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Vor 25 Jahren wurde der österreichische Strommarkt vollständig liberalisiert. Eine Studie beziffert nun die wirtschaftlichen Effekte der Marktöffnung.
Seit dem 1. Oktober 2001 sind Stromkunden in Österreich frei in der Wahl ihres Anbieters. Aber was hat die Liberalisierung gebracht? Eine Studie der Österreichischen Energieagentur (AEA) im Auftrag des Energieverbands Oesterreichs Energie zieht nach 25 Jahren Bilanz
Österreichs Haushalte haben nach Berechnungen der AEA deutlich von der Liberalisierung des Strommarktes profitiert, so das Fazit der Studie. Ihre Strompreise lagen zwischen 2001 und 2025 im Durchschnitt 16,3
Prozent niedriger als in einem modellierten Szenario ohne Marktöffnung.
Bei Nicht-Haushalten (Industrie und Gewerbe) beträgt der errechnete Preisvorteil dagegen lediglich 2,5
Prozent. Insgesamt summiert sich die Entlastung laut Studie auf rund 15,3 Milliarden Euro. Davon entfallen 12,7 Milliarden Euro auf Haushalte und 2,5 Milliarden Euro auf Nicht-Haushalte.
Michael Baminger, Präsident von Oesterreichs Energie, sieht darin eine Bestätigung der Marktöffnung: „Diese Analyse zeigt nicht nur die preisdämpfende Wirkung der Marktöffnung, sondern auch, dass Wettbewerb kein Selbstzweck ist. Er schafft Wahlfreiheit, hält Anbieter in Bewegung und hat Kundinnen und Kunden entlastet.“ Für die weitere Entwicklung nennt Baminger Markt, Netze, Erzeugung, Speicher und Flexibilität als Teile eines Gesamtsystems.
Seit 2001 können alle Stromverbraucher in Österreich ihren Lieferanten frei wählen. Erzeugung und Vertrieb wurden dem Wettbewerb geöffnet, während die Stromnetze regulierte Monopole blieben. 2025 waren 143 Stromlieferanten aktiv, davon 39 österreichweit. Rund 345.000 Kunden wechselten im vergangenen Jahr ihren Versorger.
Für die Ermittlung des Preiseffekts in Höhe von minus 16,3
Prozent verwendet die AEA ein ökonometrisches Zeitreihenmodell. Dabei werden die tatsächlichen Strompreise mit einem hypothetischen Preisverlauf ohne Liberalisierung verglichen. Berücksichtigt werden unter anderem Gaspreise und die zeitlich verzögerte Wirkung der Strompreise des Vorjahres. Die Berechnung erfolgt getrennt für Haushalte und Nicht-Haushalte.
Die errechneten Einsparungen sind keine unmittelbar beobachtbaren Beträge, sondern Differenzen zu einem modellierten Szenario. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass sich die Folgen von Marktöffnung, europäischer Marktintegration und anderen energiepolitischen Entwicklungen nicht vollständig voneinander trennen lassen.
Preisvorteil bei Unternehmen deutlich geringerBei Haushalten ergibt die Modellierung für 2001 bis 2024 eine durchschnittliche Entlastung von 509 Millionen Euro pro Jahr. Der tatsächliche mittlere Endkundenpreis lag bei 19,31 Cent/kWh, im Szenario ohne Liberalisierung wären es 23,06 Cent/kWh gewesen.
Bei Nicht-Haushalten stehen 10,71 Cent/kWh tatsächlich gezahlten 10,99 Cent/kWh im Vergleichsszenario gegenüber. Hier errechnet die AEA eine Entlastung von durchschnittlich 97 Millionen Euro jährlich.
Die geringere Wirkung bei Unternehmen erklärt die Studie unter anderem mit deren Ausgangslage. Größere Gewerbe- und Industriekunden verfügten bereits vor der Marktöffnung häufig über eine stärkere Verhandlungsposition und individuell ausgehandelte Beschaffungsverträge. Zudem zeigt das Modell bei Nicht-Haushalten merkliche Preiseffekte der Liberalisierung vor allem bis etwa 2008.
Die Studie „
25 Jahre Strommarktliberalisierung“ kann auf der Internetseite von Oesterreichs Energie heruntergeladen werden.
(sag)
Mittwoch, 9.09.2026, 16:32 Uhr
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