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Die Europäische Kommission hat den ersten Preis für CBAM-Zertifikate veröffentlicht. Sie erfassen CO2-Emissionen, die bei der Herstellung von in die EU importierten Gütern anfallen.
Die EU-Kommission nennt erstmals Preise für CBAM-Zertifikate zur Erfassung von CO2-Emissionen importierter Waren. Der Preis für CBAM-Zertifikate, die Abkürzung steht für Carbon Border Adjustment Mechanism, soll zunächst vierteljährlich festgelegt werden. Der für das 1. Quartal beträgt 75,36 Euro pro Zertifikat, womit jeweils die Emission von einer Tonne CO2 bei der Produktion abgedeckt wird.
Der Preis gilt für Emissionen von CBAM-Gütern, die während des betreffenden Quartals in die Union eingeführt werden, wie es in einer Mitteilung der Europäischen Kommission heißt. Jeder vierteljährliche Wert werde als Durchschnitt der Versteigerungsclearingpreise des EU-Emissionshandelssystems (EU-EHS) berechnet. So sei eine faire und kohärente Angleichung an den CO2-Markt der EU sichergestellt. Die Berechnung für das 2. Quartal wird am 6. Juli erwartet.
In der aktuellen Übergangsphase erfasst der CO2-Grenzausgleichsmechanismus emissionsintensive Grundstoffe wie Zement, Eisen und Stahl, Aluminium, Düngemittel, Strom und Wasserstoff. Zusätzlich fallen auch bestimmte Vorprodukte und weiterverarbeitete Erzeugnisse darunter, darunter Stahlhalbzeuge und ausgewählte Aluminiumprodukte.
Obwohl zugelassene CBAM-Anmelder erst ab Februar 2027 CBAM-Zertifikate erwerben können – für ihre Einfuhren im Jahr 2026 –, beginnt die Kommission bereits jetzt mit der Berechnung. Die frühzeitige Veröffentlichung soll die Transparenz erhöhen, den Interessenträgern rechtzeitig Informationen zur Verfügung stellen und das Risiko inkohärenter oder inoffizieller Preisschätzungen auf dem Markt verringern.
„Indem die Kommission die Preise im Voraus bereitstellt, legt sie einen klaren und zuverlässigen Bezugspunkt für alle Interessenträger fest, der ihnen bei der Vorausplanung hilft“, heißt es seitens der Kommission. Ab 2027 ist geplant, die Kosten für CBAM-Zertifikate wöchentlich zu berechnen und zu veröffentlichen. Der Schritt markiert den Übergang von der reinen Reporting-Phase in eine Phase mit preislicher Verankerung. Betroffen sind etwa die Sektoren Stahl, Eisen, Aluminium, Wasserstoff, Zement oder Düngemittel.
Aufwendiges Ermittlungsverfahren
Immer wieder in der Diskussion war in der Vergangenheit auf politischer und wirtschaftlicher Ebene die aufwendige Ermittlung der Carbon-Intensität für tausende komplexe Produkte. Industrieverbänden sprachen von einem wirklichkeitsfremden Albtraum. Auch die Zuteilung von Gratiszertifikaten sorgt für anhaltende Diskussionen. Sie soll 2034 auslaufen.
Erst Anfang April hatte die Europäische Kommission einen Antrag Frankreichs und anderer Länder abgelehnt, CBAM auf importierte Düngemittel auszusetzen. Die Regierungen Frankreichs, Italiens und Kroatiens hatten sich eine Entlastung für Landwirte angesichts hoher Preise gewünscht. Das Thema soll am 13. April erneut diskutiert werden.
Wenig überrascht über die Höhe des ersten CBAM-Preises zeigten sich Handelsexperten. Der von der Kommission veröffentlichte Wert liegt etwa leicht unter den Erwartungen der Stahlhersteller, wie es aus Branchenkreisen heißt. Er sei durch die rückläufige Volatilität der EUA-Preise gedrückt worden, da das EU-Emissionshandelssystem zunehmend als Faktor für die sinkende industrielle Wettbewerbsfähigkeit der EU auf globaler Ebene positioniert werde.
Donnerstag, 9.04.2026, 14:18 Uhr
Günter Drewnitzky
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