Die StromGedacht-App von Transnet BW. Quelle: Transnet BW
Die App „StromGedacht“ wird bislang in Baden-Württemberg eingesetzt. Künftig wird sie auch im Netzgebiet von EWE Netz Verbraucher über die aktuelle Netzsituation informieren.
Das Anwendungsgebiet der App „StromGedacht“ wird auf das Verteilnetz erweitert. Der Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW mit Sitz in Stuttgart hat die App entwickelt. Nun wurde mit dem niedersächsischen Verteilnetzbetreiber EWE Netz eine Kooperation vereinbart, um die Anwendung künftig auch im Netzgebiet von EWE Netz anzubieten, teilten die Unternehmen mit.
Die kostenlose App soll dort ab Herbst dieses Jahres verfügbar sein. In Baden-Württemberg wurde „StromGedacht“ seit seiner Einführung im Jahr 2022 rund 354.000-mal aus den App-Stores heruntergeladen. Mit der Zusammenarbeit wird das ursprünglich für die Übertragungsnetzebene entwickelte Konzept erstmals auf die Ebene eines Verteilnetzbetreibers übertragen.
Nutzer erhalten über eine Ampellogik (Supergrün – Grün – Orange/Rot) Informationen über die aktuelle und prognostizierte Situation im Stromnetz und können ihren Stromverbrauch entsprechend anpassen. Ziel ist es, Lastspitzen zu vermeiden und die Netzstabilität zu unterstützen.
Die App wurde von Transnet BW vor etwa fünf Jahren eingeführt. Hintergrund waren die zunehmenden Herausforderungen bei der Netzführung durch den wachsenden Anteil von Wind- und Solarstrom, heißt es in der Mitteilung. Die App informiert Verbraucherinnen und Verbraucher über die aktuelle Netzsituation und sendet bei Bedarf Push-Nachrichten.
Bei einer grünen Anzeige beispielsweise kann der Anwender Strom wie üblich nutzen. Bei einer roten Anzeige werden Verbraucher hingegen aufgefordert, ihren Stromverbrauch möglichst zu reduzieren oder zu vermeiden, um Strommangel zu vermeiden.
„Die Erweiterung von StromGedacht auf das Netzgebiet von EWE Netz ist ein großer Erfolg für unsere Energiewende-App“, sagt Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Transnet BW. Die Menschen in Niedersachsen erhielten damit die Möglichkeit, die Systemstabilität auf Verteilnetzebene freiwillig zu unterstützen.
Das Netzgebiet von EWE Netz gehört zur Regelzone des Übertragungsnetzbetreibers Tennet und versorgt mehr als zwei Millionen Menschen mit Strom. Es umfasst mehr als 20.000 Kilometer Mittelspannungs- sowie über 60.000 Kilometer Niederspannungsleitungen. Für EWE Netz steht die stärkere Einbindung der Verbraucher in die Energiewende im Mittelpunkt. Die App soll Transparenz über die aktuelle Netzsituation schaffen und es Kunden ermöglichen, ihren Stromverbrauch gezielt an die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien anzupassen.
Digitale Anwendungen wie „StromGedacht“ sollen dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen, ohne auf verpflichtende Eingriffe zurückzugreifen. Stattdessen setzt das Konzept auf Information und freiwillige Verhaltensanpassungen.
Neben der App hat Transnet BW in den vergangenen Jahren weitere Funktionen entwickelt. Dazu zählt unter anderem eine kostenfreie Programmierschnittstelle (API), über die das Strom-Gedacht-Signal in Smart-Home-Anwendungen oder gewerbliche Prozesse integriert werden kann. Auch Vorschläge aus der Nutzergemeinschaft flossen in die Weiterentwicklung ein.
Mit der Ausweitung nach Niedersachsen verlässt „StromGedacht“ erstmals die ursprüngliche Regelzone von Transnet BW. Für die Netzbranche dürfte die Kooperation ein wichtiger Praxistest sein, ob sich freiwillige Verbrauchssteuerung auch auf Ebene der Verteilnetze als Instrument zur Unterstützung eines zunehmend erneuerbaren und dezentralen Energiesystems etablieren kann.
Montag, 15.06.2026, 15:53 Uhr
Stefan Sagmeister
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