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Energie & Management > Wasserstoff - Industrieallianz plant H2-Ökosystem für schwere Lkw
100 in Kleinserie hergestellte Brennstoffzellen-Lkw will Daimler Truck ab Ende des Jahres im Kundeneinsaz haben. Quelle: Daimler Truck AG
Wasserstoff

Industrieallianz plant H2-Ökosystem für schwere Lkw

Daimler Truck und Partner wollen − parallel zur Elektrifizierung des Lastverkehrs − auch ein Wasserstoff-Ökosystem für Lkw aufbauen. Die Stuttgarter planen mit Millioneninvestitionen.
Daimler Truck, Industriepartner und mehrere Energieunternehmen wollen gemeinsam Fahrzeuge, Tankstellen und Wasserstoffversorgung für einen breiteren Einsatz von Wasserstoff-Lkw aufbauen. Details wollen die Unternehmen am 15. September auf der IAA Transportation in Hannover vorstellen, wie aus einer Mitteilung von Daimler Truck hervorgeht.

Die Initiative soll Fahrzeughersteller, Infrastrukturbetreiber und Wasserstoffanbieter zusammenbringen. Bereits beteiligt sind neben Daimler Truck, Volvo Group, Toyota Motor Corporation und Bosch auch Air Liquide, Total Energies, TEAL Mobility und MB Energy. Gemeinsam mit politischen Entscheidungsträgern in Deutschland wollen die Unternehmen ein integriertes Wasserstoff-Ökosystem für den schweren Straßengüterverkehr entwickeln.

Dafür sollen bis 2030 Wasserstofftankstellen entlang wichtiger Verkehrskorridore in Europa entstehen. Deren Ausbau soll mit dem Hochlauf der Wasserstoff-Lkw-Flotten abgestimmt werden. Gleichzeitig wollen die beteiligten Unternehmen an einer Wasserstoffversorgung arbeiten, die einen wirtschaftlichen Betrieb der Fahrzeuge ermöglicht. 

Daimler Truck investiert mehrere hundert Millionen Euro 

Daimler Truck verbindet die Initiative mit eigenen Investitionen in die Wasserstofftechnik. Konzernchefin Karin Radström kündigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an, dass der Nutzfahrzeughersteller bis zum Ende des Jahrzehnts einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Wasserstoff-Lkw investieren will. 

„Wir haben viel in batterieelektrische Fahrzeuge investiert, aber jetzt nehmen wir im nächsten Schritt sehr viel Geld in die Hand, um Wasserstoff zum Erfolg zu verhelfen“, sagte Radström. 

Damit verfolgt der Konzern bei der Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs weiterhin zwei technologische Pfade: Batterieelektrische Lkw sollen einen Großteil der Anwendungen abdecken. Wasserstoff sieht Daimler Truck vor allem für Einsatzfälle vor, in denen hohe Reichweiten und Nutzlasten gefragt sind oder die Ladeinfrastruktur an Grenzen stößt. 

„Es gibt eindeutige Anwendungsfälle, in denen unsere Kunden wirklich die Nutzlast und die Reichweite brauchen“, sagte Rådström. Welcher Antrieb wirtschaftlicher ist, hängt nach Einschätzung der Managerin unter anderem von den jeweiligen Strom- und Wasserstoffpreisen sowie von der verfügbaren Infrastruktur ab. 

100 Flüssigwasserstoff-Lkw ab Ende 2026 
Bereits ab Ende 2026 will Daimler Truck insgesamt 100 in Kleinserie hergestellte Brennstoffzellen-Lkw bei Kunden einsetzen. Die Serienproduktion wasserstoffbetriebener Brennstoffzellen-Lkw ist für die frühen 2030er-Jahre vorgesehen. 

Damit Fahrzeughochlauf und Infrastruktur nicht getrennt voneinander erfolgen, setzt der Hersteller auf Kooperationen. „Wir wollen nicht denselben Fehler machen, der im Bereich der Elektromobilität begangen wurde. Deshalb versuchen wir, schon sehr früh Partnerschaften aufzubauen und sicherzustellen, dass sich das gesamte Ökosystem entwickelt“, sagte Radström. 

Wasserstoff-Import über Hamburg

Zu diesem Ansatz gehört auch die geplante Versorgung Europas mit Flüssigwasserstoff. Bereits im Mai hatten MB Energy, Daimler Truck und Kawasaki Heavy Industries angekündigt, eine internationale Lieferkette für verflüssigten Wasserstoff (LH2) über den Hamburger Hafen aufbauen zu wollen (wir berichteten).

Die drei Unternehmen haben dafür eine gemeinsame Entwicklungsvereinbarung (Joint Development Agreement, JDA) geschlossen. In einem ersten Schritt wollen sie die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Lieferkette untersuchen. Ziel ist ein kommerzieller Betrieb für Wasserstoff und LH2 Anfang der 2030er-Jahre. Eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) für eine deutsch-japanische Wasserstoff-Lieferkette besteht bereits. 

MB Energy will dabei Infrastruktur, Logistik, Handelskompetenz und sein Tankstellennetz einbringen. Dazu sollen Standorte an Logistikknoten für den Fernverkehr auf LH2 umgerüstet werden. Damit verbindet das Unternehmen den geplanten Wasserstoffimport mit der Versorgung des Straßengüterverkehrs. Kawasaki Heavy Industries soll Technik für Wasserstoff-Verflüssigungsanlagen, LH2-Speicher und Transportschiffe beisteuern. 

Die beiden Kooperationen setzen damit an unterschiedlichen Abschnitten derselben Wertschöpfungskette an. Während die auf der IAA Transportation vorgestellte Initiative den Hochlauf von Fahrzeugen, Tankstellen und Wasserstoffversorgung koordinieren soll, zielt die Zusammenarbeit mit Kawasaki Heavy Industries auf den Import und Transport von Flüssigwasserstoff. (kmt)

Donnerstag, 10.09.2026, 14:53 Uhr
Katia Meyer-Tien
Energie & Management > Wasserstoff - Industrieallianz plant H2-Ökosystem für schwere Lkw
100 in Kleinserie hergestellte Brennstoffzellen-Lkw will Daimler Truck ab Ende des Jahres im Kundeneinsaz haben. Quelle: Daimler Truck AG
Wasserstoff
Industrieallianz plant H2-Ökosystem für schwere Lkw
Daimler Truck und Partner wollen − parallel zur Elektrifizierung des Lastverkehrs − auch ein Wasserstoff-Ökosystem für Lkw aufbauen. Die Stuttgarter planen mit Millioneninvestitionen.
Daimler Truck, Industriepartner und mehrere Energieunternehmen wollen gemeinsam Fahrzeuge, Tankstellen und Wasserstoffversorgung für einen breiteren Einsatz von Wasserstoff-Lkw aufbauen. Details wollen die Unternehmen am 15. September auf der IAA Transportation in Hannover vorstellen, wie aus einer Mitteilung von Daimler Truck hervorgeht.

Die Initiative soll Fahrzeughersteller, Infrastrukturbetreiber und Wasserstoffanbieter zusammenbringen. Bereits beteiligt sind neben Daimler Truck, Volvo Group, Toyota Motor Corporation und Bosch auch Air Liquide, Total Energies, TEAL Mobility und MB Energy. Gemeinsam mit politischen Entscheidungsträgern in Deutschland wollen die Unternehmen ein integriertes Wasserstoff-Ökosystem für den schweren Straßengüterverkehr entwickeln.

Dafür sollen bis 2030 Wasserstofftankstellen entlang wichtiger Verkehrskorridore in Europa entstehen. Deren Ausbau soll mit dem Hochlauf der Wasserstoff-Lkw-Flotten abgestimmt werden. Gleichzeitig wollen die beteiligten Unternehmen an einer Wasserstoffversorgung arbeiten, die einen wirtschaftlichen Betrieb der Fahrzeuge ermöglicht. 

Daimler Truck investiert mehrere hundert Millionen Euro 

Daimler Truck verbindet die Initiative mit eigenen Investitionen in die Wasserstofftechnik. Konzernchefin Karin Radström kündigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an, dass der Nutzfahrzeughersteller bis zum Ende des Jahrzehnts einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Wasserstoff-Lkw investieren will. 

„Wir haben viel in batterieelektrische Fahrzeuge investiert, aber jetzt nehmen wir im nächsten Schritt sehr viel Geld in die Hand, um Wasserstoff zum Erfolg zu verhelfen“, sagte Radström. 

Damit verfolgt der Konzern bei der Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs weiterhin zwei technologische Pfade: Batterieelektrische Lkw sollen einen Großteil der Anwendungen abdecken. Wasserstoff sieht Daimler Truck vor allem für Einsatzfälle vor, in denen hohe Reichweiten und Nutzlasten gefragt sind oder die Ladeinfrastruktur an Grenzen stößt. 

„Es gibt eindeutige Anwendungsfälle, in denen unsere Kunden wirklich die Nutzlast und die Reichweite brauchen“, sagte Rådström. Welcher Antrieb wirtschaftlicher ist, hängt nach Einschätzung der Managerin unter anderem von den jeweiligen Strom- und Wasserstoffpreisen sowie von der verfügbaren Infrastruktur ab. 

100 Flüssigwasserstoff-Lkw ab Ende 2026 
Bereits ab Ende 2026 will Daimler Truck insgesamt 100 in Kleinserie hergestellte Brennstoffzellen-Lkw bei Kunden einsetzen. Die Serienproduktion wasserstoffbetriebener Brennstoffzellen-Lkw ist für die frühen 2030er-Jahre vorgesehen. 

Damit Fahrzeughochlauf und Infrastruktur nicht getrennt voneinander erfolgen, setzt der Hersteller auf Kooperationen. „Wir wollen nicht denselben Fehler machen, der im Bereich der Elektromobilität begangen wurde. Deshalb versuchen wir, schon sehr früh Partnerschaften aufzubauen und sicherzustellen, dass sich das gesamte Ökosystem entwickelt“, sagte Radström. 

Wasserstoff-Import über Hamburg

Zu diesem Ansatz gehört auch die geplante Versorgung Europas mit Flüssigwasserstoff. Bereits im Mai hatten MB Energy, Daimler Truck und Kawasaki Heavy Industries angekündigt, eine internationale Lieferkette für verflüssigten Wasserstoff (LH2) über den Hamburger Hafen aufbauen zu wollen (wir berichteten).

Die drei Unternehmen haben dafür eine gemeinsame Entwicklungsvereinbarung (Joint Development Agreement, JDA) geschlossen. In einem ersten Schritt wollen sie die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Lieferkette untersuchen. Ziel ist ein kommerzieller Betrieb für Wasserstoff und LH2 Anfang der 2030er-Jahre. Eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) für eine deutsch-japanische Wasserstoff-Lieferkette besteht bereits. 

MB Energy will dabei Infrastruktur, Logistik, Handelskompetenz und sein Tankstellennetz einbringen. Dazu sollen Standorte an Logistikknoten für den Fernverkehr auf LH2 umgerüstet werden. Damit verbindet das Unternehmen den geplanten Wasserstoffimport mit der Versorgung des Straßengüterverkehrs. Kawasaki Heavy Industries soll Technik für Wasserstoff-Verflüssigungsanlagen, LH2-Speicher und Transportschiffe beisteuern. 

Die beiden Kooperationen setzen damit an unterschiedlichen Abschnitten derselben Wertschöpfungskette an. Während die auf der IAA Transportation vorgestellte Initiative den Hochlauf von Fahrzeugen, Tankstellen und Wasserstoffversorgung koordinieren soll, zielt die Zusammenarbeit mit Kawasaki Heavy Industries auf den Import und Transport von Flüssigwasserstoff. (kmt)

Donnerstag, 10.09.2026, 14:53 Uhr
Katia Meyer-Tien

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