärmenetzen grundsätzlich positiv gegenüber. Voraussetzung für einen breiteren Ausbau seien jedoch verlässliche Förderinstrumente, Planungssicherheit und ausreichendes Fremdkapital.
Das Gutachten analysiert auch die Verteilung bislang nicht erschlossener Gebiete nach Wärmedichten. Wärmedichten beschreiben den Wärmebedarf einer bebauten Fläche über einen bestimmten Zeitraum und werden in Megawattstunden pro Hektar und Jahr angegeben.
Besonders relevant seien Bereiche mit mittleren Wärmedichten zwischen 100 und 350 MWh pro Hektar und Jahr. Dort entstehe laut Studie ein Marktsegment zwischen klassischen Fernwärmenetzen mit hoher Wärmedichte und dezentralen Einzelanlagen in dünner besiedelten Gebieten.
Das
ISI-Kurzgutachten Potenziale für Wärmenetzgemeinschaften in Deutschland steht als PDF zum Download bereit.
Mittwoch, 20.05.2026, 09:17 Uhr
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