Soll bald wieder in Stade anlegen: die FSRU Energos Force. Quelle: DET
Fast drei Jahre nach dem ursprünglich geplanten Starttermin, aber pünktlich zur nächsten Heizsaison soll das schwimmende LNG-Terminal in Stade im Herbst den Betrieb aufnehmen.
„Nicht vor dem zweiten Quartal 2026“ hieß es zuletzt von der Deutschen Energy Terminal GmbH (DET), wenn es um den Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Terminals zum Import von verflüssigtem Erdgas (LNG) im niedersächsischen Stade ging. Jetzt gibt es Neuigkeiten − und einen (fast) fixen Termin: „Start des schwimmenden LNG-Terminals Stade für September geplant“ meldete das bundeseigene Unternehmen am 10. Juni.
Vorangegangen war ein eher unrühmliches Kapitel der jüngsten Geschichte der deutschen Energieversorgung: Auf einen Blitzstart mit Hafenbecken- und Anlegerbau in Rekord- beziehungsweise Deutschlandgeschwindigkeit 2023 folgte ein viele Monate dauernder Disput um die Fertigstellung der sogenannten Suprastruktur, die das Terminalschiff (Floating Storage and Regasification Unit, FSRU) mit dem deutschen Gasnetz verbinden sollte. Letzteres, die vom Bund gecharterte „Energos Force“, legte zwar im März 2024 in Stade an, einige Monate später aber wieder ab, ohne je Gas ins deutsche Netz eingespeist zu haben. Das teure Terminalschiff wurde bis zur verzögerten Inbetriebnahme vorerst nach Jordanien subverschartert (wir berichteten jeweils).
„Schwierige Etappen“, nennt die DET diese nun wohl beendeten Querelen in ihrer aktuellen Mitteilung. Die Energos Force soll wieder Kurs auf Stade nehmen: „Vertraglich ist sichergestellt, dass die FSRU rechtzeitig für die Inbetriebnahmephase des Terminals an den eigens vom Land Niedersachsen gebauten Anleger im Industriehafen Stade-Bützfleth zurückkehren kann“, schreibt das Unternehmen und kündigt auf seiner Homepage ein „Bautagebuch“ an, auf dem ab jetzt etwa alle 14 Tage Neuigkeiten zum Baufortschritt zu finden sein sollen.
„Das Letzte, was Deutschland braucht“
Vor Ort zeigt man sich erfreut über die neuen Entwicklungen: „Das ist eine gute Nachricht, denn das zeigt, dass die deutsche Bundesregierung weiterhin zum Standort Stade steht. Wir übernehmen gerne Verantwortung für die Energiesicherheit Deutschlands − in einigen Jahren mit dem landbasierten LNG-Terminal und bereits in einigen Monaten mit der ‚Energos Force‘“, lässt sich Lars Kolk, Erster Stadtrat der Hansestadt Stade, zitieren.
Weniger positiv äußerte sich der Umweltschutzverband DUH: „Ein weiteres LNG-Terminal ist energiepolitisch das Letzte, was Deutschland braucht“, heißt es vom DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner: „Die Strategie der Bundesregierung, über LNG-Lieferungen die Versorgung krisensicher zu machen, ist längst gescheitert. Stattdessen sind neue einseitige Lieferbeziehungen entstanden“. Ein zusätzliches LNG-Terminal weise energiepolitisch in die völlig falsche Richtung. „Wir fordern die Bundesregierung auf, sich von diesen kostentreibenden und risikoreichen Plänen zu verabschieden und das schwimmende Terminal in Stade abzusagen.“
Das Terminal in Stade ist neben den bereits in Betrieb genommenen DET-Terminals in Wilhelmshaven I, Wilhelmshaven II und Brunsbüttel und dem durch die Deutsche Regas privatwirtschaftlich betriebenen Terminal in Mukran auf Rügen der fünfte deutsche Standort für den Import von LNG. Mittelfristig sollen die schwimmenden Terminals durch landbasierte Anlagen ersetzt werden. Das landbasierte Terminal in Stade soll voraussichtlich 2029 in Betrieb gehen.
Mittwoch, 10.06.2026, 17:02 Uhr
Katia Meyer-Tien
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