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Quelle: Danish Defence Command
Volker Stephan
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Donnerstag, 29.09.2022, 13:03 Uhr
Gas
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Umweltverbände fordern Stopp des Methan-Austritts in der Ostsee
Die Schäden an den Nord-Stream-Gasleitungen sind auch eine Hypothek für das Klima. Umweltverbände fordern, das Austreten des Methans in der Ostsee umgehend zu stoppen.
Während die schwedische Küstenwache ein viertes Leck an den Nord-Stream-Gasleitungen in der Ostsee entdeckt hat, werden die Rufe nach Schutzmaßnahmen für Umwelt und Klima lauter. Austretendes Methan solle an der Wasseroberfläche entzündet werden, lautet eine Forderung, eine andere, auch die letzte noch unbeschädigte Röhre zu leeren.

Mit Stand vom 29. September haben dänische und schwedische Behörden insgesamt vier Lecks an den von Russland nach Deutschland führenden, doppelröhrigen Pipelines identifiziert. Zwei entfallen auf die beiden Leitungen von Nord Stream 1 in Höhe der dänischen Insel Bornholm. Die beiden anderen Schäden betreffen den Strang A der nie in Betrieb gegangenen Trasse Nord Stream 2 in der schwedischen Wirtschaftszone vor Simrishamn.

DUH fordert Abpumpen des Gases aus unbeschädigter Röhre

Methan stellt mit 97 % den Hauptteil des entweichenden Erdgases, teilt das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) mit. Die drei beschädigten Leitungen, so rechnen Umweltverbände die Kapazitäten gemäß Betreiberangaben zusammen, waren mit etwa 500.000 Mio. Kubikmetern Erdgas befüllt. Ihr Entweichen entspreche zwar 18 % des Jahresausstoßes an Methan in Deutschland im vergangenen Jahr, aber nur 0,06 % der globalen Emissionen. „Das Klimageschehen wird dadurch nicht verändert“, so IOW-Forscher Oliver Schmale.

Gleichwohl hält Schmale es aus wissenschaftlicher Perspektive für sinnvoll, das Erdgas über der Wasseroberfläche zu entzünden. Damit würde das Methan – vorbehaltlich der praktischen Umsetzbarkeit – in Kohlendioxid umgewandelt. Auf die wesentlich klimaschädlicheren Auswirkungen von Methan weist auch das Umweltbundesamt (UBA) hin. Nach dessen Berechnungen gelangen voraussichtlich 300.000 Tonnen Methan in die Atmosphäre. Weil eine Tonne die Atmosphäre ähnlich aufheize wie 25 Tonnen CO2, liege der Klimaeffekt vermutlich bei 7,5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten.

Bis zum 2. Oktober sei das Erdgas vermutlich komplett ausgetreten, schätzt Kristoffer Bottzauw, Leiter der dänischen Energieagentur. Dem will die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nicht tatenlos zusehen. „Das verbleibende Gas muss sofort aus allen Pipeline-Strängen abgepumpt werden“, fordert Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Im noch unbeschädigten Strang B von Nord Stream 2 seien vermutlich weitere 120.000 Tonnen Methan enthalten. „Der Kampf gegen die Klimakrise erleidet einen massiven Rückschlag, wenn nicht sofort gehandelt wird“, so Müller-Kraenner.

WWF beklagt Sicherheitsrisiken fossiler Energiesysteme

Die DUH wirft dem Bergamt Stralsund und dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) rückblickend vor, potenzielle Methan-Lecks bei der Genehmigung von Nord Stream 2 „auf die leichte Schulter genommen“ zu haben. Der Verband hatte gegen die Röhren geklagt. Im Verfahrensverlauf sei der DUH versichert worden, „dass ein Entweichen von Methan ausgeschlossen sei“. Müller-Kraenner appelliert an die Behörden, nun das Schlimmste zu verhindern.

Keine belastbare Aussage wagt das Ostseebüro des World Wildlife Fund For Nature (WWF) darüber, welche Auswirkungen das austretende Gas für die Organismen der betroffenen Gebiete bedeutet. Der Schaden für die Meere und die bedrohte Ostsee sei aber allein deswegen gegeben, weil die Lecks die Klimakrise weiter anheizten. „Die Vorfälle zeigen einmal mehr die Fragilität und die Sicherheitsrisiken fossiler Energiesysteme auf“, so Büroleiter Finn Viehberg. „Die Zukunft liegt in den Erneuerbaren Energien, die sich in vielerlei Hinsicht als deutlich resilienter erweisen.“