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Georg Eble
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Dienstag, 18.01.2022, 10:15 Uhr
Regenerative
E&M News
"PPA mittlerweile in voller Fahrt"
Über die Hintergründe des neuen Informationsprodukts "PPA-Preismonitor" hat E&M mit Nicolai Herrmann von Enervis gesprochen. Das Beratungs- und Analysehaus berechnet diesen Preisindex.

E&M: Herr Herrmann, Sie haben den „PPA Preismonitor“ zusammen mit E&M entwickelt. Warum gerade jetzt? Was macht PPA - also Direktlieferverträge von Erneuerbaren-Anlagen - gerade jetzt auch in Deutschland für Entscheider in der Energiebranche wichtig?

Nicolai Herrmann:
 Der PPA Markt in Deutschland ist nach einer kurzen Corona-Delle mittlerweile in voller Fahrt, PPAs sind im Markt angekommen. Als energiewirtschaftliche Berater bekommen wir das direkt mit: Beratungsprojekte zur Unterstützung von Erzeugern, Händlern, Vertrieben und großen Stromverbrauchern bei der Beschaffung, Bewertung und Abwicklung von Grünstrom-PPA sind unser “New Normal”. Und wenn ein Produkt sich im Markt soweit etabliert hat, dann macht es aus meiner Sicht Sinn, einen Preismonitor dafür zu entwickeln.

E&M: Wir bieten zusammen eine Zeitreihe von monatlichen Durchschnittspreisen für zwei verschiedene Arten PPA. Wie kommen Sie auf diese Werte? Stammen diese aus Ihrer Beratungspraxis und aus Publikationen oder sind das synthetische Werte?

Nicolai Herrmann ist Partner bei Enervis Energy Advisors in Berlin
Quelle: Enervis

Herrmann: Von allem ein bisschen: Der dargestellte PPA-Preisindex ist ein technologiespezifischer synthetischer Wert, der sich aus öffentlichen Preisdaten, Modellergebnissen von Enervis und marktüblichen Faktoren aus unserer PPA-Beratungspraxis zusammensetzt. Der PPA-Preismonitor stützt sich auf mittlere Terminmarktpreise für Strom von der EEX, denn diese sind der Benchmark für die PPA-Bewertung. Die wesentlichen Preiselemente von PPAs, die sich in unserer Bewertung als Abschläge gegenüber dem Basepreis des Terminmarktes darstellen, hängen dann jedoch an energiewirtschaftlichen Einflüssen wie dem Marktwertfaktor, standort- und projektspezifischen Parametern und der Abbildung von Mengen- und Preisrisiken. Diese Elemente der Bewertung entnehmen wir unseren internen Modellberechnungen und dem Enervis-PPA-Atlas. Und natürlich beinhaltet der PPA-Preismonitor auch unsere Markterfahrungen, zum Beispiel zum Preis von Herkunftsnachweisen.

E&M: Die beiden Preisdurchschnitte behandeln zum einen neue Photovoltaik-Freiflächenanlagen, zum anderen über 20 Jahre alte Windräder an Land, die aus der gesetzlichen Förderung gefallen sind (Ü20-Anlagen). Wieso keine Ü20-PV-Anlagen und keine Offshore-Windparks, weder alte noch neue?

Herrmann: Diese Auswahl spiegelt den aktuellen deutschen PPA-Markt wider: Wir haben hier im Wesentlichen die beiden Technologien Ü20-Onshore-Wind und neue PV-Projekte, und deshalb konzentriert sich der PPA-Preismonitor auf diese beiden. Auf Ü20-PV-Anlagen in PPA-relevanter Leistungsgröße, also im Megawattbereich, werden wir hierzulande noch ein paar Jahre warten müssen - sie dürften ab Mitte der 2020er relevant werden. Und Offshore-PPAs sind im Wesentlichen großen Akteuren vorbehalten und werden individuell verhandelt. In diesem Segment sind wir zwar als Berater von Anfang an dabei, sehen aber aufgrund der begrenzten Zugänglichkeit in einem marktweiten Index derzeit keinen wirklichen Zusatznutzen für die Strommarktakteure.

E&M: Warum kooperieren Sie beim „Enervis PPA Preismonitor“ gerade mit E&M?

Herrmann:
 Enervis und E&M bearbeiten bereits seit 2018 zusammen das Thema der Power Purchase Agreements mit gemeinsamen Veranstaltungen, beispielsweise auf dem PPA-Panel auf der E-World - das leider in diesem Jahr wegen der Pandemie abgesagt werden musste - sowie natürlich im jährlich aktualisierten PPA-Barometer, das einen regelmäßigen Marktüberblick liefert. Da liegt es nahe, jetzt auch einen PPA-Preismonitor gemeinsam zu veröffentlichen.