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Energie & Management > Personalie - Stadtwerke-Chef kündigt fast zwei Jahre im Voraus
Quelle: Pixabay / Edar
Personalie

Stadtwerke-Chef kündigt fast zwei Jahre im Voraus

Der Geschäftsführer-Vertrag einer schleswig-holsteinischen Stadtwerke-Kooperation sieht die automatische Verlängerung vor, wenn niemand kündigt. Jetzt hat der Amtsinhaber gekündigt.
Der Geschäftsführer der Kooperation Stadtwerke SH in Rendsburg, Bernd Reichelt (60) lässt seinen Fünf-Jahres-Vertrag zum 30. April 2028 auslaufen und steht für eine zweite Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung. Reichelt bestätigte dieser Redaktion entsprechende Berichte in der Regionalpresse.

Und stellt die Genese so dar: Im März hatte Reichelt den damals neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke SH, Holger Ley, um eine vorzeitige Verlängerung seines Vertrags gebeten, um sowohl sich als auch der gut 600-köpfigen Belegschaft eine längerfristige Perspektive in einer komplexen Unternehmenstransformation zu geben. Der Wunsch bezog sich auf die möglicherweise ungewöhnliche Verlängerungsklausel, wonach sich der Vertrag ein Jahr vor Ablauf automatisch verlängert, wenn niemand kündigt. Doch eine Entscheidung in mehreren kommunalen Gremien im April 2027, die theoretisch auch in einer Kündigung seitens der Aufsichtsräte enden könnte, war Reichelt als dann 61-Jährigem zu spät.

Die drei verschiedenen Aufsichtsrats-Gremien, die frühestens im Juni 2026 von seinem Wunsch wussten, hätten nach seiner Ansicht nach drei Jahren Erfahrung mit ihm einschätzen können, ob sie ihn auch noch 2029 und danach als Geschäftsführer haben wollten. Und sie hätten am 29. Juli entschieden, die Verlängerungsklausel so zu lassen, wie sie im Vertrag steht. Heißt: Wir entscheiden erst turnusgemäß im April 2027. Oder auch nicht, dann läuft der Vertrag halt weiter.
 
Hat dem Aufsichtsrat sein Kündigungsschreiben per 30. April 2028 überreicht: Bernd Reichelt
Quelle: Stadtwerke SH / Henrik Matzen

Kündigungsschreiben gezückt

Daraufhin habe er, Reichelt, direkt sein Kündigungsschreiben überreicht, und zwar per 30. April 2028. Dies sei für die Aufsichtsräte überraschend gewesen, aber er spiele „mit offenem Visier“. Das Marketing, das für die Stadtwerke SH die Pressearbeit macht, war bis Redaktionsschluss nicht zu einer Stellungnahme erreichbar. Die Stadtwerke SH sind eine Kooperation der Stadtwerke Rendsburg und Eckernförde sowie der Schleswiger Stadtwerke.

Kein Streit, kein Stress, weder um ERP noch um Glasfaser

Inhaltliche Streitigkeiten oder atmosphärische Störungen habe es nicht gegeben, und die Geschäftszahlen seien „super“, betont Diplom-Wirtschaftsingenieur Reichelt. Die Pannen bei der Zusammenführung von drei Unternehmenssteuerungs(ERP)-Programmen im Jahr 2025 seien zwar für alle ärgerlich gewesen, aber früh von ihm kommuniziert worden. Sie hätten nicht zu Stress mit den Aufsichtsräten geführt.

Ebenso wenig sei etwa die defizitäre Glasfaser- und Telekommunikations-Sparte ein Streitthema gewesen. Das schon vor seinem Amtsantritt gegebene Millionendefizit in jedem der beteiligten Stadtwerke sei im Gegenteil im Konsens ein Anlass gewesen, die Sparte zum Jahreswechsel 2025/26 in eine Kooperation mit den Stadtwerken Neumünster einzubringen, die „Nordconnect“. Dort halten die Neumünsteraner 88 Prozent. Nordconnect kümmert sich um Betrieb und Vertrieb, und das Netz bleibt im Eigentum der jeweiligen Stadtwerke.

Reichelt bezeichnet sein Verhältnis zu Aufsichtsratschef Ley sogar als „ausgesprochen gut“. Im Nachgang zu der denkwürdigen Aufsichtsratssitzung habe sich mit Ley binnen kürzester Zeit eine beiderseits wertschätzende Unternehmensmitteilung abstimmen lassen. Diese ging erst an die Kontrolleure und die Beschäftigten und dann an die Medien. Ley, CDU-Fraktionschef im Schleswiger Rat und Anwalt, begrüßte darin die frühzeitige Entscheidung Reichelts, damit die Gremien genug Zeit für die Nachfolge haben.

Das Thema „lahme Ente“

Reichelt bekräftigt sein Zitat in der Mitteilung, dass er bis zum 30. April 2028 mit vollem Engagement weiterarbeite. Er sei gerade keine lame duck, keine lahme Ente, wie man landläufig Bosse nennt, deren Mandat absehbar ausläuft. Denn dieses Denken sei geradezu an den einen machtvollen Chef geknüpft. 

Er stehe aber genau fürs Gegenteil: die Dezentralisierung der Unternehmensmacht an den Mittelbau und die einzelnen Mitarbeiter. Dies habe er zuvor bei den Stadtwerken Menden (NRW) umgesetzt, wo gut 20 Leiter kleiner Teams Generalvollmacht und Prokura bekommen haben, dies habe er in Rendsburg umgesetzt und werde dieses „Un-Bossing“-Programm weiterführen. 

Es gehe weiter um mehr Macht für die Mitarbeiter, und diese hätten jetzt zusammen mit ihm nach seiner Ankündigung mehr Zeitdruck, dies umzusetzen. Er, Reichelt, könne schlecht gleichzeitig Macht abgeben und selbst an der Macht kleben. Man könnte es auch so formulieren: Wenn die Beschäftigten erst mal empowert sind, ist es nachrangig, ob der oberste Chef eine lahme Ente oder ein schneller Habicht ist. (geo)

Montag, 3.08.2026, 16:50 Uhr
Georg Eble
Energie & Management > Personalie - Stadtwerke-Chef kündigt fast zwei Jahre im Voraus
Quelle: Pixabay / Edar
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Stadtwerke-Chef kündigt fast zwei Jahre im Voraus
Der Geschäftsführer-Vertrag einer schleswig-holsteinischen Stadtwerke-Kooperation sieht die automatische Verlängerung vor, wenn niemand kündigt. Jetzt hat der Amtsinhaber gekündigt.
Der Geschäftsführer der Kooperation Stadtwerke SH in Rendsburg, Bernd Reichelt (60) lässt seinen Fünf-Jahres-Vertrag zum 30. April 2028 auslaufen und steht für eine zweite Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung. Reichelt bestätigte dieser Redaktion entsprechende Berichte in der Regionalpresse.

Und stellt die Genese so dar: Im März hatte Reichelt den damals neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke SH, Holger Ley, um eine vorzeitige Verlängerung seines Vertrags gebeten, um sowohl sich als auch der gut 600-köpfigen Belegschaft eine längerfristige Perspektive in einer komplexen Unternehmenstransformation zu geben. Der Wunsch bezog sich auf die möglicherweise ungewöhnliche Verlängerungsklausel, wonach sich der Vertrag ein Jahr vor Ablauf automatisch verlängert, wenn niemand kündigt. Doch eine Entscheidung in mehreren kommunalen Gremien im April 2027, die theoretisch auch in einer Kündigung seitens der Aufsichtsräte enden könnte, war Reichelt als dann 61-Jährigem zu spät.

Die drei verschiedenen Aufsichtsrats-Gremien, die frühestens im Juni 2026 von seinem Wunsch wussten, hätten nach seiner Ansicht nach drei Jahren Erfahrung mit ihm einschätzen können, ob sie ihn auch noch 2029 und danach als Geschäftsführer haben wollten. Und sie hätten am 29. Juli entschieden, die Verlängerungsklausel so zu lassen, wie sie im Vertrag steht. Heißt: Wir entscheiden erst turnusgemäß im April 2027. Oder auch nicht, dann läuft der Vertrag halt weiter.
 
Hat dem Aufsichtsrat sein Kündigungsschreiben per 30. April 2028 überreicht: Bernd Reichelt
Quelle: Stadtwerke SH / Henrik Matzen

Kündigungsschreiben gezückt

Daraufhin habe er, Reichelt, direkt sein Kündigungsschreiben überreicht, und zwar per 30. April 2028. Dies sei für die Aufsichtsräte überraschend gewesen, aber er spiele „mit offenem Visier“. Das Marketing, das für die Stadtwerke SH die Pressearbeit macht, war bis Redaktionsschluss nicht zu einer Stellungnahme erreichbar. Die Stadtwerke SH sind eine Kooperation der Stadtwerke Rendsburg und Eckernförde sowie der Schleswiger Stadtwerke.

Kein Streit, kein Stress, weder um ERP noch um Glasfaser

Inhaltliche Streitigkeiten oder atmosphärische Störungen habe es nicht gegeben, und die Geschäftszahlen seien „super“, betont Diplom-Wirtschaftsingenieur Reichelt. Die Pannen bei der Zusammenführung von drei Unternehmenssteuerungs(ERP)-Programmen im Jahr 2025 seien zwar für alle ärgerlich gewesen, aber früh von ihm kommuniziert worden. Sie hätten nicht zu Stress mit den Aufsichtsräten geführt.

Ebenso wenig sei etwa die defizitäre Glasfaser- und Telekommunikations-Sparte ein Streitthema gewesen. Das schon vor seinem Amtsantritt gegebene Millionendefizit in jedem der beteiligten Stadtwerke sei im Gegenteil im Konsens ein Anlass gewesen, die Sparte zum Jahreswechsel 2025/26 in eine Kooperation mit den Stadtwerken Neumünster einzubringen, die „Nordconnect“. Dort halten die Neumünsteraner 88 Prozent. Nordconnect kümmert sich um Betrieb und Vertrieb, und das Netz bleibt im Eigentum der jeweiligen Stadtwerke.

Reichelt bezeichnet sein Verhältnis zu Aufsichtsratschef Ley sogar als „ausgesprochen gut“. Im Nachgang zu der denkwürdigen Aufsichtsratssitzung habe sich mit Ley binnen kürzester Zeit eine beiderseits wertschätzende Unternehmensmitteilung abstimmen lassen. Diese ging erst an die Kontrolleure und die Beschäftigten und dann an die Medien. Ley, CDU-Fraktionschef im Schleswiger Rat und Anwalt, begrüßte darin die frühzeitige Entscheidung Reichelts, damit die Gremien genug Zeit für die Nachfolge haben.

Das Thema „lahme Ente“

Reichelt bekräftigt sein Zitat in der Mitteilung, dass er bis zum 30. April 2028 mit vollem Engagement weiterarbeite. Er sei gerade keine lame duck, keine lahme Ente, wie man landläufig Bosse nennt, deren Mandat absehbar ausläuft. Denn dieses Denken sei geradezu an den einen machtvollen Chef geknüpft. 

Er stehe aber genau fürs Gegenteil: die Dezentralisierung der Unternehmensmacht an den Mittelbau und die einzelnen Mitarbeiter. Dies habe er zuvor bei den Stadtwerken Menden (NRW) umgesetzt, wo gut 20 Leiter kleiner Teams Generalvollmacht und Prokura bekommen haben, dies habe er in Rendsburg umgesetzt und werde dieses „Un-Bossing“-Programm weiterführen. 

Es gehe weiter um mehr Macht für die Mitarbeiter, und diese hätten jetzt zusammen mit ihm nach seiner Ankündigung mehr Zeitdruck, dies umzusetzen. Er, Reichelt, könne schlecht gleichzeitig Macht abgeben und selbst an der Macht kleben. Man könnte es auch so formulieren: Wenn die Beschäftigten erst mal empowert sind, ist es nachrangig, ob der oberste Chef eine lahme Ente oder ein schneller Habicht ist. (geo)

Montag, 3.08.2026, 16:50 Uhr
Georg Eble

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