Quelle: Olaf Hermes Quelle Stadtwerke Bonn / Magunia
Der frisch abgetretene Bonner Stadtwerke-Chef hat schon einen neuen Unterschlupf gefunden, gewissermaßen im Wald. Nächster Arbeitgeber ab Mitte 2026 sind die Bayerischen Staatsforsten.
Gut drei Wochen nach dem abrupten Ende seiner Tätigkeit am Rhein ist Olaf Hermes sich mit einem neuen Arbeitgeber bereits einig geworden. Der zurückgetretene Geschäftsführer der Stadtwerke Bonn heuert in Bayern an. Er führt ab 1. Juli 2026 die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) als Vorstandsvorsitzender.
Das geht aus einer Mitteilung hervor, die das bayerische Wirtschaftsministerium am 15. April veröffentlichte. Der Vorstandsvorsitz der BaySF ist neu zu besetzen, weil der aktuelle Chef Martin Neumeyer nach elf Jahren Amtszeit im Sommer in den Ruhestand wechselt. Olaf Hermes bildet künftig mit den bisherigen Vorstandsmitgliedern Rudolf Plochmann und Manfred Kröninger die Spitze des Forstbetriebs.
Dass der fachfremde Versorgungsexperte sich sozusagen im bayerischen Wald verirren könnte, daran glaubt Dienstherr Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nicht. Der Minister in München erhofft sich vielmehr durch Hermes’ „Blick von außen neue Impulse“.
Weiterhin Chef von 2.800 Beschäftigten
Die Bayerischen Staatsforsten sind Deutschlands größter Forstbetrieb und bewirtschaftet nach eigener Angabe etwa 750.000 Hektar Landeswald. Das Aiwanger-Ministerium bezeichnet die Anstalt öffentlichen Rechts aufgrund ihrer gut 2.800 Mitarbeiter und eines Jahresumsatzes von zuletzt 501,8 Millionen Euro als einen der „größten und fortschrittlichsten Forstbetriebe Mitteleuropas“.
Erneuerbare Energien bleiben auch an neuer Wirkungsstätte ein Thema für Olaf Hermes. Denn die BaySF stellen Flächen für Windkraftprojekte zur Verfügung oder engagieren sich selbst über Unternehmensbeteiligungen bei der Entwicklung von Windenergie-Arealen.
Mehr Windräder sollen in die bayerischen Wälder
Aiwanger hatte einmal das Ziel von 1.000 Turbinen im Staatswald ausgegeben, davon ist bis heute etwa ein Fünftel realisiert. BaySF schreibt im Web-Auftritt davon, aktuell 287 MW an installierter Leistung in den Staatswäldern zu beherbergen. Diese verteilt sich auf Anlagen der Windenergie, Solarkraft und Biomasse.
Laut Erhebung der Fachagentur Wind an Land drehten sich Ende vergangenen Jahres 323 Windkraftanlagen mit insgesamt 917 MW Leistung in bayerischen Waldgebieten, die zu über 50 Prozent allerdings in Privatbesitz sind. Aktuell sind sechs weitere Flächen in der Ausschreibung durch das BaySF.
Olaf Hermes hatte vor seinem Amtsantritt in Bonn 2022 diverse Leitungspositionen bei Energieunternehmen inne. Dazu zählen der Vertrieb von RWE und der Stadtwerke Leipzig sowie als Vorstand bei der Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG und bei den Stadtwerken Bremen und Bremerhaven. Nach Regensburg kehrt Hermes nun sozusagen zurück, befindet sich der Hauptsitz der Staatsforsten doch in der Domstadt.
Am Rhein hatte ein Machtwechsel im Rathaus zu atmosphärischen Störungen zwischen Lokalpolitik und kommunalem Versorger geführt (wir berichteten). Olaf Hermes beklagte sich über ungebührliche Einflussnahme auf ein Grundstücksgeschäft, das die Stadtwerke tätigen wollten. Es gab offenbar Druck aus dem Umfeld des neuen Oberbürgermeisters Guido Deus (CDU).
Nach mehreren Volten, mit der Ankündigung eines Ausstiegs von Hermes sowie einer bevorstehenden Vertragsverlängerung, schmiss der Geschäftsführer dann doch hin. Die lukrative Position in Bayern mag ihm den Abschied leicht gemacht haben. Hermes trug übrigens auch in Bonn Verantwortung für etwa 2.800 Mitarbeitende.
Donnerstag, 16.04.2026, 16:05 Uhr
Volker Stephan
© 2026 Energie & Management GmbH