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Günter Drewnitzky
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Freitag, 09.09.2022, 15:22 Uhr
Gas
E&M News
VNG beantragt Stabilisierungsmaßnahmen
Der Gasversorger VNG − die Nummer drei auf dem deutschen Markt − ist wegen der Energiekrise in finanzielle Schieflage geraten und beantragt Hilfe vom Staat.
Man werde heute beim Bundeswirtschaftsministerium einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen nach § 29 Energiesicherungsgesetz stellen, heißt es in einer Mitteilung der Leipziger Verbundnetzgas AG und des Mehrheitseigners EnBW vom Freitag, 9. September.

„Ausschlaggebend dafür sind Vorlieferanten, die ihre Lieferverpflichtungen nicht erfüllt haben“, heißt es seitens VNG. Dadurch mussten und müssten Gasmengen zu erheblich höheren Preisen an den Energiemärkten beschafft werden, um die Kunden weiter zu deutlich niedrigeren Preisen beliefern zu können. „Um weiteren Schaden abzuwenden und die Handlungsfähigkeit des Konzerns insgesamt zu sichern“, sieht sich VNG veranlasst, weitere Hilfsmaßnahmen neben der Gasumlage zu beantragen.

VNG versorgt rund 400 Kunden, sowohl Stadtwerke als auch Industrieunternehmen, und deckte 2021 rund ein Fünftel des Gasbedarfs in Deutschland. Als drittgrößter deutscher Gasimporteur und Speicherbetreiber gilt die VNG-Gruppe als systemrelevant für die Versorgungssicherheit in Deutschland und strukturrelevant für Sachsen und Ostdeutschland.

Der Gaskonzern aus Sachsen hat nach eigenen Angaben zwei Verträge, die von russischen Lieferausfällen betroffen sind. Es besteht ein Direktvertrag über rund 35 Mrd. kWh Gasbezug im Jahr mit Gazprom Export, der aktuell und absehbar nicht mehr bedient wird. Dieser Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Die selbst mit der ab 1. Oktober 2022 erwarteten Entlastung durch die Gasumlage insgesamt im Jahr 2022 auflaufenden Verluste von etwa 1 Mrd. Euro würde man, wie es in der Unternehmensmitteilung weiter heißt, als direkter Importeur aus eigener Kraft und gemeinsam mit weiteren Stabilisierungsmaßnahmen der Anteilseigner tragen können.

Probleme mit Vorlieferanten ausschlaggebend

Der größere Vertrag allerdings umfasst einen Gasbezug von 65 Mrd. kWh im Jahr mit einem inländischen Vorlieferanten, der Importeur der entsprechenden Gasmengen ist. Dieser Vertrag wird, so VNG, seit Mitte Mai nicht mehr durchgängig bedient. Die Kosten der Ersatzbeschaffung habe man im August – anders als erwartet – zu erheblichen Teilen tragen müssen. Beim Versuch, mit Unterstützung der Bundesregierung eine Lösung zu finden, sei aber keine Einigung erzielt worden. Die weitere Handlungsfähigkeit des Unternehmens soll daher jetzt mit den beantragten Stabilisierungsmaßnahmen gesichert werden.

Wie es seitens der EnBW heißt, habe man VNG bereits mit Bürgschaften und Kreditlinien in hoher dreistelliger Millionenhöhe unterstützt. Aus den aufgelaufenen und erwarteten Schäden habe sich bisher eine Belastung von rund 550 Mio. Euro für das laufende Geschäftsjahr im EnBW-Halbjahresabschluss ergeben.

„Die konkreten Auswirkungen der Verluste und der in der Folge beantragten Sicherungsmaßnahmen auf die Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage des EnBW-Konzerns hängen von den Ergebnissen der weiteren Gespräche ab und können daher heute noch nicht zuverlässig abgeschätzt werden“, verlautete seitens EnBW.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig erklärte, er gehe davon aus, dass die Bundesregierung alles tun werde, um VNG zu stabilisieren. „Das ist wichtig, damit keine Kettenreaktion ausgelöst wird.“ Ähnlich äußerte sich Energieminister Wolfram Günther: Das Unternehmen sei systemrelevant. Es müsse die Chance bekommen, aus eigener Kraft aus der unverschuldeten Lage herauszukommen.