Quelle: Jonas Rosenberger
Der VDE erforscht in zwei Projekten, wie Elektrofahrzeuge als flexible Speicher ins Stromnetz eingebunden werden können – und mahnt international harmonisierte Standards an.
Die Zukunft der Elektromobilität entscheidet sich nach Einschätzung des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) nicht allein auf der Straße, sondern zunehmend im Stromnetz. Während die öffentliche Debatte meist um Wettbewerbsfähigkeit, Kosten und Klimabilanz von Elektrofahrzeugen kreist, rückt der Verband in einer aktuellen Mitteilung einen anderen Aspekt in den Vordergrund: Elektrofahrzeuge entwickeln sich vom reinen Verkehrsmittel zum aktiven Bestandteil eines intelligenten, erneuerbaren Energiesystems.
Zentraler Hebel dafür ist das bidirektionale Laden. Fahrzeugbatterien könnten künftig überschüssigen Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen aufnehmen, Lastspitzen abfedern und bei Bedarf Energie an Gebäude oder das Stromnetz zurückspeisen. Elektrofahrzeuge würden damit zu flexiblen Speichern, die die Integration erneuerbarer Energien erleichtern. „Der nächste Entwicklungsschritt der Elektromobilität liegt nicht in größeren Batterien, sondern in der intelligenten Vernetzung von Fahrzeugen, Ladeinfrastruktur und Stromsystem“, sagt Dr. Ralf Petri, Geschäftsführer VDE Mobility und Geschäftsführer der Energietechnischen Gesellschaft im VDE (VDE ETG).
Flexibilität aus der Fahrzeugbatterie
Wie sich dieses Potenzial praktisch heben lässt, untersucht der VDE in zwei vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekten. Im Projekt „BiFlex-Industrie“ testen Industrie- und Forschungspartner rückspeisefähige Elektrofahrzeuge an Unternehmensstandorten, um den Nutzen bidirektionaler Fahrzeugflotten für Unternehmen und Stromsystem zu erproben und Grundlagen für neue energiewirtschaftliche Geschäftsmodelle zu schaffen. Die Abschlusskonferenz soll am 18. November stattfinden.
Das Projekt „PeakSaver“ widmet sich der intelligenten Nutzung von Fahrzeugdaten für energiewirtschaftliche Prozesse. Entwickelt werden Konzepte, um Mess- und Zustandsdaten von Elektrofahrzeugen standardisiert und sicher für Bilanzierung, Abrechnung und die Vermarktung von Flexibilitäten nutzbar zu machen – unabhängig vom jeweiligen Ladeort.
Normung als Erfolgsfaktor
Damit bidirektionales Laden den Sprung vom Pilotprojekt in den Massenmarkt schafft, hält der VDE international harmonisierte Normen und durchgängige Interoperabilität für unverzichtbar – vom Fahrzeug über Ladeinfrastruktur und Gebäudemanagement bis zu den Akteuren des Energiemarktes. Wichtige Grundlagen liefern dafür die ISO-15118-Familie für die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeeinrichtung, die IEC-61851-Reihe für Ladeinfrastruktur sowie die IEC-63110 zur Digitalisierung und Fernsteuerung von Ladeinfrastruktur.
Die VDE-getragene DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik will hierfür die Expertise von Automobilindustrie, Energiewirtschaft, Wissenschaft und Ladeinfrastrukturherstellern in europäischen und internationalen Normungsgremien bündeln. „Der internationale Wettbewerb wird künftig nicht allein über Batterien und Fahrzeugplattformen entschieden. Ebenso wichtig sind offene Standards, Interoperabilität und die Integration von Elektrofahrzeugen in das Energiesystem“, sagt Alexander Nollau, Head of Energy & Mobility bei der DKE.
VDE-Mobility-Geschäftsführer Petri ergänzt, Deutschland und Europa verfügten über besondere Stärken bei Standardisierung, Interoperabilität und Cybersicherheit – Kompetenzen, die für die nächste Entwicklungsstufe der Elektromobilität entscheidend seien. Der VDE sieht darin eine Chance für den Innovations- und Industriestandort Deutschland: Im internationalen Wettbewerb um Fahrzeugplattformen und Batterietechnologien gewännen Energiesystemintegration, digitale Schnittstellen und vertrauenswürdige Standards zunehmend an Bedeutung. (gd)
Donnerstag, 10.09.2026, 12:26 Uhr
Günter Drewnitzky
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