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Energie & Management > Windkraft Offshore - Analyst: Gesetzliche Zielgröße für Offshorewind erst 2032 erreicht
Quelle: Fotolia / ptoscano
Windkraft Offshore

Analyst: Gesetzliche Zielgröße für Offshorewind erst 2032 erreicht

Das Ausmaß der Verzögerungen beim deutschen Offshorewind ist größer, als bisher gedacht. Im Rückenwind des Nordsee-Gipfels fordern Branchenverbände eine investitionsfreundliche Novelle.
Deutschland wird bis 2030 nur einen Ausbau der installierten Offshorewind-Leistung auf 20.000 MW schaffen - 10.000 MW weniger als das nationale Zwischenziel. Das hat Dennis Kruse, Chef des Analysehauses Deutsche Windguard, am 27. Januar vor den Medien prognostiziert. Die 30.000 MW aus dem Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) würden „voraussichtlich“ erst 2032 erreicht, so Kruse. Er könne auch 2033 nicht ausschließen.

Damit verläuft der Offshorewind-Zubau in Deutschland in dieser Dekade wesentlich langsamer, als bisher schon von den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) eingeräumt. Bisher war von wenigen Tausend MW Verzögerung bis 2030 ausgegangen worden, weil sich einige Anbindungsleitungen von ÜNB verzögern (wir berichteten). Sie sollten bislang 2031 oder 2032 nachgeholt werden.

Als zusätzlichen Grund für die zeitliche Verschiebung nannte Kruse die im August 2025 geplatzte Versteigerung der Nordsee-Flächen N-10.1 und N-10.2 mit insgesamt 2.500 MW. Auf sie hatte es kein Gebot gegeben (wir berichteten).

Warnung vor erneutem Platzen

Die schwarz-rote Koalition will bislang die gescheiterte Auktion diesen Juni nachholen. Davor warnte allerdings Andree Iffländer, Vorsitzender des Rostocker Offshorewind-Clusters Wind Energy Network (WEN), stellvertretend für alle Verbände dieser Branche und sagte ein erneutes Scheitern voraus, wenn sie nicht ins vierte Quartal 2026 verschoben und vorher das Windenergie-auf-See-Gesetz nicht investitionsfreundlich und mit einem verlässlichen Ausbaupfad novelliert werde.

Auf Gerüchte angesprochen, wonach die Bundesregierung schon am 28. Januar die Juni-Ausschreibung - die bisher einzige des Jahres - stoppen werde, bestätigte dies keiner der Offshoreverbände ausdrücklich. Es gibt auch keine Einigkeit, was zuerst kommen soll: der Stopp oder die Novelle. Beides sei jedenfalls nötig, so Markus Nölke vom Bremerhavener Cluster Wab.

Ein Fortschritt im Gesetzgebungsprozess sei schon, so Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des VDMA Power Systems, dass die Bundesregierung die Realisierungsfrist für neue Offshore-Windparks auf ein Jahr verdoppeln wolle.

Offshore-Gesetz braucht „echten Neustart“

Worüber sich die Offshoreverbände seit Langem einig sind, ist, dass das Windenergie-auf-See-Gesetz einen „echten, grundlegenden Neustart“ braucht. Dies geht aus einer gemeinsamen Erklärung von Bundesverband Windenergie (BWE), Bundesverband Windenergie Offshore (BWO), Verband des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA) Power Systems, WEN, Wab und der Stiftung Offshore-Windenergie hervor.

Demnach fordern die Verbände eine „zügige“ Anpassung des zentralen Gesetzes unter Beteiligung der Branche. Nach dem Vorbild Großbritanniens solle das Ausschreibungsdesign auf zweiseitige Differenzverträge (CFD) und abgesicherte Stromlieferverträge (PPA) umgestellt werden. Bisher gewinnt in der Regel die größte Zahlungsbereitschaft („ungedeckelte Gebotskomponente“). Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des VDMA Power Systems, zitierte dabei aus der „Industrieerklärung“, die der Dachverband Wind Europe am Nordseegipfel am 26. Januar mit den Politikern der Nordsee-Anrainerstaaten unterzeichnet hatte. Demnach soll für 2031 bis 2040 ein jährlicher Ausbaupfad von 15.000 MW politisch abgesichert werden, davon 10.000 MW durch zweiseitige CFD.

Im Gegenzug hatte Wind Europe versprochen, die Gestehungskosten (LCOE) für Offshore-Windkraft im Vergleich zu den finalen Investitionsentscheidungen von 2025 in der nächsten Dekade um 30 Prozent zu senken. Power-Systems-Vertreter Rendschmidt bekräftigte erneut, die europäische Industrie könne die dazu notwendigen Anlagen und Komponenten unter diesen Umständen bereitstellen: „Wir werden liefern“, versicherte er.

Dennis Kruse von der Windguard nannte die Ergebnisse des dritten Nordseegipfels in Hamburg ein „starkes Signal an die Branche“ und ein „Bekenntnis zu einem stabilen und investitionssicheren Rahmen“. Für 2025 bilanzierte er einen Zubau der deutschen Windkraft auf See „auf relativ niedrigem Niveau“: Es kamen laut den Recherchen seines Teams nur 41 Windenergieanlagen mit insgesamt 518 MW hinzu, die bereits auch Strom einspeisen.
 
Die deutsche Offshorewind-Stromerzeugung und deren Marktwerte
Quelle: Deutsche Windguard

Somit landete Offshorewind in Deutschland Ende 2025 bei 1.680 Anlagen in Betrieb mit 9.740 MW Gesamtleistung, davon 7.910 MW in der Nordsee. 2025 gingen 26,1 Milliarden kWh Offshorewind-Strom ans deutsche Festland - „ähnlich viel“ wie 2024, so Kruse. Die Pipeline geplanter und in Bau befindlicher Windparks in der deutschen See taxierte VDMA-Mann Rendschmidt mit 17.000 MW. Deren Realisierung müsse nun gesichert werden.

Dienstag, 27.01.2026, 16:12 Uhr
Georg Eble
Energie & Management > Windkraft Offshore - Analyst: Gesetzliche Zielgröße für Offshorewind erst 2032 erreicht
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Windkraft Offshore
Analyst: Gesetzliche Zielgröße für Offshorewind erst 2032 erreicht
Das Ausmaß der Verzögerungen beim deutschen Offshorewind ist größer, als bisher gedacht. Im Rückenwind des Nordsee-Gipfels fordern Branchenverbände eine investitionsfreundliche Novelle.
Deutschland wird bis 2030 nur einen Ausbau der installierten Offshorewind-Leistung auf 20.000 MW schaffen - 10.000 MW weniger als das nationale Zwischenziel. Das hat Dennis Kruse, Chef des Analysehauses Deutsche Windguard, am 27. Januar vor den Medien prognostiziert. Die 30.000 MW aus dem Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) würden „voraussichtlich“ erst 2032 erreicht, so Kruse. Er könne auch 2033 nicht ausschließen.

Damit verläuft der Offshorewind-Zubau in Deutschland in dieser Dekade wesentlich langsamer, als bisher schon von den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) eingeräumt. Bisher war von wenigen Tausend MW Verzögerung bis 2030 ausgegangen worden, weil sich einige Anbindungsleitungen von ÜNB verzögern (wir berichteten). Sie sollten bislang 2031 oder 2032 nachgeholt werden.

Als zusätzlichen Grund für die zeitliche Verschiebung nannte Kruse die im August 2025 geplatzte Versteigerung der Nordsee-Flächen N-10.1 und N-10.2 mit insgesamt 2.500 MW. Auf sie hatte es kein Gebot gegeben (wir berichteten).

Warnung vor erneutem Platzen

Die schwarz-rote Koalition will bislang die gescheiterte Auktion diesen Juni nachholen. Davor warnte allerdings Andree Iffländer, Vorsitzender des Rostocker Offshorewind-Clusters Wind Energy Network (WEN), stellvertretend für alle Verbände dieser Branche und sagte ein erneutes Scheitern voraus, wenn sie nicht ins vierte Quartal 2026 verschoben und vorher das Windenergie-auf-See-Gesetz nicht investitionsfreundlich und mit einem verlässlichen Ausbaupfad novelliert werde.

Auf Gerüchte angesprochen, wonach die Bundesregierung schon am 28. Januar die Juni-Ausschreibung - die bisher einzige des Jahres - stoppen werde, bestätigte dies keiner der Offshoreverbände ausdrücklich. Es gibt auch keine Einigkeit, was zuerst kommen soll: der Stopp oder die Novelle. Beides sei jedenfalls nötig, so Markus Nölke vom Bremerhavener Cluster Wab.

Ein Fortschritt im Gesetzgebungsprozess sei schon, so Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des VDMA Power Systems, dass die Bundesregierung die Realisierungsfrist für neue Offshore-Windparks auf ein Jahr verdoppeln wolle.

Offshore-Gesetz braucht „echten Neustart“

Worüber sich die Offshoreverbände seit Langem einig sind, ist, dass das Windenergie-auf-See-Gesetz einen „echten, grundlegenden Neustart“ braucht. Dies geht aus einer gemeinsamen Erklärung von Bundesverband Windenergie (BWE), Bundesverband Windenergie Offshore (BWO), Verband des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA) Power Systems, WEN, Wab und der Stiftung Offshore-Windenergie hervor.

Demnach fordern die Verbände eine „zügige“ Anpassung des zentralen Gesetzes unter Beteiligung der Branche. Nach dem Vorbild Großbritanniens solle das Ausschreibungsdesign auf zweiseitige Differenzverträge (CFD) und abgesicherte Stromlieferverträge (PPA) umgestellt werden. Bisher gewinnt in der Regel die größte Zahlungsbereitschaft („ungedeckelte Gebotskomponente“). Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des VDMA Power Systems, zitierte dabei aus der „Industrieerklärung“, die der Dachverband Wind Europe am Nordseegipfel am 26. Januar mit den Politikern der Nordsee-Anrainerstaaten unterzeichnet hatte. Demnach soll für 2031 bis 2040 ein jährlicher Ausbaupfad von 15.000 MW politisch abgesichert werden, davon 10.000 MW durch zweiseitige CFD.

Im Gegenzug hatte Wind Europe versprochen, die Gestehungskosten (LCOE) für Offshore-Windkraft im Vergleich zu den finalen Investitionsentscheidungen von 2025 in der nächsten Dekade um 30 Prozent zu senken. Power-Systems-Vertreter Rendschmidt bekräftigte erneut, die europäische Industrie könne die dazu notwendigen Anlagen und Komponenten unter diesen Umständen bereitstellen: „Wir werden liefern“, versicherte er.

Dennis Kruse von der Windguard nannte die Ergebnisse des dritten Nordseegipfels in Hamburg ein „starkes Signal an die Branche“ und ein „Bekenntnis zu einem stabilen und investitionssicheren Rahmen“. Für 2025 bilanzierte er einen Zubau der deutschen Windkraft auf See „auf relativ niedrigem Niveau“: Es kamen laut den Recherchen seines Teams nur 41 Windenergieanlagen mit insgesamt 518 MW hinzu, die bereits auch Strom einspeisen.
 
Die deutsche Offshorewind-Stromerzeugung und deren Marktwerte
Quelle: Deutsche Windguard

Somit landete Offshorewind in Deutschland Ende 2025 bei 1.680 Anlagen in Betrieb mit 9.740 MW Gesamtleistung, davon 7.910 MW in der Nordsee. 2025 gingen 26,1 Milliarden kWh Offshorewind-Strom ans deutsche Festland - „ähnlich viel“ wie 2024, so Kruse. Die Pipeline geplanter und in Bau befindlicher Windparks in der deutschen See taxierte VDMA-Mann Rendschmidt mit 17.000 MW. Deren Realisierung müsse nun gesichert werden.

Dienstag, 27.01.2026, 16:12 Uhr
Georg Eble

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