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Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
Susanne Harmsen
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Mittwoch, 29.06.2022, 15:41 Uhr
Elektrofahrzeuge
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Wissing fordert mehr Ladesäulen in Kommunen
Bei einer Fachkonferenz in Berlin ging es um den Ausbau der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität. Bundesverkehrsminister Wissing (FDP) forderte mehr Engagement der Kommunen.
Der Aufbau von Ladesäulen sei noch kein Selbstläufer, kritisierte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) auf einer Fachkonferenz in Berlin am 29. Juni. „In mehr als der Hälfte der Kommunen gibt es noch keinen einzigen öffentlich zugänglichen Ladepunkt“, sagte er. Das könne nicht so bleiben. Im neuen Masterplan Ladeinfrastruktur der Bundesregierung solle deswegen ein Schwerpunkt auf die Kommunen gelegt werden.

Wissing kündigte an, sein Haus werde Kommunen nicht nur finanziell, sondern auch mit Informationsangeboten, Schulungen und Planungen zur regionalen Ladeinfrastruktur unterstützen. Die Zahl der Elektroautos in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Bis zum Ziel der Bundesregierung von 15 Mio. bis 2030 sei es aber noch ein weiter Weg. Mit Elektromobilität sollen die Klimaschutzziele im Verkehrssektor nicht länger verfehlt werden. Die Treibhausgasemissionen im Verkehr sind in den vergangenen Jahren kaum gesunken. Strom dagegen wird aktuell in Deutschland zu etwa 50 % aus erneuerbaren Quellen klimafreundlich erzeugt.

„Mein Ziel ist, dass sich in Deutschland niemand mehr gegen den Kauf eines Elektro-Fahrzeugs entscheidet, weil er oder sie nicht darauf vertrauen kann, dass es genügend verlässliche und komfortable Lademöglichkeiten gibt“, sagte Wissing. Daher wolle er mehr Investitionen in Ladepunkte anreizen. Das werde auch den Wettbewerb stärken.

Kritik der Verbände an Bundesförderung

Der Bundesverband E-Mobilität kritisierte den Masterplan, der in Arbeit ist. So finde das bidirektionale Laden keinerlei Beachtung, mit dem Ladepunkte einen wichtigen Beitrag für die Energiewende und Versorgungssicherheit leisten könnten. Es soll dafür sorgen, dass E-Autos dann laden, wenn genug Strom im Netz ist und eventuell aus ihrer Batterie ins Netz zurückspeisen, wenn Strom benötigt wird.

Für den BDEW sagte die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung, Kerstin Andreae, anlässlich der Konferenz, der Ausbau der Ladeinfrastruktur komme gut voran. „Gerade in den letzten anderthalb Jahren hat der Zubau enorm an Fahrt aufgenommen“, konstatierte sie. Hatte es Anfang 2021 noch 41.600 öffentliche Ladepunkte gegeben, seinen es aktuell fast 50 % mehr, nämlich 62.000. Auch bei der Flächendeckung sei viel erreicht worden und der von der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität festgelegte Maximalabstand von 50 km zwischen Schnellladern entlang der Autobahn deutschlandweit praktisch vollständig gegeben.

Auch Bundesgrundstücke fürs Elektroladen erschließen

Hinzu komme ein großer Techniksprung bei der Ladeleistung von maximal 50 kW auf heute 150 kW beim Schnellladen, bei einigen Punkten sogar bis zu 350 kW. „Das ist eine Verdreifachung der Ladeleistung innerhalb weniger Jahre“, sagte Andreae. Die sehr dynamischen Entwicklungen beim Aufbau der öffentlichen Ladesäulen zeigten, dass der Markt funktioniert. Eine der größten Herausforderungen für die Unternehmen sei die Verfügbarkeit geeigneter Flächen für öffentliche Ladesäulen. „Hier sind Bund, Länder und Kommunen gefragt − warum ist von den 19.000 Liegenschaften des Bundes keine einzige im Flächentool der Leitstelle verzeichnet?“, fragte Andreae.

Zudem seien die Förderverfahren für öffentliche Ladeinfrastruktur zu kompliziert und zu langwierig, kritisierte Andreae: „Aus diesem Grund wurden im letzten Jahr nur 12 Prozent der Mittel tatsächlich abgerufen.“ Ladeinfrastruktur allein mache aber noch keine Antriebswende. Für das Engagement aller Akteure von der Bundesregierung und den Kommunen über die Immobilienwirtschaft bis hin zur Automobilwirtschaft regte die BDEW-Chefin eine regelmäßig tagende „Konzertierte Aktion Elektromobilität“ an.