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Susanne Harmsen
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Mittwoch, 18.05.2022, 14:01 Uhr
Windkraft Offshore
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EU-Länder setzen bei Gipfel auf Ökostrom für Klimaschutz
Bei einem Nordseegipfel von Windindustrie und Politik im dänischen Esberg betonten EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Bundeskanzler Olaf Scholz die Bedeutung der Branche.
Auf Einladung der dänischen Regierung trafen sich die Regierungschefs von Dänemark, Deutschland, Belgien und den Niederlanden sowie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in der Hafenstadt Esberg (dänisch: Esbjerg). Bei dem Gipfel mit der Windindustrie ging es darum, gemeinsame Vorhaben für den Ausbau der Offshore-Windenergie und der dazugehörigen Infrastruktur festzulegen. Für Deutschland nahmen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) an dem Gipfel am 18. Mai teil.

Offshore-Windstrom werde eine zentrale Rolle bei den Plänen der EU spielen, sich frei von fossilen Brennstoffen zu machen. Europa müsse so schnell wie möglich unabhängig von russischem Gas werden, betonte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Die Industrievertreter hoben hervor, dass für den Ausbau der Windkraft „geeignete Rahmenbedingungen geschaffen“ werden müssten. Dazu gehörten auch Regelungen für grenzüberschreitende Projekte und eine bessere Abstimmung der Meeresraumplanung.

„Wir müssen endlich anfangen, die Nordsee als den gemeinsamen Raum zu sehen, der sie ist“, sagte Stefan Thimm, Geschäftsführer des deutschen Bundesverbandes Wind Offshore (BWO). Auch beim Ausschreibungsdesign für künftige Offshore-Windprojekte wäre laut BWO ein einheitlicher europäischer Weg klar von Vorteil. Zur Orientierung könnte dabei beispielsweise das niederländische Ausschreibungssystem dienen. „Ein Flickenteppich nationaler Rahmenbedingungen wird die Planung grenzüberschreitender Projekte erschweren – schlimmstenfalls sogar verhindern“, warnte Thimm.

Von der Leyen präsentiert Entwurf "REPowerEU"

Der Windgipfel fällt zeitlich mit der Präsentation des "REPowerEU"-Aktionsplans der EU zusammen, der auch die zentrale Rolle der Windenergie unterstreicht. Dieser beschreibt Schritte, um Europa von russischen Importen fossiler Brennstoffe zu entwöhnen und den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen. Um die Energiesicherheit Europas zu stärken, soll die Leistung aus Windenergie europaweit von heute 190.000 MW auf 480.000 MW im Jahr 2030 wachsen.

Insgesamt geht es um Investitionen von bis zu 300 Mrd. Euro bis 2030, zusätzlich zu den Initiativen, die unter dem Klimaschutzpaket „Fit for 55“ vorgesehen sind. Die Zahlungen sollen zum Großteil aus Krediten sowie aus Zuschüssen bestehen, sagte Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Laut dem Entwurf sollen 45 % der Energie in der EU bis 2030 aus erneuerbaren Quellen kommen, statt wie bisher geplant 40 %.

Gleichzeitig wird vorgeschlagen, den Energieverbrauch bis Ende des Jahrzehnts um mindestens 13 % zu senken, statt wie bisher vorgesehen um 9 %. Auch die Anzahl der Solarstromanlagen soll sich bis 2028 mehr als verdoppeln, auf eine Leistung von 300.000 MW. Die Kommission will, dass alle industriellen Gebäude ab 2025 mit Solarzellen bestückt werden, private Neubauten sollen ab 2029 folgen. Zudem werde sie eine Gesetzesinitiative für kürzere Genehmigungsverfahren von bis zu einem Jahr für bestimmte Anlagen vorstellen, kündigte von der Leyen an.

Windbranche nennt Bedingungen

Giles Dickson, CEO von Wind Europe, sagte: „Es ist fantastisch, dass die vier Regierungschefs der EU-Nordsee und der Präsident der Europäischen Kommission in Dänemark zusammenkommen, um neue Verpflichtungen für Offshore-Windenergie einzugehen.“ Die neuen Windenergieverpflichtungen würden aber nur erfüllt, wenn Europa über eine tragfähige Lieferkette für Windenergie verfügt und die Genehmigung von Windparks vereinfacht wird. „Europas fünf Turbinenhersteller arbeiten heute alle mit Verlust“, warnte er zugleich.

Siemens Gamesa sei bereit, die Herausforderung anzunehmen, diese zusätzlichen Anlagen zu liefern, sagte der CEO Jochen Eickholt. Aber die Kosten für Rohstoffe und Komponenten stiegen. „Das Auktionsdesign ist hauptsächlich kostengetrieben, während das Risiko entlang der Wertschöpfungskette nicht gut verteilt ist“, kritisierte Eickholt. „Wir brauchen gezielte Unterstützung, um Europas Technologieführerschaft bei Offshore-Wind zu erhalten“, forderte er.

Stromnetze ebenfalls fit für Wind machen

„Maritime Raumplanung, die allgemeine Verfügbarkeit von zugänglichem Meeresboden für Windparks und Netzinfrastruktur sowie schnellere Genehmigungen für On- und Offshore-Wind“ nannte Sven Utermöhlen, RWE CEO Offshore Wind als Voraussetzungen zur Erreichung der ehrgeizigen EU-Ziele.

Mads Nipper, CEO von Oersted, erinnerte, dass auch die Integration variabler Energie in großem Maßstab in die Stromsysteme gelingen müsse und der Ausbau im Einklang mit der Natur erfolgen soll. Mindestens sieben europäische Länder entwickelten derzeit Hybrid-Interkonnektoren, für diese brauche es ein günstiges Investitionsklima sichergestellt, mahnte Chris Peeters, CEO der Elia Group.