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Energie & Management > Biokraftstoffe - Bioenergiebranche drängt auf Anhebung der THG-Quote
Kongress Kraftstoffe der Zukunft 2026 in Berlin. Quelle: Bundesverband Bioenergie e.V.
Biokraftstoffe

Bioenergiebranche drängt auf Anhebung der THG-Quote

Die Bioenergiebranche fordert vor dem Fachkongress für erneuerbare Mobilität eine zügige Novelle der THG-Quote und eine verlässliche Kraftstoffstrategie für den Verkehr.
Der Verkehrssektor steht nach Einschätzung der Bioenergiebranche unter erheblichem Zeitdruck, um seine Klimaziele zu erreichen. Erneuerbare Kraftstoffe spielten dabei eine zentrale Rolle, erklärten die Veranstalter des 23. Internationalen Fachkongresses für erneuerbare Mobilität am 12. Januar vor Journalisten. Aus Sicht der Branche braucht es dafür vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine schnelle Umsetzung der geplanten Novelle der Treibhausgasminderungs-(THG)-Quote.

Den Fachkongress veranstalten der Bundesverband Bioenergie (BBE), die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP), der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe), der Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) sowie der Fachverband Biogas (FvB). Unter dem Motto „Kraftstoffe der Zukunft“ treffen sich die Branchen am 19. und 20. Januar 2026 in Berlin.

Politische Forderungen der Verbände

Im Mittelpunkt der Diskussion stand der Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der THG-Quote, den das Bundeskabinett am 10. Dezember vergangenen Jahres beschlossen hat. Mit dem Gesetz soll die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU, die sogenannte RED III, in nationales Recht umgesetzt werden. Nach Auffassung der Branche reicht der Entwurf in seiner aktuellen Form jedoch nicht aus, um die Klimaschutzziele im Verkehr abzusichern. Zudem drohe Deutschland die Umsetzungsfrist der RED III deutlich zu verfehlen, erklärte Marlene Mortler, Vorsitzende des Vorstandes des BBE.

Mortler begrüßte, dass die Bundesregierung die Abschaffung der Doppelanrechnung bestimmter fortschrittlicher Biokraftstoffe vorgesehen hat. Diese sei ein zentraler Schritt, um Betrugsanreize zu reduzieren und die physische Nachfrage nach Biokraftstoffen zu erhöhen. Nach Einschätzung des BBE belasten gefälschte Nachhaltigkeitsnachweise und unzureichende Kontrollen weiterhin den Markt. „Wenn gefälschter Biodiesel importiert werde, fließen hohe Summen ins Ausland, während die heimische Industrie geschwächt wird“, warnte Claudius da Costa Gomez, FvB-Hauptgeschäftsführer.

Gleichzeitig mahnte Mortler: „Regeln allein reichen nicht aus.“ Maßnahmen zur Betrugsprävention müssten spätestens 2026 greifen. Außerdem solle die für 2028 geplante Anhebung der THG-Quote auf das Jahr 2027 vorgezogen werden, um bestehende Produktionsüberschüsse auszugleichen.

Heimische Biokraftstoffe unterstützen

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Nutzung des Potenzials heimischer Biokraftstoffe. Nach Angaben des BBE lag die zulässige Biokraftstoffbeimischung im Jahr 2024 bei 4,4 Prozent, tatsächlich genutzt wurden jedoch nur 1,9  Prozent. Mortler sprach von verschenktem Klimaschutz und forderte eine schrittweise Anhebung der Obergrenze auf die EU-weit zulässigen 5,8 Prozent. Andernfalls drohten sinkende Produktionsmengen und der Verlust von Kapazitäten in Deutschland.

Biokraftstoffe blieben insbesondere dort wichtig, wo eine vollständige Elektrifizierung nicht absehbar sei, erklärte Mortler. Dazu zählten der Schwerlastverkehr, die Landwirtschaft sowie Bestandsfahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Laut Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) vermieden nachhaltige Biokraftstoffe im Jahr 2024 rund 11,5 Millionen Tonnen CO2. Die durchschnittliche Treibhausgaseinsparung gegenüber fossilen Kraftstoffen habe bei 96 Prozent gelegen.

Bahn frei für biogenen Wasserstoff

VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann forderte die Anrechnung von biogenem Wasserstoff auf die THG-Quote. Der Ausschluss von biogenem Wasserstoff und der Nutzung von Biomethan in Raffinerien sei europarechtlich nicht begründbar. Biogener Wasserstoff könne kurzfristig verfügbar sein und stelle eine preiswerte Option für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft dar. Dies solle im Bundesimmissionsschutzgesetz (BImschG) berücksichtigt werden.

Übergeordnet fordert die Branche eine umfassende Kraftstoffstrategie für den gesamten Verkehrssektor, einschließlich Luft- und Schifffahrt. Während es für den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung zahlreiche Konzepte gebe, fehle ein vergleichbares Gesamtkonzept für flüssige und gasförmige Kraftstoffe. 

Stefan Walter, Geschäftsführer des BDBe, verwies auf Probleme bei der geplanten europäischen Unionsdatenbank (UDB) für Nachhaltigkeitsnachweise. Zwar funktioniere die deutsche Datenbank, eine Anbindung an das europäische System fehle jedoch. Doppelerfassungen seien für die Unternehmen nicht zumutbar. Zudem habe die europäische Datenbank in ersten Tests erhebliche Datenschutzprobleme gezeigt. Positiv bewertete Walter hingegen, dass das Bundesumweltministerium die Entwicklung der THG-Quote im Gesetzentwurf über das Jahr 2030 hinaus fortschreibt und damit langfristige Entwicklungspfade aufzeigt.

Das vollständige Kongressprogramm Biokraftstoffe steht im Internet bereit.

Montag, 12.01.2026, 12:05 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Biokraftstoffe - Bioenergiebranche drängt auf Anhebung der THG-Quote
Kongress Kraftstoffe der Zukunft 2026 in Berlin. Quelle: Bundesverband Bioenergie e.V.
Biokraftstoffe
Bioenergiebranche drängt auf Anhebung der THG-Quote
Die Bioenergiebranche fordert vor dem Fachkongress für erneuerbare Mobilität eine zügige Novelle der THG-Quote und eine verlässliche Kraftstoffstrategie für den Verkehr.
Der Verkehrssektor steht nach Einschätzung der Bioenergiebranche unter erheblichem Zeitdruck, um seine Klimaziele zu erreichen. Erneuerbare Kraftstoffe spielten dabei eine zentrale Rolle, erklärten die Veranstalter des 23. Internationalen Fachkongresses für erneuerbare Mobilität am 12. Januar vor Journalisten. Aus Sicht der Branche braucht es dafür vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine schnelle Umsetzung der geplanten Novelle der Treibhausgasminderungs-(THG)-Quote.

Den Fachkongress veranstalten der Bundesverband Bioenergie (BBE), die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP), der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe), der Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) sowie der Fachverband Biogas (FvB). Unter dem Motto „Kraftstoffe der Zukunft“ treffen sich die Branchen am 19. und 20. Januar 2026 in Berlin.

Politische Forderungen der Verbände

Im Mittelpunkt der Diskussion stand der Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der THG-Quote, den das Bundeskabinett am 10. Dezember vergangenen Jahres beschlossen hat. Mit dem Gesetz soll die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU, die sogenannte RED III, in nationales Recht umgesetzt werden. Nach Auffassung der Branche reicht der Entwurf in seiner aktuellen Form jedoch nicht aus, um die Klimaschutzziele im Verkehr abzusichern. Zudem drohe Deutschland die Umsetzungsfrist der RED III deutlich zu verfehlen, erklärte Marlene Mortler, Vorsitzende des Vorstandes des BBE.

Mortler begrüßte, dass die Bundesregierung die Abschaffung der Doppelanrechnung bestimmter fortschrittlicher Biokraftstoffe vorgesehen hat. Diese sei ein zentraler Schritt, um Betrugsanreize zu reduzieren und die physische Nachfrage nach Biokraftstoffen zu erhöhen. Nach Einschätzung des BBE belasten gefälschte Nachhaltigkeitsnachweise und unzureichende Kontrollen weiterhin den Markt. „Wenn gefälschter Biodiesel importiert werde, fließen hohe Summen ins Ausland, während die heimische Industrie geschwächt wird“, warnte Claudius da Costa Gomez, FvB-Hauptgeschäftsführer.

Gleichzeitig mahnte Mortler: „Regeln allein reichen nicht aus.“ Maßnahmen zur Betrugsprävention müssten spätestens 2026 greifen. Außerdem solle die für 2028 geplante Anhebung der THG-Quote auf das Jahr 2027 vorgezogen werden, um bestehende Produktionsüberschüsse auszugleichen.

Heimische Biokraftstoffe unterstützen

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Nutzung des Potenzials heimischer Biokraftstoffe. Nach Angaben des BBE lag die zulässige Biokraftstoffbeimischung im Jahr 2024 bei 4,4 Prozent, tatsächlich genutzt wurden jedoch nur 1,9  Prozent. Mortler sprach von verschenktem Klimaschutz und forderte eine schrittweise Anhebung der Obergrenze auf die EU-weit zulässigen 5,8 Prozent. Andernfalls drohten sinkende Produktionsmengen und der Verlust von Kapazitäten in Deutschland.

Biokraftstoffe blieben insbesondere dort wichtig, wo eine vollständige Elektrifizierung nicht absehbar sei, erklärte Mortler. Dazu zählten der Schwerlastverkehr, die Landwirtschaft sowie Bestandsfahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Laut Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) vermieden nachhaltige Biokraftstoffe im Jahr 2024 rund 11,5 Millionen Tonnen CO2. Die durchschnittliche Treibhausgaseinsparung gegenüber fossilen Kraftstoffen habe bei 96 Prozent gelegen.

Bahn frei für biogenen Wasserstoff

VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann forderte die Anrechnung von biogenem Wasserstoff auf die THG-Quote. Der Ausschluss von biogenem Wasserstoff und der Nutzung von Biomethan in Raffinerien sei europarechtlich nicht begründbar. Biogener Wasserstoff könne kurzfristig verfügbar sein und stelle eine preiswerte Option für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft dar. Dies solle im Bundesimmissionsschutzgesetz (BImschG) berücksichtigt werden.

Übergeordnet fordert die Branche eine umfassende Kraftstoffstrategie für den gesamten Verkehrssektor, einschließlich Luft- und Schifffahrt. Während es für den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung zahlreiche Konzepte gebe, fehle ein vergleichbares Gesamtkonzept für flüssige und gasförmige Kraftstoffe. 

Stefan Walter, Geschäftsführer des BDBe, verwies auf Probleme bei der geplanten europäischen Unionsdatenbank (UDB) für Nachhaltigkeitsnachweise. Zwar funktioniere die deutsche Datenbank, eine Anbindung an das europäische System fehle jedoch. Doppelerfassungen seien für die Unternehmen nicht zumutbar. Zudem habe die europäische Datenbank in ersten Tests erhebliche Datenschutzprobleme gezeigt. Positiv bewertete Walter hingegen, dass das Bundesumweltministerium die Entwicklung der THG-Quote im Gesetzentwurf über das Jahr 2030 hinaus fortschreibt und damit langfristige Entwicklungspfade aufzeigt.

Das vollständige Kongressprogramm Biokraftstoffe steht im Internet bereit.

Montag, 12.01.2026, 12:05 Uhr
Susanne Harmsen

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