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Kaufpreis runter, Reichweite und Ladesäulenangebot verbessern: Wer einen Verbrenner fährt, wünscht diese Entwicklung in der E-Mobilität. Dann könnte das nächste Auto ein Stromer sein.
Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) sieht eine große Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität beim Thema Elektromobilität. Ausgangspunkt ist eine jetzt veröffentlichte Umfrage, die der Verband in der zweiten Dezember-Hälfte vom Institut Civey durchführen ließ.
Der ZVEI hebt besonders auf die drei größten Hürden ab, die Menschen mutmaßlich vom Umstieg auf ein Elektro-Auto abhalten. Der Umfrage zufolge sind zu hohe Anschaffungskosten (63,9 Prozent), zu geringe Reichweiten (51,2 Prozent) und fehlende Lademöglichkeiten im Alltag (51,1 Prozent) die Top drei unter den Hürden. Ferner äußern fast 25 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer von Verbrennern die Kritik, dass es wegen hoher Stromkosten keinen Preisvorteil gegenüber fossilem Sprit gebe.
Mit Beginn des Jahres 2026 hat die Bundesregierung bekanntlich wieder eine Förderung beim Kauf von E-Autos aktiviert. Allerdings ist ein geringerer Kaufpreis für die Mehrheit der Befragten eher unwichtig, nur 18 Prozent fordern ihn. Dagegen erwarten rund 60 Prozent dauerhaft günstige Stromkosten für das Laden.
Verunsicherung durch politische und ideologische Debatten
Auch der ZVEI sieht hier Handlungsbedarf, weil es in Deutschland die höchsten Strom- und Ladepreise im europäischen Vergleich gebe. „Strom laden muss günstiger sein als Benzin tanken. Eine Senkung der Stromsteuer sowie weitere Entlastungen bei Abgaben und Umlagen zahlen darauf ein“, fordert Azar Mottale, ZVEI-Bereichsleiterin Mobilität.
Die Stichhaltigkeit einiger der geäußerten Befürchtungen zweifelt der Verband derweil an. Wer ein E-Auto fahre, sei besonders zufrieden mit dem Ladeangebot (71 Prozent). Wer mit einem Verbrenner unterwegs ist und daher kaum Ladeerfahrung besitzen kann, beurteile die Ladesituation im öffentlichen Raum hingegen deutlich schlechter (30 Prozent Zufriedenheit). „Verunsicherung, getrieben durch politische und ideologische Debatten, bremst den Umstieg aufs E-Auto“, sagt Azar Mottale.
Auch die Befürchtung, dass ein Stromer nur in begrenztem Umfang Strecken bewältigen kann, hält der Verband für unbegründet. Elektromobile verfügten inzwischen über eine durchschnittliche Reichweite von rund 400 Kilometern. „Niemand muss Sorge haben, liegen zu bleiben“, so Azar Mottale.
Wallbox an Mehrparteienhäusern in der Stadt
Der Verband sieht gleichwohl verschiedene Ansatzpunkte, um die Elektromobilität auch für Zögernde attraktiver zu machen. Dazu zählen verlässliche Rahmenbedingungen, Transparenz zum Beispiel bei den Tarifen an Ladesäulen sowie Tempo beim Ausbau der Infrastruktur.
Gerade Lademöglichkeiten im städtischen Umfeld, wo private Wallboxen eher eine Seltenheit oder eine bauliche Unmöglichkeit darstellen, seien vorrangig auszubauen. Und wenn, dann dort, „wo die Menschen ohnehin sind“, so Azar Mottale: Dies sei beim Einkaufen, auf öffentlichen Parkplätzen oder am Arbeitsplatz. Hier liegen die Werte und Erwartungen bei den Menschen mit Verbrennerautos durchgehend höher als bei E-Mobil-Fahrenden: 54 zu 44 Prozent (Einkauf), 49 zu 34 Prozent (Parken) und 43 zu 41 Prozent (Arbeit).
Ferner wünscht rund die Hälfte der Befragten aus der Großstadt eine Wallbox an Mehrparteienhäusern. „Der Ausbau kostengünstiger und leistungsfähiger Ladeoptionen in verdichteten Stadtquartieren muss verstärkt werden“, fordert Azar Mottale. Auch seien Ladepunkte am Straßenrand auszubauen, um Suchverkehr im Quartier und Blockiergebühren wegen zu langer Standzeiten ausschließen zu können.
Die Umfrage erfolgte online und beteiligte nach ZVEI-Angaben 3.500 Menschen aus der Gesamtbevölkerung und rund 2.800 Autofahrende.
Dienstag, 27.01.2026, 14:28 Uhr
Volker Stephan
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