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Entsoe sieht wachsenden Investitionsbedarf bei Netzen, Speichern und Flexibilitätsoptionen in Europa. Zudem rückt die Debatte über die deutsche Stromgebotszone näher.
Mehr Netze, mehr Speicher und zusätzliche Flexibilitätsoptionen werden nach Einschätzung von Entsoe zur Voraussetzung für die Versorgungssicherheit im europäischen Stromsystem. Der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber bekräftigt in seinem Jahresbericht 2025 den wachsenden Handlungsbedarf bei Infrastruktur und Marktregeln.
Entsoe mit Sitz in Brüssel vertritt 40 Übertragungsnetzbetreiber aus 36 Ländern. In dem am 5. Juni veröffentlichten Bericht beschreibt die Organisation ein Stromsystem, das sich durch den Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie sowie durch eine stärkere grenzüberschreitende Vernetzung grundlegend verändert.
Nach Angaben von Entsoe entstanden seit der ersten Ausgabe des Zehnjahres-Netzentwicklungsplans im Jahr 2010 europaweit mehr als 16.000 Kilometer neue Übertragungsleitungen. Zudem hätten 23 Mitgliedstaaten der Europäischen Union mindestens eine neue grenzüberschreitende Stromverbindung geschaffen. Gleichzeitig verweist der Verband auf Risiken durch langwierige Genehmigungsverfahren, Engpässe in Lieferketten und einen steigenden Investitionsbedarf.
Besondere Bedeutung misst Entsoe der Flexibilität im Stromsystem bei. Mit dem wachsenden Anteil von Wind- und Solarstrom werde es immer wichtiger, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen. Als zentrale Instrumente nennt der Verband Batteriespeicher, Lastmanagement und steuerbare Verbraucher. Gemeinsam mit der europäischen Organisation der Verteilnetzbetreiber entwickelte Entsoe 2025 eine Methodik zur Ermittlung des Flexibilitätsbedarfs in den Mitgliedstaaten. Diese soll eine einheitliche Grundlage für künftige nationale Zielvorgaben schaffen.
Der Bericht verweist zudem auf eine Verdopplung der Batteriespeicherkapazitäten gegenüber dem Vorjahr. Speicher sowie flexible Verbraucher spielten eine immer größere Rolle, um Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien aufzunehmen oder Belastungen im Netz auszugleichen.
Deutschland im Zentrum der Gebotszonen-Debatte
Für Deutschland besonders relevant ist die Überprüfung der europäischen Stromgebotszonen. Die Übertragungsnetzbetreiber in Mitteleuropa und Nordeuropa untersuchten dazu 14 alternative Konfigurationen. Laut Entsoe ergaben die Berechnungen für Mitteleuropa bei allen untersuchten Aufteilungen der gemeinsamen deutsch-luxemburgischen Stromgebotszone wirtschaftliche Vorteile gegenüber dem heutigen Zustand. Die modellierten Effizienzgewinne reichen von 251 Millionen bis 339 Millionen Euro jährlich. Die höchsten Werte erzielte eine Aufteilung in fünf Gebotszonen.
Die beteiligten Übertragungsnetzbetreiber betonen jedoch, dass die Ergebnisse ausschließlich auf der von der Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (Acer) vorgegebenen Methodik beruhen. Weitere politische, regulatorische und praktische Aspekte seien nicht vollständig berücksichtigt worden. Die Resultate sollten daher als Grundlage für weitere Bewertungen dienen und nicht als unmittelbare Empfehlung für eine Neuordnung des Strommarktes.
Netzausbau als zentrale Voraussetzung
Entsoe sieht den Ausbau der Stromnetze als entscheidende Voraussetzung für die weitere Elektrifizierung Europas. Gleichzeitig warnt die Organisation vor langen Genehmigungsverfahren, Engpässen in den Lieferketten und einem steigenden Investitionsbedarf. Netze, Speicher und Flexibilitätsoptionen müssten künftig stärker zusammengedacht werden, um die Energie- und Klimaziele zu erreichen. Europa müsse Planung, Finanzierung und Umsetzung neuer Infrastruktur deutlich beschleunigen.
Montag, 8.06.2026, 15:06 Uhr
Davina Spohn
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