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Susanne Harmsen
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Mittwoch, 21.09.2022, 12:10 Uhr
Studien
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Prognos erwartet hohe Strompreise bis 2027
Die Großhandelsstrompreise werden mittel- bis langfristig nicht mehr auf das Niveau vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019 sinken. Das zeigt eine Studie der Prognos AG im Auftrag der VBW.
Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) hatte Prognos um eine Voraussage der Strompreisentwicklung gebeten. Demnach führt der angespannte Gasmarkt bis mindestens 2027 zu deutlich höheren Kosten für Strom. „Sollten die russischen Erdgaslieferungen dauerhaft ausbleiben, könnte 2023 eine Megawattstunde Strom im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Euro im Großhandel kosten“, sagte VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. 2019 lag der durchschnittliche Strompreis bei rund 38 Euro/MWh.
 
In der VBW-Strompreisprognose wurde anhand von drei Szenarien bezüglich der russischen Erdgasimporte – dauerhafter Lieferstopp, sukzessive Reduzierung sowie Rückkehr zum Vorkrisenniveau – die Entwicklung des Großhandelsstrompreises bis ins Jahr 2040 errechnet. Zudem wurden Annahmen zum Ausbau der erneuerbaren Energien und anderer Energieträger sowie zur Entwicklung des CO2-Preises getroffen. „Schon im mittleren Szenario, also bei einer sukzessiven Gasreduzierung, zeichnet sich für 2023 mit 189 Euro pro MWh im Jahresdurchschnitt ein weiteres Jahr mit ähnlich teurem Strom wie 2022 ab“, fasste Brossardt zusammen.

Strompreis stabiler ab 2027

Nach 2027 sollten sich die Strompreise laut Prognos wieder stabilisieren. Trotzdem verharrten sie voraussichtlich dauerhaft auf einem höheren Niveau. „Deswegen ist es überfällig, die Strompreise zu entschlacken“, forderte Brossardt. Ein Absenken der Stromsteuer auf das europarechtliche Minimum gehöre zu den wichtigsten Maßnahmen. Zudem brauche es einen europäischen Industriestrompreis, damit deutsche Unternehmen Chancengleichheit im Wettbewerb erhielten, forderte der VBW.
 

Brossardt ergänzte: „Wir schlagen vor, dass die Grenzkosten von Gaskraftwerken in der Merit-Order übergangsweise nicht mehr preisbestimmend berücksichtigt werden sollen.“ Den Preis solle die zweitteuerste Erzeugungsvariante vorgeben. So ein Vorgehen müsse allerdings auf EU-Ebene abgestimmt werden. „Die günstige Erzeugung aus erneuerbaren Energien muss auf den Strompreis durchschlagen“, forderte Brossardt.

VBW-Vorschläge zur Gasumlage

Zur Gasumlage sagte er, „es verletzt das Gerechtigkeitsempfinden, wenn Gaskunden auch hochprofitablen Importeuren helfen“. Daher solle es einen Gasbeschaffungskredit geben, den nur Unternehmen erhalten, die durch das ausfallende Russlandgeschäft eingetretene Verluste nicht selbst tragen können. „Die Übernahme von 90 % der Verluste erfolgt dann als staatlich garantiertes Darlehen, das nach Verbesserung der Unternehmenslage zurückzuzahlen ist“, schlug Brossardt vor. Aktuell sollen ab 1. Oktober 2022 alle Gasverbraucher eine Umlage von 2,4 Cent/kWh bezahlen, aus der Verluste von Gasimporteuren zu 90 % ausgeglichen werden – ohne Rückzahlungsverpflichtung.

Aus Sicht der VBW zeigt die Strompreisprognose klar, welche Maßnahmen mittel- und langfristig die Stromkosten wieder senken. „Je schneller wir die erneuerbaren Energien ausbauen, desto stärker können wir die Strompreise dämpfen“, resümierte Brossardt. Im Gleichschritt müsse auch das Stromnetz aus- und umgebaut werden. Ab den 2030er Jahren werde zudem die Verstromung von Wasserstoff immer relevanter. Damit Reservekraftwerke mit gesicherter Leistung die Strompreise nicht wieder steigen lassen, brauche es zusätzliche Finanzierungsinstrumente, wie beispielsweise Differenzverträge, fordert Brossardt abschließend.

Bayrische Bürger bangen um Energieversorgung

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungs- und Marktforschungsinstituts
GMS fürchten Menschen in Bayern massive Probleme bei der Energieversorgung. Zwei Drittel (65 %) der Befragten antworteten mit Nein auf die Frage, ob es der Bundesregierung gelingen werde, die Versorgungssicherheit durch verstärkte Nutzung anderer Energien und Ersatzbeschaffung von Erdgas aufrecht zu erhalten. Nur 30 % rechnen damit, dass die Regierung mit ihren Maßnahmen Erfolg haben wird, wie aus der GMS-Umfrage im Auftrag von Sat.1 Bayern hervorgeht.

Die Ergebnisse der VBW-Strompreisprognose stehen im Internet bereit.