E&M Home > E&M Marktplatz > E&M Nachrichten
Quelle: Fotolia / Jürgen Fälchle
Georg Eble
© 2022 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 06.10.2022, 08:54 Uhr
Regenerative
E&M News
PPA: "Nur die Leistung bricht bei den deutschen Abschlüssen ein"
PPA sind ein Vermarktungsinstrument für Ökostrom. Bremst die Stromerlösbremse PPA gleich mit aus? Dazu Joop Hazenberg zum Auftakt der Messe Re-Source für grünen Industriestrom.
E&M: Herr Hazenberg, Sie sind einer Direktoren der Re-Source-Plattform, die am 6. und 7. Oktober in Amsterdam die gleichnamige Messe für Industriestrom aus regenerativen Quellen veranstaltet. Es geht also vor allem um Corporate PPA. Der deutsche Markt für Power Purchase Agreements oder Direktlieferverträgen aus Erneuerbaren-Anlagen ist klein. Liegt das an der EEG-Förderung?

Joop Hazenberg: Das ist für mich eine theoretische Diskussion. Es gibt auch bei Ihnen ein so hohes Interesse von Unternehmen an PPA, dass ich mir da wegen des Einflusses der Förderung keine Sorgen um den deutschen PPA-Markt mache. Unsere Erfahrung ist, dass eine Kombination von PPA und Differenzverträgen den größten Zubau an Erneuerbaren bewirkt.

E&M: Im Unterschied zur Marktprämie im EEG müssen die Anlagenbetreiber bei Differenzverträgen (CfD) Erlöse oberhalb des anzulegenden Werts an den Staat zurückzahlen. Im September hat Brüssel eine generelle Erlösabschöpfung ab 180 Euro pro Megawattstunde vorgeschlagen, auch bei ungeförderten Anlagen. Bremst das nicht nur die Erlöse, sondern gleich auch den PPA-Markt?

Hazenberg: Ja, aber nicht so sehr die Inhalte des Vorschlages selbst als vielmehr die Unsicherheit, welche Punkte die Zustimmung von Rat und Parlament finden und welche nicht, wie binnenmarktverträglich die Mitgliedsstaaten die Richtlinie umsetzen werden, ob sie schon am 1. Dezember greift oder später und vor allem, ob sie wirklich am 30. Juni 2023 ausläuft oder verlängert wird. Es wird zurzeit deswegen eine Menge zurückgehalten. Wenn tatsächlich in bestehende PPA rückwirkend eingegriffen wird, kann es auch passieren, dass deren Finanzierung platzt.
 
Joop Hazenberg ist Policy & Impact Director der Re-Source Platform
Quelle: Re-Source

E&M: Spielen die hohen Notierungen der Terminmarktprodukte, mit denen PPA abgesichert werden, europaweit ebenfalls eine Rolle, indem Großverbraucher davor zurückschrecken, sich langfristig zu diesen hohen Preisen einzudecken, wenn sich alles nach dem Winter wieder entspannen könnte?

Hazenberg: Der PPA-Markt für Industrie- und Gewerbestrom - nur diesen beobachten wir, nicht die öffentliche Hand oder die Weiterverteiler - der wächst weiter. Europaweit, also inklusive Großbritannien und Norwegen, sehen wir jetzt schon 3,4 Gigawatt im Vergleich zu 8 Gigawatt 2021. Und die Abschlusssaison fängt gerade erst an. Ich würde also sagen, die hohen Futures-Notierungen sind ein Problem unter vielen. Aber die regulatorische Unsicherheit ist das größte. Dabei geht es nicht nur um den geplanten Erlösdeckel, sondern auch um Genehmigungsprobleme bei neuen Anlagen in Deutschland. Die Genehmigungspraxis grätscht immer noch in Vertragsabschlüsse hinein.

E&M: Wie sieht die Entwicklung im deutschen PPA-Markt aus?

Hazenberg: Wir haben jetzt schon mehr Corporate-PPA-Projekte mit Unternehmen, die den Strom selbst verbrauchen, als im ganzen Jahr 2021, nämlich 14 im Vergleich zu 12. Aber es gibt einen Rückgang in der installierten Leistung von 970 MW auf 322 MW.

E&M: Wie teilt sich das auf die einzelnen Technologiequellen und auf über 20 Jahre alte oder neue Anlagen auf?

Hazenberg: Die Onshore-Windkraft macht bisher in diesem Jahr mit 201 MW den Löwenanteil aus. Das sind alles Ü20-Anlagen. Bei Photovoltaik ist es praktisch umgekehrt: Nur 5 MW von 122 MW beziehen sich auf alte PV-Anlagen, der große Rest sind Neuprojekte. Offshore gab es dieses Jahr noch keine Abschlüsse. 2021 sahen wir da 568 MW, davon 47 MW alte Windenergieanlagen. Bei PV waren es vergangenes Jahr insgesamt 174 MW, onshore nur 11 MW.

E&M: Auf der Messe Wind Energy, die gerade zu Ende gegangen ist, sagte Enervis-Geschäftsführer Eckhard Kuhnhenne-Krausmann, angesichts der ungekannten Marktschwankungen kämen in der Spot-Direktvermarktung fixe Abwicklungsentgelte wegen der hohen Bilanzierungsrisiken außer Mode. Ist das bei PPA auch so?

Hazenberg: Die Risiken von PPA sind ebenfalls höher geworden, wenn man an die Preise von Anlagenkomponenten oder an die Wende in der Zinspolitik denkt. Diese Instabilitäten wirken sich auf den Preisbestandteil für die Abwicklung aus, aber ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob bei Corporate PPA fixe Entgelte schon überholt sind.

E&M: Können Sie vorab schon ein Kontrakt-Volumen auf der Messe Re-Source abschätzen?

Hazenberg: Ich denke nicht, dass es viele Abschlüsse geben wird, zumal es gemeinhin sechs bis zwölf Monate dauert, um ein PPA abzuschließen. Der Sinn der Re-Source ist es vielmehr, Verkäufer und Käufer zusammenzubringen und das PPA-Ökosystem anzuregen. Das Netzwerken spielt natürlich auch eine Rolle, aber die Teilnehmer informieren sich auch in politischen und wissenschaftlichen Sitzungen über Neuigkeiten. Wir erwarten 950 Teilnehmer. Damit sind wir die größte europäische Messe für gewerblichen Grünstrombedarf.