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Josephine Bollinger-Kanne
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Donnerstag, 08.09.2022, 10:35 Uhr
Gas
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Russland will im weltweiten LNG-Geschäft mitmischen
In der russischen Verdichterstation Portowaja nahm Gazprom die Produktion von verflüssigtem Erdgas (LNG) auf. Russland möchte in die Weltspitze der LNG-Produzenten vordringen.
Am Standort der Verdichterstation Portowaja für die Pipeline Nord Stream hat Gazprom die Produktion von verflüssigtem Erdgas begonnen. Darüber informierte russischen Medien zufolge Witali Markelow, stellvertretender Vorsitzende vom russischen Gaskonzern Gazprom, auf dem Ostwirtschaftsforum in Wladiwostok am 6. September.
 
Ihm zufolge sind zwei Verflüssigungslinien in Betrieb, die bereits die ersten 30.000 Tonnen LNG produziert hätten. 72 Stunden lang seien komplexe Tests gelaufen. "Jetzt wird ein Schiff ankommen, das LNG an die Verbraucher liefern wird. Angesichts der Situation auf den Weltmärkten wird unser LNG gefragt sein", sagte Markelow laut Interfax und ergänzte: "Der erste Tanker wird beladen.“
 
Günstig an dem Standort Portowaja ist, dass dadurch nicht Gas abgefackelt werden muss, dass von der russischen Jamal-Halbinsel zum Abtransport über Nord Stream 1 ankommt. Mit Portowaya kann das Land jetzt 1,5 Mio. Tonnen LNG mehr im Jahr produzieren.
 
Russland werde bis 2030 die LNG-Produktion von derzeit 30 Mio. Tonnen auf 80 bis 100 Mio. Tonnen jährlich steigern, sagte Energieminister Nikolaj Schulginow laut russischer Wirtschaftszeitung Kommersant in Wladiwostok. Damit will Russland zu den aktuell führenden LNG-Produzenten Qatar und Australien aufschließen.
 
Das größte LNG-Verflüssigungsterminal in Russland betreibt demnach aktuell der zweitgrößte russische Gasproduzent Novatek auf der nordsibirischen Jamal-Halbinsel. Das betreffende Terminal verfügt über eine Verflüssigungskapazität von 17,4 Mio. Tonnen LNG im Jahr.
 
Die zweitgrößte Verflüssigungsanlage befindet sich auf der Pazifikinsel Sakhalin. Die zwei Produktionslinien vom Betreiber Sakhalin Energy können 9,6 Mio. Tonnen LNG im Jahr herstellen. Seit Jahren plant hier Mehrheitsanteilseigner Gazprom eine dritte Linie mit einer Jahreskapazität von 5,4 Millionen Tonnen. Doch stehen die Pläne dafür auf Halt.
 
Gar kein Pipelinegas mehr zu liefern, scheint nach russischen Angaben nicht in der Absicht des Kremls zu liegen. Zum eingestellten Lieferbetrieb von Nord Stream 1 erklärte der Gazprom-Manager, dass Gazprom die Gaslieferungen nicht wieder aufnehmen werde, solange die deutsche Seite, sprich Siemens Energy, die fehlerhafte Ausrüstung nicht repariert habe.
 
Gazprom und Siemens Energy liefern sich über die Medien einen Schlagabtausch, wer für die Wartungsmaßnahmen in Portowaja zuständig ist. Kremlsprecher Dmitri Peskow führte die westlichen Sanktionen ins Feld, die Reparaturarbeiten behindert und zum Stillstand von Nord Stream 1 geführt hätten. Gazprom selbst verwies auf Öllecks und Brandgefahr durch fehlerhafte Gerätschaften in Portowaja.

 
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