Quelle: Katia Meyer-Tien
Der europäische Übertragungsnetzbetreiberverband Entso-E hat seinen Jahresbericht vorgestellt. Der Zusammenschluss des Strommarktes in Europa hat wieder einige Hürden genommen.
Der Marktberichts 2026 konzentriert sich vor allem auf neue Marktregeln, einen effizienten grenzüberschreitenden Handel und die Anpassung des Strommarktes an den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien. Gute Nachrichten hat der Bericht für den deutschen Markt parat.
Deutschland habe 2025 seine im nationalen Aktionsplan festgelegten Zwischenziele zur Bereitstellung grenzüberschreitender Netzkapazitäten nahezu vollständig erreicht, heißt es dort. Für 99,6
Prozent aller betrachteten Netzengpässe seien die vorgegebenen Mindestkapazitäten eingehalten worden. Dort, wo Kapazitäten reduziert wurden, sei dies aus Gründen der Netzsicherheit erfolgt.
Deutschland zählt nach dem Jahresbericht auch zu den europäischen Märkten mit hohen Erlösmöglichkeiten für Batteriespeicher. Auf Basis der Day-Ahead-Strompreise errechnet Entso-E durchschnittliche Erlöspotenziale von rund 618
Euro je MW und Tag durch das Laden in günstigen und Entladen in teuren Stunden. Damit liegt Deutschland deutlich über vielen anderen europäischen Ländern.
PV kannibalisiert sich selbstDer Bericht zeigt auch, dass Photovoltaikanlagen in Deutschland im Durchschnitt nur einen Marktwert von 45
Euro/MWh erzielen. Ursache ist der Kannibalisierungseffekt der Anlagen: Viele Solaranlagen speisen gleichzeitig ein und drücken dadurch die Börsenpreise. Europaweit liegt der Marktwert von Solarstrom im Schnitt rund 30
Prozent unter dem durchschnittlichen Day-Ahead-Preis.
Die Windenergie kommt dahingegen besser weg: Für Windenergie ermittelt Entso-E in Deutschland einen durchschnittlichen Marktwert von 79
Euro/MWh. Windkraft leidet derzeit deutlich weniger unter Kannibalisierungseffekten als Photovoltaik und erzielt daher höhere Erlöse am Strommarkt.
Ein wichtiger Schritt für den gesamten europäischen Markt war die Einführung von 15-Minuten-Produkten im Day-Ahead- und Intraday-Handel. Dadurch können Erzeugung und Verbrauch genauer aufeinander abgestimmt werden. Gerade für Deutschland mit seinem hohen Anteil fluktuierender Wind- und Solarenergie soll dies die Integration erneuerbarer Energien erleichtern.
Im Juni 2026 wurde im Kernmarkt Mitteleuropas ein neues Verfahren zur Berechnung der grenzüberschreitenden Übertragungskapazitäten eingeführt. Das sogenannte Advanced Hybrid Coupling soll die verfügbaren Netzkapazitäten effizienter nutzen und den Stromhandel verbessern. Ende 2026 soll zudem ein neues Verfahren für langfristige grenzüberschreitende Übertragungsrechte starten.
Kritisch äußert sich der Bericht zu politischen Forderungen, auch im kurzfristigen Intraday-Handel mindestens 70
Prozent der Netzkapazität für den grenzüberschreitenden Handel freizugeben. Kurz vor der Lieferung seien Netzengpässe kaum noch durch Redispatch oder andere Maßnahmen beherrschbar. Eine starre Vorgabe könne daher die Netzsicherheit gefährden.
Strompreis Day-Ahead europaweit gesunkenEuropaweit lagen die Day-Ahead-Strompreise im Zeitraum von Juni 2025 bis Juni 2026 etwas niedriger als im Vorjahr. Als wesentlichen Grund nennt Entso-E die gesunkenen Erdgaspreise. Extreme Preisereignisse – sowohl sehr hohe als auch negative Preise – hätten zwar zugenommen, prägten aber weiterhin nur einen kleinen Teil der Handelsstunden.
Entso-E ist der europäische Verband von 40 Strom-Übertragungsnetzbetreibern aus 36 Ländern. Die Mitglieder betreiben rund 500.000 Kilometer Stromleitungen und damit das größte verbundene Stromnetz der Welt mit rund 520 Millionen Verbrauchern.
Der „
Entso-E Market Report 2026“ kann auf der Internetseite des Verbandes heruntergeladen werden.
Montag, 6.07.2026, 16:55 Uhr
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