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Susanne Harmsen
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Dienstag, 21.03.2023, 12:50 Uhr
Windkraft Onshore
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Erster Gipfel soll Windkraft Auftrieb geben
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) lädt zum ersten von zwei Windgipfeln ein. Ministerien, Branchenvertreter, Länder und Gewerkschaften sollen Ausbaublockaden beseitigen.
Auf dem ersten von zwei Windgipfeln am 22. März 2023 werden neben dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) und Vertretern der Windenergiebranche auch die Bundesländer und diejenigen Ministerien vertreten sein, die über ihre Zuständigkeiten Einfluss auf den Ausbau nehmen können.

Die Verbände lobten im Vorfeld die bereits unternommenen Anstrengungen der Ampelkoalition zur Beschleunigung des Windkraftausbaus an Land. Allerdings genügten sie nicht für die 10.000 MW Leistungszubau jährlich, die für die Energiewende erforderlich sind, so ihr Einwand.

Der Windgipfel sei die große Gelegenheit, mit einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten die hinreichend bekannten Hindernisse aus dem Weg zu räumen und den nötigen Zubau der Windenergie endlich zu entfesseln. Hierfür müssen alle Akteure an einem Strang ziehen, appellierten die Energie- und Windkraftverbände BDEW, BEE, BNE, BWE, DNR, VCI, VDMA Power Systems und VKU. Auch der Projektentwickler VSB mahnte rasche Fortschritte an.

Mehr Flächen, schnellere Genehmigungen

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nannte geeignete Flächen als Haupthindernis des Zubaus. Die BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae sagte: „Erstens muss das bundesweite Zwei-Prozent-Flächenziel auf Ende 2025 vorgezogen werden. Zweitens müssen sehr kurzfristig die Zusatzflächen mobilisiert werden, bei denen es vor Ort wenig Konflikte gibt. Drittens brauchen Gemeinden dringend mehr Handlungsspielraum bei der Ausweisung von Flächen im Sinne einer Gelingenshaltung für die Energiewende.“

Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) erinnerte: „Die Windenergie bietet ein großes Potenzial für die lokale Wertschöpfung, für die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen vor Ort.“
 

Der vorausschauende Ausbau der Verteilnetze, deren Finanzierung und Investitionsanreize für ihre Digitalisierung müssten in einer Strategie für die erneuerbaren Energien berücksichtigt werden, damit der Strom auch transportiert werden könne. „So kommen Stromangebot und -nachfrage in einem intelligenten Stromnetz zusammen“, hoffte Liebing.

Strommarktdesign auf erneuerbare Energien abstimmen

Die Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), Simone Peter, erinnerte: „Gleichzeitig muss die Plattform Klimaneutrales Stromsystem die Bedingungen für diesen Ausbau schaffen. Das Energiesystem der Zukunft braucht das Zusammenspiel aller regenerativen Energieträger, im Strom- wie auch im Wärmebereich.“

Für den Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) forderte Geschäftsführer Robert Busch, dass endlich Planbarkeit für alle Akteure geschaffen werde, damit der Umbau aller Energiesektoren funktioniere.

Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), mahnte: „Wir brauchen dringend schnellere Genehmigungsverfahren, wenn der Zubau im vorgesehenen Umfang stattfinden soll.“ Dafür sei ein verlässliches Commitment zwischen Bund und Ländern nötig, um Planungssicherheit auch für die Anlagenhersteller zu haben.

Ressortgrenzen abbauen

Für den Deutschen Naturschutzring (DNR) sagte Präsident Kai Niebert: „Die Klimakrise macht nicht an Grenzen halt – also darf auch Klimaschutz nicht an Ressortgrenzen haltmachen.“ Daher sei dafür die ganze Bundesregierung gefragt.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) erinnerte daran, dass die energieintensiven Produzenten für treibhausgasneutrale Prozesse erneuerbaren Strom benötigen. VCI-Präsident Markus Steilemann forderte daher: „Das dringend erforderliche ‚Beschleunigungsgesetz‘ für schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren muss jetzt sofort beschlossen werden.“

Für die Windkraftanlagenhersteller sagte VDMA-Power-Systems-Geschäftsführer Dennis Rendschmidt: „Strategisch ist für die Windenergie vor allem die Stärkung der Lieferketten das A und O. Für eine weniger abhängige Energieversorgung ist es zwingend notwendig, die europäische Wertschöpfung zu betonen.“

Vonseiten der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erinnerte der Leiter Energie und Klimaschutz, Constantin Zerger: „Es braucht die gleichen Anstrengungen für Windenergie auf See.“ Hier sehe er aktuell noch eine strategische Leerstelle.

Der Verbändeappell zum 1. Windgipfel steht als PDF zum Download bereit.